SailGP-Auftakt in Bermuda: Slingsby setzt Siegsträhne fort – Neues Kanada-Team überrascht

Grobes Foul

Tom Slingsby setzt nach seiner Rekrutierung für das US America’s Cup Team seinen Höhenflug beim SailGP fort. Aber Ainslie sitzt ihm im Nacken und der Kiwi Phil Robertson feiert ein starkes Debut – diesmal für Kanada.

Das Foul der Franzosen (r.) beim Start. Ainslie (hellblau) weicht im letzten Moment aus. FRA bekommt die “schwarze Flagge” und wird aus dem Rennen genommen.

Die SailGP-Veranstalter feiern den Aufstieg eines neuen Teams. Kanada erreicht beim Auftakt der dritten Saison in Bermuda auf Anhieb das Finale und wird schließlich Dritter. Ein schöner Erfolg. Allerdings steckt in diesem Team weniger Kanada, als es den Anschein haben mag.

Siegerehrung in Bermuda für Team AUS. © SailGP

Der Neuseeländer Phil Robertson, der schon als “Entwicklungshelfer” für China und zuletzt Spanien erfolgreich im Einsatz war, verhilft dem neuen vom Krypto-Fonds-Unternehmer Pye finanzierten Franchise zu einem fulminanten Schnellstart in den SailGP. Er holte sich kurzfristig den Briten Chris Draper als Wingtrimmer an die Seite, der zusammen mit Nathan Outteridge und em Japan-Team kurz vor dem Saisonstart ausgebootet wurde. Ursprünglich war Robertsons Kiwi-Kumpel Graeme Sutherland für diese Position vorgesehen, der aber auch noch nicht über viel SailGP-Erfahrung verfügt.

Ein perfekter Start von AUS im fünften Rennen führt zum einzigen Laufsieg in der Serie. © SailGP

Robertson und Draper, beide erfahrenen SailGP-Segler der ersten Stunde, brachten das neue Team mit Höchstgeschwindigkeit auf ein Niveau, mit dem in Bermuda die Qualifikation für das Dreier-Finalrennen möglich war. Dabei ist es aber durchaus bemerkenswert, dass jemand wie Billy Gooderham die wichtige Position des Flight-Controllers in den Griff bekam. Der ehemalige 49er-Segler, der bis 2012 jeweils um Rang 50 bei Weltmeisterschaften skipperte und seitdem als Profi-Segler auf größeren Yachten bis zu TP52 arbeitet, lernt offenbar schnell. Viele Stunden im Artemis-Simulator auf der britischen Insel sollen geholfen haben. Nach den drei Rennen des ersten Tages wir Kanada  sogar an der Spitze des Feldes geführt, das erstmals aus neun Booten besteht.

Im Finale dominiert schließlich Titelverteidiger Australien mit Tom Slingsby am Steuer nach einer beeindruckend kontrollierten Qualifikationsserie. Ben Ainslie ist mit den Briten längst auf der Höhe der Australier und erschien sogar dominant, wenn ihn ein Penalty im zweiten Rennen (Video Sequenz) nicht im letzten Moment von Platz drei auf acht zurückgeworfen hätte. Zuvor schon hatte er mit Abstand geführt, aber ein eher kleiner Fehler beim Einschätzen der Anliegelinie zum Leetor (Video Sequenz) ließ die Briten kurzfristig bis Rang sieben zurückfallen. Sie rasten auf der letzten Vorwind über die linke Seite bis auf Rang drei nach vorne, bevor das kostspielige Zusammentreffen mit Jimmy Spithills Amerikanern passierte.

Die Tabelle nach den fünf Fleetraces. Die drei Besten qualifizieren sich für das Finale, bei dem in einem Rennen der Event-Sieger ermittelt wird.

Im Dreier-Finale war Ainslie spät an der Linie. Im falschen Moment fiel er von den Foils und es gelang nicht, Druck auf die Australier auszuüben. Slingsby lieferte aber auch ein unglaubliches Timing beim Start ab und gewann das enge Highspeed-Duell mit Robertson bis zur ersten Marke. Ainslie schnappte sich zwar noch die Kanadier und holte zu den Australiern auf, aber so richtig knapp wurde es dann doch nicht mehr.

Start zum Dreier-Finale. Ainslie (l.) ist deutlich zu spät. © SailGP

Damit machen die Australier dort weiter wo sie in der vergangenen Saison mit dem Millionen-Dollar-Coup aufgehört haben. Slingsby sagte: “Ich werde oft gefragt, was das Geheimnis unseres Erfolges ist, aber ich kann nur sagen, dass wir definitiv ein selbstbewusstes Team sind. So selbstbewusst sind wir sehr schwer zu schlagen. Wir habe das letzte Flottenrennen der Serei mit einem Start-Ziel-Sieg abgeschlossen, uns dann angeschaut haben und gesagt, dass wir dieses Finale gewinnen werden. Genau das ist passiert.”

Das klingt langweilig für die Serie, aber zumindest die Briten segeln durchaus auf dem Aussie-Niveau. Mit Japan/Outteridge wird ein Team schmerzlich vermisst, dass vorne mehr Druck machen könnte. Dafür scheint sich

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Carsten Kemmling

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