Sailing Worlds: Drama für Österreich – Sicheres Gold verloren durch Wetter-Kapriole

Unglaubliche Szene

Tanja Frank und Lena Abicht kentern durch eine massive Winddrehung auf der Kreuz und verlieren Gold.

Wie gemein der Segelsport manchmal sein kann. Da gehen die Österreicherinnen Tanja Frank und Lorena Abicht mit 11 Punkten Vorsprung auf Silber in das Medalrace und führen dieses auch soverän an. Plötzlich kommt eine Böe von Lee und drückt die Segel herum. Luvkenterung. Die beiden werden Letzte.

Lena Abicht kann sich nach dem Ziel noch nicht richtig über silber freuen. ©Pedro Martinez/Sailing Energy

Die Holländerinnen Bekkering/Duetz dagegen sind auf dem Vorwindkurs noch Vorletzte, wenden auf der letzten Kreuz nach rechts, der dunklen Wolke entgegen, erwischen die 30 Grad Rechtsdrehung, bewältigen den folgenden Vorwindkurs-Anlieger ohne Gennaker – er ist zu spitz – und werden Zweite in dem Rennen und gewinnen Gold.

Die unglaubliche Szene bei 1:08:58 in der Live-Übertragung:

Die Pressemitteilung des österreichischen Verbandes:

Tanja Frank und Lorena Abicht gewannen am Samstag bei den Weltmeisterschaften vor Aarhus die Silbermedaille. Mit dem bislang größten gemeinsamen Erfolg schrieb das Duo vom Union Yacht Club Neusiedlersee auch Segel-Geschichte. Es war nämlich zugleich die erste 49erFX-WM-Medaille für Österreich.

Nachdem Tanja Frank und Lorena Abicht die Qualifikation an dritter Stelle abschlossen, übernahm das Duo vom Union Yacht Club Neusiedlersee in der Goldflotte die Führung und sicherte Österreich vorzeitig das 49erFX-Nationenticket für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Bei schwierigen Bedingungen mit stark drehenden Winden gingen die beiden am Samstag mit elf Punkten Vorsprung auf die ersten Verfolger in das Medal Race. Das OeSV-Gespann erwischte einen guten Start und führte das Feld wenig später an.

Auf dem Weg zu Gold brachte jedoch eine 180 Grad Winddrehung die Österreicherinnen zum Kentern. Den daraus resultierenden Rückstand konnten Frank/Abicht nicht mehr aufholen und gingen als Zehnte durch das Ziel. Durch einen zweiten Platz im Medal Race zogen die Niederländerinnen Annemiek Bekkering und Annette Duetz in der Gesamtwertung noch an Frank/Abicht vorbei.

Die OeSV-Seglerinnen krönten ihre erst zweite gemeinsame Weltmeisterschaft, bei der sie in neun von 13 Rennen in den Top-10 landeten, aber mit Silber. „Wir waren heute nicht vom Glück verfolgt. Den Winddreher hat man überhaupt nicht vorhersehen können. Ich habe sogar eher damit gerechnet, dass er von der anderen Seite kommt. Wir sind aber trotzdem sehr glücklich mit der Medaille. Damit haben wir vor der Weltmeisterschaft nicht rechnen können, es ist auf jeden Fall ein gewonnenes Silber,“ zeigt sich Steuerfrau Frank erfreut.

Im erst zweiten Jahr der Partnerschaft feierten Tanja Frank und Lorena Abicht ihren bislang größten gemeinsamen Erfolg und schrieben damit auch Segel-Geschichte. Es war nämlich zugleich die erste 49erFX-WM-Medaille für Österreich.

„Auf uns ist vor der WM einiges an Druck gelastet. Wir haben aber von Rennen zu Rennen geschaut und mit dem Nationenticket unser großes Ziel erreicht. Wir haben auch heute wieder alles gegeben und sehen die Silbermedaille als Belohnung für die harte Arbeit in den letzten zwei Jahren,“ so Vorschoterin Abicht, die sich im Ziel mit ihrer Partnerin in die Arme fiel. „Das war einer dieser Momente, wo man realisiert, dass sich der ganze Fleiß bezahlt macht.“ Die beiden kehren nun für einige Tage nach Österreich zurück, bevor es schon am nächsten Wochenende zum nächsten Trainingslager nach Japan geht.

