Sail GP: Olympiasieger Tom Slingsby startet für Australien – F50-Kats sind 54 Knoten schnell

Kontrolle per Joystick

Der Sail Grand Prix von Larry Ellison und Russell Coutts nimmt immer konkretere Formen an. Wie die neuen Onedesign-Kats schneller sein können, als ihre Bermuda-Vorgänger. Das erste Video.

Tom Slingsby, der fünffache Laser-Weltmeister, Olympiasieger 2012 und America’s Cup-Sieger mit Oracle (2013 als Taktiker), bastelt seit Jahren daran, ein starkes australisches America’s Cup Team ins Leben zu rufen. Auch für den 36. Cup 2021 bemühte er sich. Aber die hohen Kosten lassen eine Meldung nicht zu.

Umso besser passt für den Aussie-Star die Initiative seiner ehemaligen Bosse Ellison und Coutts. Ein Segel Grand Prix mit Onedesign-Regeln. Dafür hat sich Slingsby schon ein starkes Team zusammengestellt, das in der Besetzung automatisch zum Top-Favoritenkreis zählt.

Neben dem Steuermann Slingsby (34) wird Kyle Langford (29), ex Oracle Wing-Trimmer den selben Job auf dem F50 übernehmen. Langford segelte gerad erst beim Volvo Ocean Race mit Brunel um die Welt. Jason Waterhouse (26) kontrolliert an Bord die Flughöhe. Er steuerte 2016 den australischen Nacra17 zur olympischen Silbermedaille.

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Tom Slingsby (Mitte) mit seinem Team in Sydney. © SailGP

Der Ironman Ky Hurst (37) steht am Grinder wie auch Sam Newton (32), der an der Seite von Slingsby und Langford 2013 für Oracle den America’s Cup gewonnen hat. Er segelte auch mit Langford auf Brunel um die Welt.

Der erste F50 in neuseeländischen Gewässern. © SailGP

Ähnlich stark ist das britische Team aufgestellt. 49er Weltmeister (2017) und Olympia-Sechste in Rio, Dylan Fletcher hat seinen Vorschoter Stuart Bithell an der Seite, der 2012 als 470er Trapez-Artist Olympia-Silber gewann. Cup-Erfahrung bringt Chris Draper an Bord, der Taktiker und Wing Trimmer beim SoftBank Team Japan 2017 und 49er Olympia-Bronze-Gewinner 2004. GC32-Spezialist Richard Mason steht ebenso am Grinder wie Matt Gotrel, der nach einer Olympia-Kampagne für beim British Sailing Team zum Rudern wechselte, zweimal Weltmeister wurde und Olympia-Gold im Achter holte.

Das US-Team ist nominell vergleichsweise schwach aufgestellt mit Steuermann Rome Kirby. Der hat zwar zwei Volvo Ocean Races mit Puma bestritten und mit Oracle 2013 erfolgreich den America’s Cup verteidigt, aber jeweils nicht in einer ähnlich verantwortlichen Position wie jetzt auf dem F50.  Die weiteren Cremitglieder: Riley Gibbs (Wing Trimmer), Hans Henken (Flight Control), Mac Agnese (Grinder) und Dan Morris (Grinder). 

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Das US-Team. © SailGP

Interessant sind die Aussagen der Organisatoren zum neuen F50 Katamaran, der signifikant schneller sein soll, als die AC50-Cupper in in Bermuda. Deren Rekord-Speed wurde mit 47.2 Knoten gemessen (Artemis), die F50 sollen aber 54 Knoten in der Spitze erreichen.

Neues Foil-Paket für mehr Speed

Das soll insbesondere durch ein weiterentwickeltes Tragflächen-Paket erreicht werden. Die neuen Foils sind aus steiferer (high modulus) Karbonfaster gefertigt, weisen deshalb weniger Fläche und Widerstand im Wasser auf. Ein veränderter Shape der Tragflächen soll ebenfalls den Speed erhöhen. Außerdem sind die Katamarane etwa 50 Zentimeter breiter und erzeugen ein größeres aufrichtendes Moment, auch wenn die Crew um eine Person auf fünf reduziert wurde.

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Ungewöhnliche Ansicht des neuen F50. © SailGP

Die F50 sollen deutlich früher in den Flugmodus gelangen und stabiler dort gehalten werden können. Man muss nicht mehr ständig Druck für die Hydraulik entwickeln, um die Systeme für die Flugkontrolle bedienen zu können. Die Energie wird per Batterien eingespeist.

Ein großer Unterschied der F50 zu den AC50 ist die aktive Kontrolle des Ruderwinkels, der wie ein Heck-Leitwerk beim Flugzeug wirkt. Diese Trimmeinrichtung wird per Joystick vom in der Mitte des Luvschwimmers postierten sogenannten Flight Controller bedient. Er arbeitet aber Hand in Hand mit dem Steuermann, der nach wie vor mit Knöpfen am Steuerrad Einfluss auf die Flughöhe aber auch den Fockschottrimm nehmen kann.

Beliebig viele Manöver

Die Einführung der batteriebetriebenen Flugsteuerung hat einen besonderen Vorteil, der das Spiel auf dem Wasser deutlich spannender macht. Die Teams müssen für ihre Manöver nicht warten, bis sie wieder per Grinder ausreichenden Öldruck generiert haben. Dadurch können deutlich mehr Wenden und Halsen ausgeführt werden.

Obwohl die F50 Onedesign-Katamarane sind, gibt es ein zentrales Designteam unter der Leitung von Mike Drummond. Es soll sicherstellen, dass die F50-Klasse auf dem neuesten Stand bleibt – und schneller als die neuen AC75 Monohull-America’s Cupper.

Die hydraulischen und elektrischen Steuerungssysteme und Software werden bei Artemis Technologies entwickelt und verbessert, einem Unternehmen unter der Leitung des britischen America’s Cup-Skippers und Olympiasiegers Iain Percy.

Geplante Entwicklungsbereiche umfassen neue Flügelsegeldesigns, die auf einem modularen System basieren. Die Teams sollen eine Reihe von Rigggrößen – 18qm, 24qm und 28qm – bei verschiedenen Windstärken eingesetzen können.

Segelfans können sich aber insbesondere Hoffnung auf die hochwertige Übertragungstechnik machen, in die Larry Ellison bei den vergangenen beiden America’s Cups besonders viel Geld investiert hat – Die Neuseeländer müssen für 2021 erstmal so weit kommen. Beim SailGP soll die Entwicklung weiter fortschreiten, um das TV-Produkt schließlich massentauglich zu machen.

Larry Ellisons und Coutts vollmundiges Ziel bleibt es, das Segeln neu zu definieren.  Ab 2019 sollen sechs Crews aus Australien, China, Frankreich, Großbritannien, Japan und den USA in Sydney, San Francisco, New York, Cowes und Marseille um das Preisgeld von 1 Million US-Dollar kämpfen.

 

Website SailGP

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Carsten Kemmling

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