Sailing World Cup: Deutsche Segler mit zweimal Bronze auf dem Olympia-Revier

"Wir sind Medaillenkandidaten"

Nach einem enttäuschenden Abschneiden bei den Pre Olympics vor zwei Wochen hat die deutsche Nationalmannschaft nun im Olympiarevier mit zwei Weltcup-Bronzemedaillen größeres Potenzial gezeigt.

Letzte Luvtonne, letzter Vorwind in Enoshima beim ersten Weltcup der 2020er er Saison. Tim Fischer und Fabian Graf liegen in 49er-Gold-Position. Anders als noch vor zwei Wochen, als bei den Preolympics auf dem Olympiarevier nur jeweils ein Team pro Nation starten durfte, ist nun auch Teams aus der zweiten Reihe der Start erlaubt. In vielen Ländern gehte es schon um Punkte für die internen Olympiaqualifikationen, und besonders in Japan achten die Verbände darauf, wem das Olympiarevier gut liegt.

Bei den 49ern fehlen die zurzeit besten beiden Teams Burling/Tuke (NZL) und Fletcher/Bithell GBR), aber ansonsten sind die besten Crews der Welt am Start. Fischer/Graf, das deutsche Nachwuchs-Duo aus Kiel, gehört längst dazu. Spätestens, als es im Juli 2018 sensationell Bronze bei der Weltmeisterschaft in Aarhus holte, und Deutschland einen Platz bei den Olympischen Spielen sicherte.

Das dramatische Starkwind-Finale der 49er Männer:

Es konnte diesen Leistungssprung durch weitere Top Ten-Ergebnisse untermauern. Zum Beispiel mit Rang fünf auf dem Olympiarevier zwei Monate später. Aber danach folgten einige schwächere Ergebnisse, wie Platz 16 bei der EM, wo die Rio-Bronze-Gewinner Erik Heil und Thomas Plößel nach längerer Pause mit einem Fünften glänzten, direkt vor ihren Freunden Schmidt/Böhme. Die durften auch bei der Preolympics für Deutschland starten, segelten auf den starken fünften Rang, und die alte Hackordnung schien wieder hergestellt.

Ergebnisse 470 Frauen

Das Ranking vor dem Medalrace der 49er

Weit gefehlt. Fischer/Graf sind wieder zurück. Mit sieben Punkten Vorsprung gehen sie in das abschließende Medalrace. Und an dieser letzten Luvtonne liegt immer noch der Gold-Kurs an. Platz sieben reicht aus, weil die Polen achteraus kreuzen.

Die Natur ist der Gegner

Aber längst ist nicht mehr irgendeine andere Crew der härteste Gegner, sondern die Natur. Der Wind hat mächtig aufgefrischt, und besonders die steiler werdende Welle ist ein großes Problem für die Skiff-Crews.

Wenn sie mit dem Bug in einen Wellenrücken stechen, ist der Überschlag vorprogrammiert. Wenn sie zu spitz steuern, um die Brecher mit einem schrägeren Winkel zu bezwingen, wird die Querkraft zu groß. Die seitliche Kenterung kann dann nur mit flatterndem Gennaker verhindert werde .

Foils? Wofür braucht man Foils? Der australische 49er hebt auch ohne ab. © Pedro Martinez / Sailing Energy / World Sailing

“Die Böen gingen weit über die 20 Knoten und mit der Welle war es ein Lottospiel, ob man den Downwind überlebt oder nicht”, sagt Steuermann Tim Fischer. Sie zogen eine Niete. Kurz nach der Luvtonne kentern sie beim Setzen des Gennakers. Letzter Platz im Ziel und große Enttäuschung. Aber die verwandelt sich in Freude als sie realisieren, dass auch die Polen nicht über den siebten Platz in diesem Lauf hinausgekommen. Mit einem Pünktchen Vorsprung ist Bronze gesichert.

Im gelben Leibchen gestartet, aber trotzdem Happy über Bronze. Fischer(r.) / Graf. © Jesus Renedo / Sailing Energy / World Sailing

Eine echte Ansage im Hinblick auf die Olympiaqualifikation. Schmidt/Böhme haben es nach den Preolympics etwas langsamer angehen lassen und segeln diesmal nur auf Rang 20. Heil/Plößel steigen erst später wieder in den Wettkampf ein. Dieser Olympiaticket-Dreikampf, in den auch noch Meggendorfer/Sprange oder Carstensen/Frigge eingreifen können, wird in der DSV-Paradeklasse extrem spannend. Bei der Weltmeisterschaft Ende November in Auckland kann eine Vorentscheidung fallen.

