SailGP in San Francisco: China zerlegt Hauptantrieb – Slingsby mit spektakulärem Stunt

"Ziemlich beängstigend"

Am ersten offiziellen Trainingstag des zweiten SailGP in San Francisco (4. bis 5. Mai) haben die Teams bei Starkwind die Limits ihrer Rennmaschinen erlebt. Team China zerstörte sein Haupfflügel.

Der Tross des SailGP, der aktuell sportlich wohl hochwertigste Segel-Profi-Veranstaltung der Welt, ist in San Francisco angekommen, und hat am ersten offiziellen Trainingstag schon spektakulären Sport im berühmten Starkwind-Revier geboten. Bei der zweiten Station der Rennserie, die im Februar bei eher leichten Winden in Sydney mit einem Sieg des australischen Heimteams gestartet war, zeigten die sechs Nationen-Teams, dass die zurzeit schnellsten Segelboote der Welt tatsächlich auch bei kritischen Bedingungen beherrschbar sind.

F50, SailGP

High-Speed-Start im Training. © Chris Cameron / SailGP

Allerdings kamen die Crews, die für die USA, Australien, China, Frankreich, Großbritannien und Japan an den Start gehen, im Vorfeld des Grand Prix vom 4. bis 5. Mai durchaus an ihre Grenzen. Die San Francisco Bay wurde ihrem Ruf als eines der schwierigsten Segelreviere der Welt mit viel Wind, starken Strömungen und entsprechend aufgewühlter See gerecht. Der Wind setzte wie üblich gegen Nachmittag ein, steigerte seine Intensität und forderte höchste Konzentration von den besten Segler der Welt.

Das Boot sprang aus dem Wasser

Es fanden zwei Trainingsrennen statt. Dabei hatte besonders das chinesische Team mit seinem neuseeländischen Skipper Phil Robertson eine extreme Situation zu überstehen, die ihn die Teilnahme an den offiziellen Rennen am Wochenende kosten kann. Der Kiwi nannte es “den erschreckendsten Moment, den ich je auf einer Yacht erlebt habe”.

Bei einem Abfall-Manöver beschleunigte das Boot extrem und dafür war der Anstellwinkel der Tragfläche zu groß. “Das Boot sprang buchstäblich aus dem Wasser, und landete dann mit dem Bug nach unten in einer Welle.” Das Boot stoppte abrupt ab, und ohne den Fahrtwind erhöhte sich der Druck des Windes von hinten in das 24 Meter hohe Profil massiv. “Wir zerstörten den größten Teil des Flügels.”

F50, SailGP

Team Chna stoppt abrupt ab… © Chris Cameron / SailGP

F50, SailGP

…der Wind klappt mit vollem Druck genau von hinten den Groß-Flügel um… © Chris Cameron / SailGP

F50, SailGP

…und der hält der Belastung nicht stand. © Chris Cameron / SailGP

Es schien fraglich, ob eine Reparatur bis zum Wochenende möglich ist, aber inzwischen äußerte sich Robertson optimistisch. Der offizielle Trainingstag beginnt am Freitag, den 3. Mai statt, die offiziellen Rennen starten am Samstag und Sonntag von 21:30-14 Uhr nach deutscher Zeit. Die Rennen können hier über die App (mit Zusatzdaten) oder live auf Facebook verfolgt werden. Am Sonntagnachmittag starten die beiden besten Teams in beim Match Race Finale.

Die 50 Knoten Marke knacken

Viele Beobachter erwarten, dass die F50 Katamarane die magische Zahl von 50 Knoten knacken. Tom Slingsby hatte schon 52 Knoten auf seinem Velocitek GPS stehen. Aber schließlich entpuppte sich die reale Höchstgeschwindigkeit doch als 47 Knoten.

F50, SailGP

Team China rast vorbei an Alcatraz. © Chris Cameron / SailGP

“Ich habe mich eigentlich nie wirklich zu sehr darum bemüht, das erste Team zu sein, das 50 Knoten erreicht”, sagt der Skipper vom Australia SailGP Team. “Aber jetzt ist es ziemlich frustrierend, so nah dran zu sein und es noch nicht geschafft zu haben. Wir wollen definitiv das erste Team sein.”

Auch der Australier hatte einen haarigen Moment zu überstehen, als der Kat nach einem Strömungsabriss sekundenlang auf einem Rumpf balancierte, schließlich aber doch nicht kenterte.

Nervenkitzel und Bruch

“Die Fans werden mit Sicherheit Nervenkitzel und Bruch erleben”, sagt Nathan Outteridge, der Skipper japanischen SailGP Team, der wieder als einer der Favoriten gilt, und seinen Landsmann Slingsby diesmal schlagen will. Man kann gespannt sein, ob auch die weniger erfahrenen Teams inzwischen aufgeholt haben.

Ihnen wurde mehr Trainingszeit mit den F50 erlaubt, sie durften mehr Zeit im Simulator verbringen, und die Trimm-Daten aus Syndey sind für alle Gegner offen einsehbar. Ein Novum in der Welt des Profi-Sports. Es kommt nun darauf an, wer die richtigen Schlüsse zieht. Bei den Starkwindbedingungen in San Francisco dürften allerdings die America’s Cup erfahrenen Skipper immer noch große Vorteile haben.

F50, SailGP

Die sechs F50 Kats vor der Golden Gate Bridge. © Chris Cameron / SailGP

Der britische SailGP-Steuermann Dylan Fletcher gab zu: “Bei diesem Wetter am oberen Limit hat man schon ein wenig Angst. Aber schließlich waren es tolle erste Testrennen. Ich glaube, es war auch von außen sehr aufregend zuzusehen.  Auf dem Boot war es das jedenfalls. Es konnten einem schon mal die Haare zu Berge stehen.”

F50, SailGP

Das notorische US-Starkwind-Revier enttäuscht bisher nicht. © Chris Cameron / SailGP

Fletcher muss sich erst an die Geschwindigkeit gewöhnen. Dabei ist er mit Stuart Bithell sonst nicht gerade langsam unterwegs. Das Duo stellt zurzeit im 49er die beste Crew der Welt dar. In der Weltrangliste liegen sie auf Rang eins und bei der größten 49er Regatta aller Zeiten in Palma siegten sie überlegen. Die Foilerei scheint ihren Olympia-Plänen nicht im Wege zu stehen.

 

Insides vom australischen Team. Haben sie die 50 Knoten geknackt?:

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „SailGP in San Francisco: China zerlegt Hauptantrieb – Slingsby mit spektakulärem Stunt“

  1. avatar ds sagt:

    Im Hintergrund des Bildes ist nicht die ggb sondern die baybridge

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  2. avatar Christian sagt:

    das verspricht die spannendste Regatta des Jahres 2019 zu werden….

    Lieber nicht vorstellen möchte ich mir, wie die Missgeburten der AC-75-Fuss-Monohull-Foiler bei solchen Bedingungen herumkegeln würden. Als Segelsöldner würde ich mich aus Sicherheitsgründen weigern, damit bei solchen Bedingungen zu starten.

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