SailGP: Ben Ainslies Überschlag – Briten verlieren bei 44 Knoten Speed die Kontrolle

"Balance verloren"

Bei der sechsten von acht SailGP-Veranstaltungen im spanischen Cadiz ist es zu einem spektakulären Finish gekommen. Ben Ainslie überschlug sich mit seinem Team im Finale.

Dramatischer hätte der spanische SailGP kaum enden können. Beim obligatorischen Drei-Boot-Finale, das beim SailGP jeweils mit einem einzigen Rennen entschieden wird, produzierte Ben Ainslie eine gewaltige Gischtwolke.

Ainslies Überschlag beim SailGP in Cadiz. © Thomas Lovelock for SailGP

Sekunden nach dem Start leitet der Brite mit 44 Knoten Speed das Überholmanöver gegenüber den Australiern ein, wandelt mit vorsichtigem Abfallen die Luvposition in eine 8-Knoten-Differenz zum gegnerischen Steuermann Tom Slingsby um und rauscht vorbei. Ein perfekter Start – eigentlich. Wenn nicht plötzlich die Ruder aus dem Wasser ploppen würden. Eine starke Böe setzt am 24 Meter hohen Segelflügel ein und hebelt das Heck aus dem Wasser.

Ausweichen im letzten Moment. Slingsby reagiert besser als Spithill und siegt. © SailGP

Der rote Katamaran überschlägt sich. Die Crew kann sich anders als die spanischen Kollegen, die sich schon beim Training am Morgen aus der Regatta katapultiert haben, in ihren Cockpits halten. Aber das ändert nichts am plötzlichen Ende aller Sieg-Hoffnungen.

Die Kenterung der Spanier beim Training vor dem zweiten Renntag:

Wer nun auf ein Highspeed-Duell zwischen Australien und USA gehofft hatte, sah sich enttäuscht. Denn auch Jimmy Spithill am Steuer des US-Bootes wird in Mitleidenschaft gezogen. Erst wird er noch durch ein plötzliches Luvmanöver vor der Startlinie zu einem kurzen Brems-Penalty gezwungen, dann muss er den kenternden Briten ausweichen.

Das spanische Team nach der Kenterung beim Training vor dem letzten Renntag. © SailGP

Bei dem Luv-Schlenker werfen ihn die plötzlichen G-Kräfte auf einen Notschalter, mit dem alle Hydraulik- und Elektrik-Systeme an Bord abgeschaltet werden. Spithill muss stoppen und das System neu booten, bevor er das Rennen wieder aufnimmt. Derweil rasen die Australier einem ungefährdeten Sieg entgegen.

Die T-Foils am Ruder ziehen das Heck nicht mehr ins Wasser. Der britische F50-Kat stolpert über den Leeschwimmer. © Bob Martin for SailGP

Ainslie kommentiert das Missgeschick wie folgt: “Wir hatten wieder einen großartigen Start und lagen in Führung. Auf halbem Weg zur ersten Tonne wurden wir dann von einer Megaböe erwischt. Mit mir am Steuer, Gooby [Iain Jensen] als Wing-Trimmer und Maso [Richard Mason] an der Fock haben wir dann den Trimm und die Balance des Bootes einfach nicht richtig hinbekommen. Das war sehr frustrierend, denn wir hatten einen guten Start hingelegt. Es wäre ein tolles Rennen geworden. Es ist schade, aber wir müssen daraus lernen. Wir verbessern unsere Leistung und haben das Paket, um bei allen Windstärken konkurrenzfähig zu sein, aber wir müssen einfach einige dieser Fehler abstellen, die uns so viel kosten.”

Ergebnisse beim SailGP Cadiz

Für den Titelverteidiger Tom Slingsby und seine Australier ist es bereits der dritte Sieg in dieser Saison. Nach dem erstaunlichen letzten Platz beim vergangenen Tour-Stopp in Frankreich liegt das AUS-Team in der Gesamtwertung aber nur mit einem Punkt in Führung. Wichtig ist es, nach dem nächsten Event in Australien und dem Finale in San Francisco unter den Top Drei in dieser Wertung zu liegen. Diese drei Teams segeln dann ein Rennen um eine Millionen Dollar.

Gesamtwertung nach sechs von acht Events

Mit der Besetzung des aktuellen Finals in Cadiz haben sich die Pioniere des Katamaran-Foilings durchgesetzt. James Spithill, Tom Slingsby und Ben Ainslie schafften 2013 gemeinsam an Bord beim Oracle Team USA das unglaubliche 9:8 Comeback gegen Team New Zealand.

Burlings erster Rennsieg

Die Newcomer dagegen mussten in Cadiz wieder Lehrgeld zahlen. Das gilt insbesondere für die America’s Cup-Sieger um Peter Burling, die zwar den ersten Laufsieg schafften aber ansonsten erneut blass blieben.

© Thomas Lovelock for SailGP

Die Dänen um Nicolai Sehested schienen besser in Fahrt zu kommen und lagen nach dem ersten Leichtwind-Tag in Cadiz auf dem Quali-Platz drei. Bei Starkwind am Sonntag fielen sie aber doch wieder zurück.

Auch die Franzosen kamen nach dem erstaunlichen Rauswurf ihres Skippers Billy Besson nicht in Schwung. Vom jungen Nacra17-Olympoioniken Quentin Delapierre konnte aber auch noch nicht viel mehr als der letzte Platz erwartet werden. Im letzten Lauf immerhin schaffte er mit Rang vier das beste Ergebnis.

Finanziell auf dem Vormarsch

Für die nächste Saison wird das SailGP-Feld auf zehn Katamarane aufgestockt. Eine Abordnung der neu gemeldeten Schweizer durfte in Cadiz beim Training schon einmal mit einem der Katamaran-Foilern segeln. Die Identität eines weiteren Teams soll erst später bekanntgegeben werden.

Die neue Segel-Liga scheint nach wie vor auch finanziell auf dem Vormarsch zu sein. Er ist nun Miteigentümer seines Teams. Zusammen mit dem Geschäftspartner Chris Bake, der am Wochenende vor Scarlino die RC44-Weltmeisterschaft mit seinem Team Auqua gewonnen hat, erwarb er die Mehrheitsbeteiligung am Great Britain SailGP Team. Liga-Gründer Larry Ellison behält weiter eine Minderheitsbeteiligung.

Spannender Zieleinlauf mit einem Sieg für Ainslie im ersten Rennen:

Die beiden neuen Teams sollen ebenfalls mit einer solchen Franchise Besitz-Struktur geführt werden. Ainslie erklärte in Cadiz: “Seit vielen Jahren hat sich das Modell im amerikanischen Sport als erfolgreich erwiesen. Ich denke, es ist eine wirklich coole Entwicklung für den Sport, dass es diese Liga gibt. Diese Franchises entwickeln einen echten Wert.”

Eine Saison im SailGP kostet etwa 7 Millionen Euro und Inhaber Larry Ellison steht in den ersten fünf Jahren für die Anschub-Finanzierung gerade. Ziel ist es, dass die Teams finanziell auf eigenen Beinen stehen können. Ainslie ist davon überzeugt, dass der SailGP kommerziell erfolgreich sein kann und zeigt das persönlich mit seinem Investment.

Starker Start für Dänemark mit einem Ausweichmanöver von Slingsby in letzter Sekunde:

Die Live-Übertragungen der beiden Renntage:

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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