Sables-Acores: Burke nach 22 Stunden in Etappe 2 erneut auf Rang 2 – Youngster Fink stark!

Der Vorschusslorbeeren würdig

Nur wenige hätten gedacht, dass sich der 21-jährige Lennart Burke so konsequent vorne behaupten kann.  Beste Voraussetzungen, um in einem Tag in der Windzone auf Höhe Finisterre auf und davon zu segeln. 

Eigentlich sollte die zweite Etappe des Corona-bedingt geänderten Rennens Les Sables Acores les Sables (SAS) gestern bereits um 13 Uhr starten. Doch der Durchzug einer Gewitterfront veranlasste die Organisation, die Startprozedur vor Les Sables d’Olonnes um eineinhalb Stunden zu verschieben. Dann gab es noch zwei Gesamtrückrufe, weil in zu leichten Winden die Boote gruppenweise über die Startlinie trieben bis schließlich um 15:14 Uhr die 71 Minis auf den theoretisch 470 Seemeilen langen Parcours gen Roscoff geschickt wurden. 

Direkter Weg – zu leicht!

Doch wie das immer so ist bei Hochseeregatten mit einem gewissen navigatorischen Anspruch (die Ministen dürfen weder Plotter noch Internet nutzen, müssen ausschließlich mit Karte und GPS-Position ihren Kurs finden): Der direkte Weg wäre ja viel zu einfach! 

Also mussten die Ministen erstmal Richtung Süden segeln, um die Insel Ré zu umrunden. Was auf der Karte wie ein Klacks aussieht, war bei den vorherrschenden ausgesprochen flauen, westlichen Winden eine ziemlich kniffelige Angelegenheit. Denn es galt, rechts der Insel unter Land, mehr oder weniger in der Abdeckung ohne Langzeit-Parken klarzukommen. Revierkenner wissen, dass es dort Windlöcher geben kann, die selbst die ausgebufftesten Segler stilllegen, während 200 m neben ihnen die Flotte gemütlich, aber konsequent an ihnen vorbeizieht. 

Lennart Burke in bester Stimmung – bloß nicht verrückt machen lassen! © breschi

Überhaupt, die Windstärke. Nachdem die gewitterigen Zonen ins Landesinnere abgezogen waren, mussten und müssen sich die Segler während der ersten 24 Stunden dieser zweiten Etappe erneut mit ausgesprochen leichten, partiell teils stark drehenden Winden herumschlagen. Fünf Knoten Geschwindigkeit wurden bis zum heutigen Sonnenaufgang eher selten überschritten. 

Einmal den Platz an der Sonne! © tracker

Dennoch könnte in den nächsten Stunden auf Höhe der Insel Ouessant eine Vorentscheidung für die Etappenwertung fallen. Denn vor der westlichsten Insel des Departements Finisterre erwartet die Flotte ein 15 – 25 kn starker Nordwind, der die zuletzt dominierenden Flauten-Experten vor Probleme stellen könnte – sofern sie denn tatsächlich ausschließlich leichte Winde mögen.

Es wird ruppig im Ärmelkanal

Der im Ärmelkanal anstehende Kreuzkurs bis zum englischen Wolf Rock könnte ziemlich ungemütlich werden. Außerdem soll die 3er-Pogos favorisieren und die Plattbug-Minis (zumindest in der Serienwertung) an ihre Grenzen bringen.

Außerdem gilt: The rich get richer. Wer aus den Schwachwindzonen heraus als Erster beim Wind ankommt, wird einen schönen Vorsprung herausarbeiten können. Allrounder, die also mit leichten aber auch stärkeren Winden bei ungemütlicher Welle gleichermaßen gut klarkommen, werden das Rennen für sich entscheiden. 

Der 18-jährige Melwin Fink führt konsequent das Mittelfeld an! © breschi

Nach der Rundung von Wolf Rock wartet ein schneller Halbwind-Kurs Richtung Roscoff, bei dem es dann „nur noch“ auf Speed, Speed und nochmals Speed ankommt. Doch noch sind sich die Meteorologen nicht einig, ob der Wind nicht erneut drehen wird. Die ersten Protos werden jedenfalls nach heutiger Berechnung am Donnerstag Abend im Ziel erwartet, die ersten Serienboote am Freitag frühmorgens. 

