Route du Rhum: Umgebaute „Sodebo Ultim’“, ex „Geronimo“ zu Wasser gelassen

Wieder in den Jagdgründen

Der 31 m lange Rekordtrimaran wurde in 14 Monaten zu einem Einhand-Monster umgebaut. Thomas Coville möchte damit solo die RdR gewinnen

Auch die neue Farbgebung, das neue Logo des Sponsors, der neue Mast, also ein rundum moderneres, aber auch gefälligeres Aussehen ändern nichts an der einen Tatsache: Dieses Schiff ist ein Monster. Und jeder, der auch nur einen Hauch Ahnung von Segelmythologie hat weiß, dass Monster der Meere gebändigt werden müssen. Von Dutzenden harten Kerlen, die so einen Giganten durch Wind und Wellen jagen, ihm ihren Willen aufzwingen…

Ein Team, ein Schiff, viel Konfetti: Sobeo Ultim' kurz vor dem zu Wasser lassen © sodebo

Ein Team, ein Schiff, viel Konfetti: Sobeo Ultim’ kurz vor dem zu Wasser lassen © sodebo

Thomas Coville, in den letzten Jahren eher als glückloser Weltumseglungsrekordjäger bekannt, geht damit völlig „d’accord“, bis auf den kleinen Unterschied, dass er dieses Ungetüm – sein Schiff – alleine segeln will und wird. Zunächst zum Training in den kommenden Wochen und Monaten, schließlich zum Start der Route du Rhum Anfang November, die wiederum der Beginn einer neuen Ära für den 46jährigen Segelprofi sein soll.

Bei dieser Transatlantik-Regatta wird Coville allerdings… nur das zweitlängste Schiff an den Start bringen. Der Maxi-Trimaran „Spindrift II“, nochmals 9 Meter länger als die „Sodebo Ultim’“ ist ebenfalls scharf auf den Titel „schnellster Multihull bei der RdR 2014“. Aber das ist eine andere Geschichte…

Thomas Coville, fanatischer Einhand-Rekordjäger © sodebo

Thomas Coville, fanatischer Einhand-Rekordjäger © sodebo

Metamorphose

Während der ausgesprochen spannenden Umbauphase (SR berichtete) machten die Techniker und Bootbauer der „Multiplast“-Werft aus „ihrem Baby Geronimo“, das 2001 in eben diesen Hallen das Licht der Welt erblickte, nun einen Trimaran, der im Prinzip die gleichen Aufgaben zu erfüllen haben wird wie zuvor, dabei aber nur von einer Person gesteuert wird.

Das Team Sodebo hatte sich beim Umbau von A bis Z auf die gleiche Mannschaft verlassen, die „Geronimo“ bereits vor 13 Jahren konstruierten: Die Schiffskonstrukteure von VPLP, das renommierte Forschungsbüro  HDS und natürlich die Werft „Multiplast“. Der radikalste „chirurgische“ Eingriff bei „Geronimos“ Umbau war sicherlich ein völlig neuer Rumpf von „nur noch“ 31 Metern Länge (zuvor 35m), dessen Layout ausschließlich auf die Belange von Solo-Seglern ausgerichtet ist. Die Schwimmer wurden mit neuen Bug-Sektionen versehen, zudem neue Schwerter und Ruderblätter gesteckt bzw. angehängt. So soll es der „Sodebo Ultim’“ besser gelingen, auch über längere Strecken nur auf dem Leeschwimmer zu segeln, was offenbar ein Schwachpunkt der „Geronimo“ war.

Der Original-Baum wurde leicht modifiziert, damit er auf den neuen „Lorima“-Mast passt; die Segelgarderobe wählte Thomas Coville wieder bei North-Sails aus, mit denen er bereits bei Rekordfahrten auf der (kleineren) „Sodebo“ gute Erfahrungen machte.

Der Trimaran hat ein eher gedrängt wirkendes Cockpit, Covilles „Wohnzimmer“ ist nicht mal 3 Quadratmeter groß. Entsprechend stolz verkündete der Skipper, dass mit allen Maßnahmen, die an der „ex Geronimo“ durchgeführt wurden, sage und schreibe sieben Tonnen Gewicht im Vergleich zum Original (also der Crew-Version) eingespart werden konnten.

14 Monate Umbauzeit in den Hallen der Werft "Mulitplast" © sodebo

14 Monate Umbauzeit in den Hallen der Werft “Mulitplast” © sodebo

„Obwohl ich im Prinzip auf einem 13 Jahre alten Schiff segeln werde, ist die „Sodebo Ultim’“ dennoch ein echter High Performance-Renner, der auf den neuesten Stand der Technik gebracht wurde. Jetzt sind wir ernstzunehmende Kandidaten auf den Route du Rhum-Titel!“

Mulmiges Gefühl

Und dennoch: „Obwohl hier alles Hightech vom Feinsten ist und die wohl besten Bootsbauer Frankreichs am Werk waren, ist es immer wieder ein mulmiges Gefühl, wenn so ein Schiff nach so immensen Umbauten wieder ins Wasser kommt,“ gab Coville in dem Moment zu, als seine „Sodebo Ultim’“ am Kranhaken hing um bald erneut seinem Element übergeben zu werden. „Man weiß eben doch nie, ob die Dinger tatsächlich schwimmen,“ schmunzelt er weiter.

Nun, „das Ding“ schwimmt, hoch aufgerichtet, „stolz wie ein Schwan“. Und wird Coville hoffentlich sicher über alle Weltmeere tragen.

Coville (rechts) und sein Lehrmeister Kersauson vor dem neuen, alten Spielzeug © Sodebo

Coville (rechts) und sein Lehrmeister Kersauson vor dem neuen, alten Spielzeug © Sodebo

 

Übrigens, wenige Tage vor der Wasserung kam „Geronimo“-Skipper Olivier de Kersauson vorbei, um das Refit seines „Monsters“ , mit dem er mehr als 100.000 Seemeilen über die Weltmeere raste, in einer kleinen Privataudienz zu bewundern. „Es ist verrückt,“ erklärte dazu Thomas Coville, „vor 20 Jahren habe ich meine erste Weltumseglung mit Olivier gemacht. Und jetzt stehen wir beide vor diesem wunderbaren Trimaran, er mit seiner langen Geschichte auf dem Schiff, ich mit meinen Hoffnungen in das Schiff… und wir waren beide aufgeregt wie kleine Jungen vor ihrem neuen Spielzeug.“ Er habe ein ziemlich gutes Gefühl, sagte Coville noch, bevor er sich auf dem Trimaran zu Wasser kranen ließ…

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Route du Rhum: Umgebaute „Sodebo Ultim’“, ex „Geronimo“ zu Wasser gelassen“

  1. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Video vom Umbau:

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