Segel-Bundesliga: 16 Punkte Vorsprung – VSaW und One Kiel sind Titel kaum noch zu nehmen

Siegerlaune

Der Verein Seglerhaus am Wannsee hat am vorletzten Segel-Bundesliga-Spieltag in Kiel seinen ersten Titelgewinn so gut wie perfekt gemacht. One Kiel ist nach Zweitliga-Hattrick schon aufgestiegen.

Nach dem fünften von sechs Spieltagen bei der Segel-Bundesliga 2019 ist vor dem Finale in Glücksburg die Spannung aus dem Titelkampf gewichen. Der VSaW hat in Kiel mit dem dritten Saisonsieg seine Dominanz fortgesetzt und kann den Zugriff auf die Meisterschale nur noch rechnerisch verlieren. Der drittletzte Platz 16. würde am letzten Segel-Wochenende genügen, selbst wenn die ärgsten Gegner vom Bayerischen Yacht-Club gewännen.

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Der VSaW in Meister-Stimmung. © Lars Wehrmann/DSBL

Dabei begannen die Berliner mit einem Schocker. Letzter Platz im ersten Rennen. Schlechter Start, gute Aufholjagd, schwieriger letzter Vorwind und ein Penalty zum Schluss. Sollten sie doch noch Probleme bekommen und den soliden Vorsprung in der Tabelle von acht Punkten verspielen?

Genau das sollte nicht passieren. Dafür hatten sie ihre Kräfte noch einmal gebündelt. Die beiden annähernd gleichstarken VSaW-Steuerleute für diese Saison ex 470er-Spitzensegler Jasper Wagner (470er WM 9. 2013) und ex 49er und 470er Segler Tim Elsner (49er WM 2013 30.) saßen erstmals in dieser Saison zusammen auf einem Boot. Wagner, der schon zwei überragende Liga-Siege 2019 gefeiert hatte ließ sich von Elsner – zweimal 4. als Steuermann – diesmal als Taktiker beraten.

Comeback nach Negativ-Erlebnis

Eine solche KnowHow-Kombination kann auch ziemlich nach hinten losgehen. Besonders die extrem drehenden Winde in Kiel – dem in dieser Hinsicht wohl schwierigsten Revier der Liga – machen es gerade den Taktikern schwer.

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Der VSaW in Nöten. Auch die Champs schwächeln schon mal. © Lars Wehrmann/DSBL

Aber die Berliner hatten noch einmal intensive Trainingswochenenden auf dem Wannsee angesetzt, um diese Zusammenstellung zu trainieren. Und in Kiel überstand das Duo zusammen mit der starken Crew Max Salzwedel und Carl Naumann auch das erste Negativ-Erlebnis bravourös. Schon nach vier von 16 Rennen lagen sie wieder auf Platz zwei, rutschten danach nicht mehr ab und holten sich sogar noch den Sieg des Spieltages – den dritten in Folge!

Denn die Konkurrenz schwächelte. Der bis dahin zweitplatzierte Wassersport Verein Hemelingen aus Bremen konnte den kurzfristigen Ausfall seines angestammten Vorschiffsmanns nicht kompensieren und auf Platz 11 nur noch Schadensbegrenzung betreiben. Der Bayerische Yacht-Club segelte zwar solide auf Platz 6, aber für einen echten Angriff auf den VSaW reichte das nicht.

Bayern und Bremen auf dem Podium

Die Bayern kämpfen jetzt beim Finale in Glücksburg mit dem WVH und dem in Kiel auf Rang zwei platzierten NRV um das Saison-Podium. Auch der Segel- und Motorboot-Club Überlingen kann noch ein gewichtiges Wort mitreden. Michael Zittlau steuerte das Team vom Bodensee auf Rang fünf und der Abstand zum NRV, der den vierten von fünf Champions-League-Plätzen bekleidet, beträgt nur fünf Punkte.

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Die besten Drei in Kiel. VSaW vor dem NRV und CYC. © Lars Wehrmann/DSBL

Bärenstark zeigte sich in Kiel mal wieder der Chiemsee Yacht-Club, der mit Leopold Fricke am Steuer immer für einen Podiumsplatz gut ist. Diesmal holte er sich einen Ü-110-Kilo Starboot-Vorschoter mit an Bord und sah damit besonders bei dem böigen Starkwind in Kiel sehr gut aus. Der ehemalige 49er-Spezialist Fricke, der schon beim Liga-Auftakt in Starnberg zweiter geworden war, bestätigte damit, dass er zu den besten Liga-Steuerleuten gehört.

Der CYC verfügt aber ebenso wenig über eine zweite starke Skipper-Option, wie der Düsseldorfer Yacht-Club, der jeweils mit Jan-Philipp Hofmann auf das Podium fahren kann – diesmal punktgleich vierter wurde – aber ansonsten im Hinterfeld segelt.

Klub am Rupenhorn ist erster Absteiger

Auch auf den Abstiegsplätzen sind schon Entscheidungen gefallen. Der Club am Rupenhorn, der noch im vergangenen Jahr in Kiel auf das Treppchen gesegelt war, steht als erster Absteiger fest. Und auch die Aufsteiger vom Loheider Segel-Club aus Duisburg könnten nur im Falle eines Sieges in Flensburg die Klasse halten, wenn gleichzeitig der Münchner Yacht-Club Letzter wird.

Auch in der zweiten Liga ist die wichtigste Entscheidung schon gefallen. Den Newcomern von ONE Kiel, die nur durch den Rückzug vom Yacht Club Berlin-Grünau zu einem Zweitliga-Startplatz kamen, ist der Aufstiegsplatz schon vor dem Finale nicht mehr zu nehmen.