Mittelfeld und ganz vorne

Die deutschen Mini-Heldinnen und -Helden Lina Rixgens, Melwin Fink und Lennart Burke sowie der Österreicher Christian Kargl sind seit Beginn der zweiten Etappe „gut bis sehr gut“ positioniert. Bei Lina Rixgens, die mit ihrem Wevo-Scowbug-Serien-Design mangels ausreichend verkaufter Boote noch bei den Prototypen starten muss, dürfte sich sogar kurzzeitig ein Glücksgefühl wie „Weihnachten, Ostern und Geburtstag am gleichen Tag“ eingestellt haben, als sie nach dem Start als Erste bei den Prototypen gelistet wurde.

Ein Platz an der Sonne, den sie sich nach ihrer wohl eher enttäuschenden ersten Etappe gewünscht hatte. Und der durchaus motivierend wirken dürfte, denn heute Morgen ist sie (im Vergleich zu den Serien-Booten) im Mittelfeld unterwegs. 

Fast schon ein Slogan: vorne ist, wo Vorpommern segelt! © breschi

Auch Christian Kargl kam bestens über die ersten Seemeilen und wurde gar auf Rang 3 gewertet, ist mittlerweile jedoch – den nervenaufreibenden Schwachwindzonen geschuldet – wieder im Mittelfeld angekommen (Rang 27 um 11 Uhr). 

Richtig klasse segelt Melwin Fink. Auf dem ehemaligen Witzmann-Boot schlägt sich der Flotten-Jüngste (18 Jahre) mehr als beachtlich! Melwin hält sich konsequent im vorderen Drittel der Serienflotte auf und lässt ganz offensichtlich auch in nervenaufreibenden Situationen, wie etwa bei der Passage unter der Ile-de-Ré-Brücke, nichts anbrennen.

Rang 15 heute Morgen zeigt, dass noch einiges „drin“ ist für den Youngster. Auch wenn man bei Bootsgeschwindigkeiten unter einem Knoten (!) Nerven wie Kälberstricke braucht. Und dennoch: Sein Rückstand zur Spitze betrug um 11 Uhr elf Seemeilen.

Burke überzeugt

Womit wir dort angekommen wären, wo derzeit – ja, man darf durchaus „mal wieder“ schreiben – Lennart Burke unterwegs ist. An der Spitze, oder besser gesagt: auf Rang 2, mit einem Abstand von 3,5 sm zu Quentin Riché, dem Viertplatzierten der ersten Etappe, dem Burke 25 Minuten abgenommen hatte.

Damit befindet sich der junge Deutsche genau dort, wo er die letzte Etappe beendete, und wo ihn in der französischen Szene kaum jemand jetzt schon wieder vermutet hätte. Vielleicht sein Trainer Tanguy Leglatin, der in dem Deutschen offenbar reichlich Potential für Kommendes sieht. 

Lina Rixgens im Sonnenuntergang © rixgens

Lennart ist vorne bereits deutlich schneller, als die nachfolgende Serienflotte, fährt allerdings auf dem Weg zur nächsten (virtuellen) Boje etwas höher als der Erstplatzierte Quentin Riché. Wahrscheinlich will er westlich der (rechnerischen) Ideallinie mit halbem Wind segeln, in der Hoffnung, dort das eine oder andere halbe Knötchen mehr Wind zu ergattern. 

Wie auch immer: Lennart Burke zeigt sich bisher in dieser zweiten Etappe seiner Vorschusslorbeeren würdig und segelt verblüffend konsequent auf Rang 2. Nur wenige Stunden setzte ihn die Tracking-App mal auf Rang 3 – geschenkt!

Auch in der Etappen-Gesamtwertung macht er Boden gut auf den Sieger der ersten Etappe Léo Debiesse, zu dem er ein Defizit von etwas mehr als einer Stunde ausgleichen muss. Der Franzose schien zu schwächeln, als er an der ersten Wendemarke nur auf Rang 25 gezählt wurde.

Dann saß er schnell wieder seinem deutschen Widersacher bis auf eine Meile im Nacken, nur um in der Nacht in einem hartnäckigen Flautenloch wieder fünf Meilen zu verlieren. Nun segelt er auf Platz neun zu Burke mit einem Rückstand von gut vier Meilen – liegt also in der Gesamtwertung noch in Führung.

Nervenaufreibende Idylle © breschi

Nun heißt es, in den nächsten, weiterhin eher schwachwindigen 24 Stunden Nerven zu bewahren, aber auch Körner „zu sammeln“ Um den garantiert folgenden, ruppigen Kurs durch den Ärmelkanal ähnlich bravourös zu meistern, wie diese ersten 23 Stunden. 

Der Tracker bringt Euch – virtuell – mitten ins Geschehen! 

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *