SAR Sofia Mapfre World Cup: Buhl und Wilhelm vorne, Siege sind wenig wert

Überlebenskampf

Der erste Tag beim Sofia Mapfre Weltcup sieht mit Philipp Buhl im Laser und Surfer Toni Wilhelm zwei deutsche Starkwind-Spezialisten ganz vorne. Aber die Siege sind wenig wert.

Finnsegler Pieter Jan Postma

Finnsegler Pieter Jan Postma wird an der Luvtonne von einem Brecher erwischt. © Marina Könitzer

Brutale Segelbedingungen haben den Auftakt der ersten wichtigen Weltcup Regatta in Europa zum Überlebenskampf werden lassen, dem die Skiffs, Nacra 17 und 2.4 überwiegend nicht gewachsen waren. Ihre Rennen wurden abgesagt. Nur eine 49er Gruppe konnte ihren Dienst versehen. Zeitweise lagen alle bis auf ein Skiff im Bach.

Aber besonders die altbekannten deutschen Starkwindhelden punkteten solide. Laser Europameister Philipp Buhl hat seine Form eindrucksvoll über den Winter gerettet und schockt gleich mit zwei Laufsiegen die Konkurrenz in seiner 60 Boote starken Gruppe. Dabei laboriert er an einer Überlastungserscheinung am Unterarm, die ihn im Verlauf der Regatta noch stärker behindern könnte. Der australische Weltranglisten Erste Tom Burton schaffte ebenfalls zwei Siege in der parallel segelnden blauen Flotte.

Auch der deutsche Surfer Toni Wilhelm, bester DSV-Athlet in Weymouth mit Platz vier, ist gut erholt aus der Pause gekommen und setzte trotz minimalen Trainingsaufwandes seinen bekannten Starkwind-Speed in zwei Siege um.

Sehr stark präsentierten sich auch Jasper Wagner und Dustin Baldewein im 470er. Mit den Plätzen 3/2 in ihrer Gruppe segelten sie in Sichtweite der australischen Olympiasiegers Matt Belcher, der auch mit dem neuen noch längeren Vorschoter Will Ryan die Dominanz an der Spitze der 470er Flotte mit zwei Siegen fortsetzt. Die Österreicher Matthias Schmid Florian Reichstädter konnten in ihrer Gruppe allerdings auch zweimal gewinnen.

Kovalenko kritisiert neues ISAF Wertungssystem

Viel wert sind diese frühen Siege allerdings nicht. Das in Palma neu getestete Wertungssystem sieht vor, dass nur der Platz nach der dreitägige Qualifikationsserie als Punktestand in die weitere Serie mitgenommen wird.

Das bringt besonders den australischen Erfolgscoach Victor Kovalenko in Rage. Eigentlich müsse man nun am Anfang einer Serie Material und Kraft schonen, denn das Abschneiden spiele kaum eine Rolle für das Gesamtergebnis.

Kovalenko sagt gegenüber sail-world.com: “ISAF sollte etwas mehr nachdenken, denn ihre Kunden sitzen nicht nur als Zuschauer an Land. Es sind auch die Segler. Und wenn die der Sport-Welt erklären, dass die neue ISAF Punkteverteilung unfair ist, dann ist das eine sehr schlechte Botschaft.”

Außerdem plädiert er dafür, dass solch umfassende Änderungen erst einmal auf einer unteren Ebene getestet werden sollten, bevor sie Einfluss auf die erste Liga nehmen. “Es sollte sofort mit diesem experimentellen Format aufgehört werden.” Es degradiere die ersten drei Tage zu einer Trainingsregatta.

Ergebnisse SAR Sofia Mapfre World Cup

Eventseite SAR Sofia Mapfre World Cup
 

 

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „SAR Sofia Mapfre World Cup: Buhl und Wilhelm vorne, Siege sind wenig wert“

  1. avatar ? sagt:

    ist bei bild 3 das segel bereits zum teil aus der mastnut rausgerissen?

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  2. avatar Leichtmatrose sagt:

    …nun ja, die Wege der ISAF sind unergründlich, das wußten wir ja schon länger….

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  3. avatar Christian sagt:

    Die ISAF ist bemüht, den allseits geäußerten Wunsch nach mehr Medientauglichkeit des Segelsports in die Realität umzusetzen. Dazu setzt sie vor allem auf kurze und punktetechnisch extrem wichtige Finalrennen. In andere Sportarten ist dies seit jeher der Normalfall; bei einem Tennismatch ist der Gesamtzweite eben nichts anderes als der Verlierer des Finals. The winner takes it all. Die Tagesform der Spieler ist sehr stark entscheidend; es ist somit auch viel Glück im Spiel. Andererseits liefert das viele Überraschungen und auch Magic Moments.

    Im Segelsport ist das seit jeher etwas anders; eine Regatta mit 12 bis 16 Wettfahrten plus Streicher führt zu einem ziemlich repräsentativen Ergebnis, bei dem Glücksfaktor klein gehalten wird. Dafür gibt es gute Argumente; allerdings produziert das wenige Magic Moments.

    Die Segelwelt muss sich nun überlegen, in welche Richtung sie gehen will. Bzw. wie weit sie in diese Richtung gehen will. Das neue Format bei der Princess Sofia ist so gesehen ein Suchprozess, bei dem Übertreibungen fast unausbleiblich sind.

    Jedenfalls würde ich dafür plädieren, die Erfahrungen mit dem neuen Format bei diesem Weltcup erst auszuwerten, wenn sie gesammelt wurden – ergo nicht schon am ersten Tag.

    Eines ist aber bei dieser Auswertung unabdingbar: Die Meinung der SportlerInnen zum Maß der Dinge zu machen, nicht allein die der Funktionäre und Medienleute.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 1

  4. avatar Ballbreaker sagt:

    Sind das mal bitte geile Segelbedingungen! 🙂

    Schön zu sehen, wie die ja so oft als überholt und antiquiert bezeichneten Klassen wie Laser, Finn und 470iger anscheinend recht gut mit den Bedingungen zurecht kommen, wohingegen die “alternativlose Segelzukunft” der Skiffs und Multihulls einen “tollen” Tag an Land hatten.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 21 Daumen runter 6

    • avatar Christian sagt:

      die 49er hatten keinen Tag an Land, sondern sind bei 30 kn Wind am nachmittag verblasen worden. Das kann passieren bei Bootsklassen, deren Design gemäß ISUF-Vorgaben so konstruiert ist, dass 25 kn die Obergrenze sind.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 11

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