Der ehemalige Lasersegler Magnus Simon am Steuer feierte diesmal mit Fabian Kasüske, Johan Wilckens und Sören Brandt seinen dritten Sieg in Folge und hat den vierten Tabellenplatz jetzt schon gesichert. Aber niemand zweifelt daran, dass die Kieler in Glücksburg, den Zweitliga-Sieg einfahren werden. Sie haben neun Punkte Vorsprung.

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ONE Kiel beim PinEnd-Start. © Lars Wehrmann/DSBL

Eine Überraschung ist das nicht. Simon verhalf in der vergangenen Saison schon dem Mühlenberger Segel Club aus Hamburg zum Aufstieg. Aber dann wechselte der Skipper zum Junioren-Projekt von ONE Kiel, das von ex Beiersdorf-Chef Stefan Heidenreich ins Leben gerufen worden ist. Das Ziel: “Deutschland soll wieder führende Nation im Segelsport werden.”

Heidenreich segelt Club Swan50 und wurde 2018 auf Anhieb Weltmeister. Aber er kauft nicht einfach internationale Profis zusammen, um international wettbewerbsfähig zu sein. Er steht hinter der Segelsportstiftung ONETeam (Website), die sich auf die Fahne geschrieben hat, Nachwuchstalenten im deutschen Segelsport zu sichten und zu fördern. Oliver Schwall ist Geschäftsführer und Jochen Schümann Sportdirektor. Nach der gezeigten Qualität beim Heimspiel scheint es möglich, dass die Kieler schon 2020 in ihrem ersten Aufstiegsjahr um den Titel segeln können.

Lübecker Überraschung

Auf den Innenförde lieferten sie sich aber einen harten Zweikampf mit dem Blankeneser Segel-Club, für den diesmal Lukas Feuerherdt steuerte, der noch 2015 Philipp Buhl beim nationalen Titelkampf in der Laserklasse schlagen konnte. Am Ende fehlten nur drei Punkte zum Sieg in Kiel.

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Die Sieger der 2. Liga: ONE Kiel vor Blankenese und Lübeck. © Lars Wehrmann/DSBL

Während die ersten beiden Teams nahezu in einer eigenen Leistungsliga segelten, rutschte dahinter überraschend der Lübecker Segler-Verein von 1885 auf das Podium. Die Lübecker sahen zu Saisonbeginn schon wie sichere Absteiger aus, aber dann konnten sie Sönke Boy für ihren Kader benennen.

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Silke Basedow segelt mit ihren vier Frauen für den HSC auf Rang acht. Es fehlen fünf Punkte für den Aufstieg. © Lars Wehrmann/DSBL

Der ehemalige Junioren Vize-Weltmeister im 470er (1995) arbeitet als Arzt in Neustadt, bewegt beim LSV einen Jollenkreuzer über den Ratzeburger See – und rettete den Autoren schon einmal vor dem Verbluten – Er steuerte aber eben auch schon erfolgreich für den Kieler Yacht-Club, als der noch in der ersten Liga mitmischte. Mit dem drittern Rang in Kiel entledigte sich der LSV erst einmal der akuten Abstiegssorgen, aber es kann noch knapp werden.

Ergebnisse bei SAP-Sailing:

Das große Saisonfinale für die 36 Clubs der 1. und 2. Segel-Bundesliga steigt in Glücksburg beim Flensburger Segel-Club vom 17. bis 19. Oktober. Direkt im Anschluss am 20. und 21. Oktober findet der Deutsche Segel-Liga Pokal mit der Qualifikation für die 2. Bundesliga ebenfalls im hohen Norden in Glücksburg statt.

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Joachim Hellmich beim intensiven Kampf mit der Großschot am Steuer für den WYD. © Lars Wehrmann/DSBL

Live-Übertragung vom Sonntag:

Live-Übertragung vom Samstag:

Weitere Informationen:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Segel-Bundesliga: 16 Punkte Vorsprung – VSaW und One Kiel sind Titel kaum noch zu nehmen“

  1. avatar Bundesliga-Fan sagt:

    Und jetzt die kritische Frage von einem Bundesliga-Fan: Was hat es den Vereinen bisher gebracht, ausser dass das Budget jetzt in der Jugendarbeit fehlt? Ich weiss aus eigenem Erleben: Gar nichts!
    Frage deshalb in die traute Runde: Gab es in irgendeinem der 36 Vereine einen KPI-Uplift, der das eigesetzte Budget rechtfertigen würde?

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    • avatar hater sagt:

      Jeder Verein ist anders, hat andere Mitgliederstrukturen, Kostenstrukturen, Budgets… von daher erscheint es mir etwas unfair, von einem Verein auf den anderen zu schliessen und so einen breiten Schaden für die Jugendförderung des Segelsports abzuleiten. In jedem Fall ist es schade, dass es bei euch keine breite Akzeptanz für die Bundesliga gibt.

      Ich stimme dir hingegen zu, dass bestimmte Bereiche durch die Bundesliga verdrängt wurden. Am offensichtlichsten vermutlich das Match Race; das ist in Deutschland praktisch komplett verschwunden: Events sind weg (zB Berlin Match Race), die Schiffe sind weg (Plön), alles verdrängt durch die Segelbundesliga. Ob diese Verschiebung jetzt “schlecht” ist kann ich nicht beurteilen, vielleicht wurde ja vorher auch zu viel Geld ins MR gesteckt und es ist eine gute “Weiterentwicklung”?

      Übrigens: Der NRV zum Beispiel zahlt aus der Vereinkasse fast nichts an das Ligateam, es wird alles extern finanziert.

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