Top Ten Ergebnisse 49er WC Japan

Fischer/Graf vor Maggendorfer/Spranger. © Pedro Martinez / Sailing Energy / World Sailing

Die Herausforderer formulieren schon eine echte Kampfansage.”Andere Teams  haben das letzte Rennen besser hinbekommen als wir. Heißt also: noch mehr Training. Wir haben aber gezeigt, dass wir Medaillenkandidaten sind, wenn wir zu den Spielen geschickt werden. Die Bedingungen liegen uns sehr gut.“ 

470er Frauen eigentlich ohne Medaillen-Chance

Das gilt auch für die 470er-Crew Frederike Loewe und Anna Markfort. Während sie zusehen mussten, wie ihre internen Konkurrentinnen Böhm/Goliaß die interne Preolympics Qualifikation gewannen, dann aber bei dieser Regatta nicht in Fahrt kamen, durften sie es nun selber in Japan besser machen.

Der Stand vor dem Medalrace der 470er Frauen

Die Berlinerinnen waren als Sechste mit 15 Punkten Rückstand und nahezu ohne Medaillen-Chance in das Finale gestartet. Aber dann gewannen die eher als Starkwind-Expertinnen eingeschätzte Crew das leichtwindige Medalrace während die drei direkt vor ihnen platzierten Gegnerinnen auf den letzten drei Plätzen landeten. Mit einem Punkt Vorsprung holten Löwe/Markfort Bronze.

Bronze für Löwe/Markfort bei den 470er Frauen. © Pedro Martinez / Sailing Energy / World Sailing

„Wir sind superglücklich, dass wir hier am Ende noch eine Medaille einsacken konnten“, berichtete Steuerfrau Frederike Loewe. Am Morgen haben wir noch fast lachend gesagt, dass wir dafür ja ‚einfach‘ nur das Medaillenrennen gewinnen müssen. Gesagt, getan! Uns hat das Ergebnis gezeigt, dass wir auch bei wenig Wind segeln können.“

Medalrace-Sieg von Löwe/Markfort, der ihnen Bronze beschert:

https://youtu.be/DwMBD476ybI?t=2115

Ergebnisse 470 Frauen

470er-Männer in Medaillennähe

Auch Simon Diesch und Philipp Autenrieth segelten mit Platz sechs im Weltklassefeld der 470er-Segler in Medaillennähe. Für die süddeutschen Schützlinge von Trainer Tytus Konarzewski bedeutete die gute wie konstante Leistung in der Sagami Bucht einen wichtigen Motivationsschub.

Vorschoter Philipp Autenrieth sagte: „Es ist gut zu sehen, dass wir auch nach drei hochkarätigen Wettkämpfen und sechs Wochen Belastung noch performen können. Und das auf sehr gutem Niveau – eine wichtige Erkenntnis für unsere Qualifikation im Frühjahr. Außerdem zeigt es, dass wir uns hier im Revier immer besser zurechtgefunden haben.

Es war eine lange und intensive Zeit in Japan. Wir haben unheimlich viel gelernt und erlebt. Das muss jetzt erstmal verarbeitet werden und dann geht’s ab ins Wintertraining.“ Für die deutschen 470er-Männer geht es im Frühjahr vor allem darum, den noch nicht gesicherten Nationenstartplatz für Olympia 2020 zu sichern.

Nacra17 sicher in Top Ten

Im Nacra 17 agierten Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer gewohnt sicher in den Top Ten. Die Kieler Mixed-Katamaran-Crew hat sich zwar durch eine Kenterung um ein noch deutlich besseres Resultat als den achten Platz gebracht, sieht sich aber zu Recht auf gutem Kurs: „Wir können Medaillen gewinnen, wenn wir unsere beste Leistung abrufen. Das Gesamtpaket ist noch nicht ganz rund. Daran arbeiten wir hart“, sagt der 24-jährige Steuermann Paul Kohlhoff, der mit Alica Stuhlemmer bei Marcus Lynch trainiert. Das Olympiarevier schätzen die Kieler wie alle deutschen Segler. Kohlhoff sagt: „Es ist ein vielseitiges Revier für Alleskönner, in dem man sich gut anpassen können muss. Du musst einfach in allen Bedingungen stark sein.“

Das ist Philipp Buhl im Laserfeld ernet nicht auf dem Niveau gelungen, das er anstrebt. Auf Rang 14 verpasste er das Medalrace deutlich. In neun Rennen gelang ihm zwar ein Tagessieg aber insgesamt nur drei Top Ten-Platzierungen. Dabei zählte der Weltcup schon als Teil der internen Olympiaqualifikation. Aber auch Herausforderer Nik Willim kam in Japan nicht zurecht und musste sich mit Platz 36 arrangieren.

