Sailing Champions League: Wetterumschwung in Tutzing – Schweizer führen

Leichtwind-Spezialisten im Vorteil

Ein wechselhafter Tag liegt hinter Seglern und Wettfahrtleitung beim Qualifier-Event der Sailing Champions League in Tutzing. Mit der Kaltfront war der Hochsommer vorbei, doch knackiger Wind kam nur für ein paar Minuten auf. Immerhin schaffte Wettfahrtleiter Wolfgang Stückl fast fünf Flights für die 23 Teams aus zehn Nationen.

Am Samstag zog zwar eine Kaltfront über den Starnberger See hinweg, für mehr Wind sorgte die aber auch nicht. Foto: Göbner

Nach nun sieben Flights insgesamt führt der Bordée de Tribord (SUI) vom Bieler See mit 19,67 Punkten vor dem Regattaclub Oberhofen (SUI) vom Thuner See mit 20,17 Punkten. Es folgen der WV Hemelingen (23,17 Punkte) knapp vor dem NRV Hamburg (23,5 P.). Der gastgebende DTYC liegt an fünfter Stelle (23,67 P.), einen Zähler vor dem SMC Überlingen.

Der WV Hemelingen ist auf Platz drei das derzeit bestplatzierte deutsche Team. Foto: Göbner

Das Überraschungs-Team des Tages war der Bocholter YC. In der zweiten Wettfahrt am Samstagvormittag, als die Boote sich noch vor der anrückenden Regenfront über den See quälten, fanden das Zweitliga-Team den schnellsten Weg über den Parcours. Fast drei Minuten hatten Thorsten Willemsen, Kolja Paus, Stefan Sundarp und Johannes Rosig Vorsprung an der zweiten Luvtonne. Doch der Wind wurde immer noch weniger, das Rennen zu einem Wettlauf gegen die Uhr. Sie waren knapp 50 Meter vor der Ziellinie, als das Zeitlimit ablief – und die Wettfahrt abgebrochen war. Immerhin gab das dem Team Auftrieb. Man muss ja nur die Augen offen halten und schauen, wo der nächste Windstrich kommt, hatten die Bocholter gelernt. Im Wiederholungsrennen kamen sie als Dritte ins Ziel, gewannen später sogar ein Rennen und waren am Samstagabend noch einmal Zweite.

Der Bochholter YC hatte einen starken Tag, obwohl er in Führung liegend den Abbruch eines Rennes verkraften musste. Foto: Göbner

Mittags war endlich die Regenfront über dem Starnberger See angekommen. Der Wind frischte bis auf 14 Knoten auf. Doch der Spaß währte nicht lange, der folgende massive Regen würgte den Wind bald wieder ab. Charakteristikum des Tages war ein massiv drehender Wind. Wettfahrtleiter Stückl ließ unaufhörlich die Bahn anpassen. „Das sind schwierige Bedingungen, wie bei uns zuhause“, kommentierte Stefan Seger vom Schweizer RC Oberhofen.

„Wir haben auf eine Leichtwind-Crew gesetzt“, erklärte David Chapman die Strategie des NRV: zwei eher leichtgewichtige Männer und zwei Frauen (Juliane Adelssen, Luisa Krüger und Miklas Meyer). Der Australier Chapman lebt seit einigen Monaten in Hamburg. Vor Jahresfrist hatte er noch mit dem Royal Sydney YC das Finale der SCL 2019 in St. Moritz gewonnen. Dass er einen Riecher für leichte Winde hat, zeigte er schon am Donnerstag im ersten Rennen. Auch den Lauf im sechsten Flight gewann der NRV überlegen – als im Regen der zweiten Front der Wind bei 2-3 Knoten beinahe umlaufend war.

NRV-Steuermann David Chapman war mit der Wahl seiner Leichtwind-Crew sehr zufrieden. Foto: Göbner

An der Spitze mischt auch das Schweizer Team Bordée de Tribord (Bieler See) mit. Im ersten Rennen kamen sie noch gar nicht mit Boot und See zurecht, hatten eine Menge Seegras am Ruderblatt und waren erst einmal als Letzte im Ziel. Doch ab dem zweiten Rennen segelten Lorenz Kausche, Emanuel Müller, Laurent Foren und Morgan Emery mit einer Ausnahme nur noch erste und zweite Plätze, übernahmen damit abends auch die Gesamtführung.

Gastgeber DTYC mit Steuermann Paddo Follmann (mit Felix Röder, Laura Fischer und Tobias Bolduan) startete meistens sehr konservativ, wählte dafür aber die richtige Seite der Startkreuz und war bis auf die beiden Wettfahrten bei etwas mehr Wind (Plätze vier und fünf) immer auf den ersten beiden Plätzen zu finden. Erst im letzten Tagesrennen war es umgekehrt: Einem guten Start folgte Platz sieben im Ziel.

Als abends das Wetter wieder aufklarte, wurde bei leichtem Südwest, der sich nun als stabiler erwies, noch der siebte Flight gesegelt. Die Laufsiege gingen an den Württembergischen YC, den Bordée de Tribord und im letzten Lauf des Tages mit vielen Teams aus der Spitze des Klassements unerwartet an die WSV Almere Centraal (NED) vor dem Münchner YC und dem RCO, nachdem der NRV hier auf der Startlinie kringeln musste, aber noch Fünfter wurde.

Für den Sonntag wird mit stabilerem Wind gerechnet. Die ersten zehn Teams sind gerade sieben Punkte auseinander – da ist noch alles möglich. Ab 12 Uhr werden die Rennen wieder im Livestream übertragen.

 

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