Top Ten der 49er FX Frauen:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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6 Kommentare zu „Sailing Worlds: Drama für Österreich – Sicheres Gold verloren durch Wetter-Kapriole“

  1. avatar Dom sagt:

    Es war eine über 60° Leewatsche, aber keineswegs ein 180° Winddreher wie geschrieben. Die Selbstwendefock sollte die Seglerinnen dabei unterstützen weniger Druck aus Lee und weniger Leegierigkeit zu bekommen …

    Keine Ahnung, ob sich die Kenterung hätte verhindern lassen. Mein Ansatz wäre kurz vor Eintreffen des neuen Drucks Fockschot etwas fieren und höher im Trapez hängen. Dann etwas abfallen und ca rechtwinklig mit gutem Speed auf neue Windrichtung zufahren.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 0 Daumen runter 19

    • avatar Dom sagt:

      Auf dem Video sieht es so aus, als ob die Selbstwendefock – warum auch immer – ca. mittschiffs hängen bleibt. Oder gar noch leicht an Steuerbord wo die Fockschot zur Klemme läuft. Oder der Schlitten hatte bei der ziemlich dichten Fock viel Reibung,

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  2. avatar Christian sagt:

    Weniger Leegierigkeit durch Selbstwendefock? interessanter Ansatz. Ich setze auf Luvgier durch Gennaker. Ist das damit kompatibel?

    Das war wirklich ganz grosses Pech für AUT. Sie sind aber die Siegerinnen der Herzen. Haben ja alle gesehen wie fies die Böe war.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 2

    • avatar Dom sagt:

      Leegierigkeit natürlich nicht generell, sondern im backgedrückten Zustand bei der Leewatsche, weil dann – in der Situation – die Fock weniger backgedrück wird als bei einer eingeklemmten Fock bspw im 470er.

      Das Problem davor ist, dass man Druck halten sollte bis man Gewicht nach innen verlagern kann und deshalb die Großschot dichtknallen muss was per damit zwangsläufig erzeugter Luvgierigkeit das umfangreich nötige Abfallen mit dem eh schon kleinen Ruder und bei eh schon einfallender Fock erschwert.

      Je tiefer man im Trapez hängt, desto schwerer kommt man bei Luvlage mit dem Gewicht rein in die Mitte (oder über die Mitte) des Skiffs, was Tanja ja noch probiert hat.

      @Christian: Worauf Du setzt ist mir egal. Hast Du auch schon viele intensive Jahre im 49er absolviert?

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  3. avatar Rolf Albert sagt:

    Ich halte hier jegliche Diskussion bzgl. eines evtl. möglichen Verhinderns der Kenterung für überflüssig. Denn, es war schlicht unmögich zu vehindern…
    Wer genau hinschaut, erkennt, dass die beiden Mädels beim einfallen der “Leewatsch`n” bereits stark abfallen, so wie es ein jeder von uns tun würde und so, wie man i.d.R. die Situation auch rettet.
    Nur, ca. ein bis zwei Sekunden nach dem Beginn der Leeböe kommt es knüppeldick nocheinmal 30, 40 ° weiter rechts. Volle Breitseite sozusagen… möchte den sehen, der diese Situation erfolgreich meistert.
    Die Damen haben schlicht maximales Pech gehabt, was sie umso sympathischer macht.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 1

  4. avatar Fretchen sagt:

    @Dom was ein Schwachsinn den du von dir gibst. Ein 49er ist schon von Haus aus instabil. Da reichen schon 5grad winddreher auf die Nase um zu kentern wenn man nicht drauf vorbereitet ist. Meine Meinung ist man hätte das Rennen klar abbrechen müssen. Die Wettfahrtleitung hat gegen Gold der Österreicher entschieden.

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