Bei den Laser Frauen ist Svenja Weger unangefochten die deutsche Nummer eins, aber als 16. mit mehr als 50 Punkten Rückstand zum Medalrace-Platz ist ihr der entscheidende Vorstoß ganz nach vorne erneut nicht gelungen.

Profitiert haben alle deutschen Nationalsegler bei den Regatten in Japan in diesem Sommer vom frühzeitig geschaffenen Umfeld vor Ort. Paul Kohlhoff berichtete: „Unsere Container im Hafen sind wahnsinnig gut organisiert. Es gibt eine hervorragend ausgestattete Werkstatt und einen Raum für Teamtreffen und Erholung. Das haben wir dem DSV und dem German Sailing Team zu verdanken. Für uns Athleten ist das wirklich wertvoll.“

Ergebnisse Weltcup 2019 Enoshima

Weltcup 2019/2020 Enoshima

LASER RADIAL

1. Emma Plasschaert (BEL), 54 Punkte

2. Anne-Marie Rindom (DEN), 57 Punkte

3. Alison Young (GBR), 64 Punkte

16. Svenja Weger (Potsdamer Yacht-Club), 158 Punkte

LASER

1. Pavlos Kontides (CYP), 36 Punkte

2. Matthew Wearn (AUS), 57 Punkte

3. Jean Baptiste Bernaz (FRA), 62 Punkte

14. Philipp Buhl (Segelclub Alpsee-Immenstadt), 137 Punkte 

470ER MÄNNER

1. Mathew Belcher/Will Ryan (AUS), 27 Punkte

2. Jordi Xammar Hernandez/Nicolás Rodríguez García-Paz (ESP), 37 Punkte

3. Kazuto Doi/Naoya Kimura (JPN), 47 Punkte

6. Simon Diesch/Philipp Autenrieth (Württembergischer Yacht-Club/Bayerischer Yacht-Club), 75 Punkte 

470ER FRAUEN

1. Silvia Mas Depares/Patricia Cantero Reina (ESP), 44 Punkte

2. Nia Jerwood/Monique de Vries (AUS), 45 Punkte

3. Frederike Loewe/Anna Markfort (Verein Seglerhaus am Wannsee/Joersfelder Segel-Club), 58 Punkte

11. Fabienne Oster/Anastasiya Winkel (Norddeutscher Regatta Verein), 97 Punkte

12. Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß (Deutscher Touring Yacht-Club), 99 Punkte

17. Luise Wanser/Helena Wanser (Norddeutscher Regatta Verein), 130 Punkte 

49ER

1. James Peters/Fynn Sterritt (GBR), 49 Punkte

2. Benjamin Bildstein/David Hussl (AUT), 49 Punkte

3. Tim Fischer/Fabian Graf (Norddt. Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee), 52 Punkte

20. Justus Schmidt/Max Boehme (Kieler Yacht-Club), 101 Punkte

NACRA 17

1. Quentin Delapierre/Manon Audinet (FRA), 21 Punkte

2. Ben Saxton/Nicola Boniface (GBR), 22 Punkte

3. Ruggero Tita/Caterina Banti (ITA), 23 Punkte

8. Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer (Kieler Yacht-Club), 44 Punkte 

49ERFX

(ohne dt. Beteiligung)

1. Annemiek Bekkering/Annette Duetz (NED), 27 Punkte

2. Alexandra Maloney/Molly Meech (NZL), 36 Punkte

3. Julie Bossard/Aude Compan (FRA), 37 Punkte 

FINN

(ohne dt. Beteiligung)

1. Nicholas Heiner (NED), 19 Punkte

2. Josip Olujic (CRO), 44 Punkte

3. Ioannis Mitakis (GRE), 47 Punkte 

RS:X SURFEN MÄNNER

(ohne dt. Beteiligung)

1. Louis Giard (FRA), 48 Punkte

2. Kun Bi (CHN), 49 Punkte

3. Pierre Le Coq (FRA), 53 Punkte 

RS:X SURFEN FRAUEN

(ohne dt. Beteiligung)

1. Yunxiu Lu (CHN), 37 Punkte

2. Katy Spychakov (ISR), 42 Punkte

3. Zofia Noceti-Klepacka (POL), 49 Punkte

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *