SailGP Live Replay Finale: Ben Ainslie dominiert bis zum Schluss – Spanien überzeugt

Unforced Error bringt Entscheidung

Ben Ainslie hat mit seinem britischen Team keine Zeit vergeudet, um sich an die Spitze des SailGP zu setzen. Nach der Dominanz zu Beginn machte er auch Finaltag den Sack zu.

Es hätte noch einmal richtig spannend werden können im Finale. Das Format beim SailGP belohnt schließlich nicht das sportlich beste Team über zwei Tage, sondern betont die Effekthascherei. Ein letztes Match Race macht die Leistung zuvor irrelevant. Nur der Sieger in diesem Duell zählt.

Diese Zählweise hätte beim ersten SailGP der neuen Saison 2020 in Sydney besonders dem Heimteam aus Australien zugute kommen können. Denn das überlegene Team vom Vorjahr segelte in den Fleetraces überraschend schwach und hatte den dominierenden Briten nichts entgegenzusetzen.

Das fünfte und letzte Fleetrace: Australien liegt erstmals vorne. © SailGP

Slingsby setzte sich nur knapp gegen Japan durch, bei denen Nathan Outteridge seine beiden wichtigsten Mitsegler ersetzen musste. Und auch die Spanier segelten bei ihrer Premiere unerwartet auf Augenhöhe. Der Interim-Steuermann Phil Robertson (NZL) – so lange bis 470er-Champ Jordi Xammar seine Olympia-Kampagne abgeschlossen hat – bringt zwar eine ganze Saison F50 Erfahrung (beim Team China) mit, hatte ansonsten aber nur spanische Neulinge an Bord. Umso erstaunlicher, dass sie die Australier so sehr bedrängen konnten.

Amerikaner und Dänen kommen sich sehr nahe. © SailGP

Dieses negative Gefühl mag Tom Slingsby mit in das finale Duell gegen die Briten gebracht haben. Die Australier segelten zwar am zweiten Tag besser und qualifizierten mit dem einzigen Sieg im letzten Rennen –  als Ainslie vor dem Start in einer Flaute hängen geblieben war, aber auch nicht mehr ernsthaft angegriffen hatte – auf letzter Rille für das Match Race, aber das verlief dann erschreckend langweilig.

Tom Slingsby ist genervt. Das finale Match Race endete mit einem Unforced Error. © SailGP

Slingsby taucht für den Bruchteil einer Sekunde zu früh in die Startbox ein, kassiert einen Penalty, versucht ihn mit zwei Halsen zu bereinigen, bekommt aber immer noch eine bestehende Strafe angezeigt, wird von der Jury informiert, dass es sich um einen Systemfehler handelt, dann sind die zwei Minuten Vorstartphase abgelaufen und die Australier kommen zu spät zur Startlinie.

Das Rennen ist vorbei, bevor es begonnen hat. Slingsby segelt Ainslie chancenlos hinterher. Das frühe Eintauchen ist ein unnötiger, doofer Fehler im entscheidenden Rennen. Er ist umso ärgerlicher, weil er ihm schon beim Saison-Finale in Marseille passiert war und fast den Millionen-Dollar-Preis gekostet hätte.

So bleibt am Ende der Saisonpremiere in Sydney die Erkenntnis, das die Briten überraschend schnell, wenn auch nicht unerwartet, die Führerschaft im SailGP übernommen haben. Die Dominanz ist ein wenig erschreckend und etwas kontraproduktiv beim Aufbau einer spannungsgeladenen neuen Sportdisziplin für das Fernsehen. Aber dafür ist das Feld hinter den Briten breiter geworden. Australien, Japan und Spanien segelten auf Augenhöhe.

Dass die Dänen noch Lehrgeld zahlen müssen, konnte man erwarten. Zumal sie mit dem Australier Tom Johnson als Wingtrimmer anders als die Spanier nicht gerade einen Superstar vom SailGP-US-Team zu sich lotsen konnten.

Die Franzosen waren von der unverschuldeten Kollision durch drei Rennausfälle gehandicapt, konnten danach aber mit einem letzten und vorletzten Platz auch nicht überzeugen. Dabei haben sie eine gesamte Saison Erfahrung. Aber auch die Amerikaner zeigten keine Anzeichen für eine positive Entwicklung.

Die Kollision vom ersten Renntag:

Gegen die Briten wird wohl in dieser Saison kaum ein Kraut gewachsen sein. Schließlich hat Ben Ainslie richtig Spaß. “Es war sicherlich eines der besten Segelevents, an dem ich je teilgenommen habe. Unglaubliche Bedingungen im Hafen, besser geht es eigentlich nicht. Es war zauberhaft.”

Für ihn ist es eher interessant, wie dieser Spaß mit den America’s Cup Aufgaben harmoniert. Alle anderen Cup-Teams sind nicht im SailGP aktiv. Bei den Neuseeländern und Italiener mögen es politische Gründe sein, um ihren Cup gegen die Konkurrenzveranstaltung zu schützen, die Amerikaner sagen, sie hätten für so etwas keine Zeit.

Skipper Terr Hutchinson sagt deutlich: “Natürlich ist das gutes Renntraining bei Höchstgeschwindigkeit. Aber wir können unserer Ressourcen da nicht reinstecken. Sie würden bei der Entwicklung und dem Bau eines schnellen AC75 fehlen. Wir müssen unser Ziel im Auge behalten.”

Tom Slingsby musste sich dagegen heftige Kritik von Russell Coutts einstecken 🙂 :

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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