Route du Rhum: Wie es Roucayol tagelang im gekenterten Tri aushält – Rettung naht

"Über das Glück"

Lalou Roucayrol wartet seit zwei Tagen im durchgekenterten Trimaran auf Hilfe und muss immer mal wieder nach draußen klettern. Er vertreibt sich die Zeit mit philosophischer Lektüre.

Arkema

Die durchgekenterte “Arkema”. Der Skipper wartet auf dem Hauptrumpf. © RdR

Lalou Roucayrol hat sich nach der Kenterung vor zwei Tagen mit seiner Situation in dem umgedrehten Trimaran arrangiert. Er berichtet der Wettfahrtleitung, dass er sich einigermaßen an gewöhnt habe und einen Großteil seiner Zeit mit dem Buch des Philosophen Émile Chartier (Pseudonym Alain) “Propos sur le Bonheur” – “über Glück” – verbringe . 

Aber er müsse immer wieder nach draußen an die frische Luft klettern. “Ich fühle mich wie in einer Raumkapsel gefangen. Es ist laut, da immer noch Überreste der Takelage gegen den Rumpf schlagen. Es war kompliziert, die Takelage zu lösen. Ich habe vier Stunden im Wasser verbracht und ein paar Mal ziemliche Angst gehabt, das kann ich sagen. Ich musste sicherstellen, dass alles völlig weg ist. Zwei Stücke und den Mast-Stumpf  konnte ich nicht erreichen konnte. Aber ich möchte es noch schaffen, bevor mich Pierre Antoine erreicht.”

Die Rettung mitten im Atlantik

Antoine mit “Olmix” bei der gekenterten “Arkema”.

Der Skipper des Trimarans “Olmix”, der zurzeit die Wertung in der Rhum-Klasse der älteren Multihulls anführt, will Roucayrol aufnehmen. Er hat die umgedrehte “Arkema” gerade erreicht und die Übernahme-Operation eingeleitet.

Roucayrol weist darauf hin, dass er eine solche Situation ja schon kenne. Am 10. November 2013 überschlug er sich mit seinem Trimaran bei der Atlantik-Regatta Transat Jacques Vabre. Damals war allerdings Co-Skipper Mayeul Riffet mit an Bord. “Das größte Problem ist die Hitze und Feuchtigkeit im Inneren. Ich kann die Luken nicht öffnen, weil der Wellengang zu stark ist. Und es ist eben verdammt laut.”

Warum der Überschlag geschah, ist dem Skipper nicht klar. “Ich weiß nicht wirklich, was passiert ist. Tatsächlich hatte ich gerade eine Viertelstunde zuvor meiner Routerin Karine Fauconnier gesagt, dass ich super glücklich bin. Bei 25 bis 30 Knoten hatte ich das Groß gerefft, um auf die Böen vorbereitet zu sein. Es war nicht stressig, ich fühlte mich ganz sicher. Allerdings war mir bewusst, dass sich etwas Wasser in meinem Lee-Schwimmer befand. Ich hatte es vor ein paar Tagen bemerkt. Vielleicht war er nun schon halb voll. Ich kann nur spekulieren, dass es deshalb so weit gekommen ist.

Das Boot beschleunigte in einer Böe, ich fierte das Großsegel mit dem Auto-Release-System und gleichzeitig auch den Gennaker. Das Boot krachte aber in eine Welle und der Luvschwimmer fing an, zu steigen. Ich denke es stolperte über das Leeschwert. Aber ich kann es wirklich nicht erklären. Es gab keinen Grund, hier zu kentern. Aber es ist, wie es ist.”

Roucayrol wartet seitdem auf Pierre Antoine mit seiner “Olmix”, der inzwischen an der Unglücksstelle eingetroffen ist. Mit ihm will er etwa zwei Tage lang nach Guadeloupe segeln. Inzwischen hat der Bootsmann des 50-Fuß-Tris Quentin Vlamynck – bekannt als Einhand-Skipper des innovativen Mini-Transat-Foilers “Arkema” –  auf Martinique einen Schlepper organisiert. Auf den soll Roucayrol kurz vor der Ankunft von “Olmix” in Pointe-à-Pitre übersteigen. 

Damit will das Arkema-Team den gekenterten Tri erreichen und vielleicht reparieren oder schleppen, je nachdem, was die Bedingungen erlauben. “Ich muss geduldig sein. Es wird Zeit brauchen. Man lernt, mit solchen Herausforderungen zu leben.”

Dabei helfe eben sein Buch “Über Glück”. “Ich habe bei jeder Transat so ein Buch dabei. In diesem beschreibt der Philosoph Alain viele kleinen Dinge, wie man sein Glück findet und positiv bleibt. Ich bin beim vierten Kapitel und weiß , was auf mich zukommt. Es geht um die Entscheidungen, die wir treffen und wie wir sie umsetzen – das ist es, was mich interessiert.

Der beste Moment war, als ich das Flugzeug über mir hörte. Es war toll, sie blieben lange bei mir; wir plauderten per UKW, es war wirklich schön. Ein gutes Ende eines schwierigen Tages. ”

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Route du Rhum: Wie es Roucayol tagelang im gekenterten Tri aushält – Rettung naht“

  1. avatar looploop_andy sagt:

    Der Skipper ist gerade auf die umgeleitete OLMIX umgestiegen, super Seemannschaft.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

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