Segel-Bundesliga Auftakt in Hamburg: Champions-League-Sieger aus Überlingen dominieren

Action und "Schweinerennen"

Der Segel- und Motorboot Club Überlingen hat sich am ersten Spieltag der 10. Segel-Bundesliga-Saison auf überzeugende Art die Tabellenspitze gesichert. Eine “Spaßregatta” sorgt für Diskussionen.

Jan Fritze (r.) reißt am Spifall, Sven Heßberger an der Bugspriet-Leine, um den Gennaker zu setzen. © DSBL

Jan Jasper Wagner ist einer der besten Steuerleute der Liga. Er führte den Verein Seglerhaus am Wannsee schon zu einem überragenden Deutschen-Meister-Titel in der Saison 2019 und zeigt zuletzt auch in der Melges32 Qualität auf Profi-Niveau. Die Berliner schienen diese Form mit in die Liga nehmen zu können. Platz zwei nach zwei von drei Tagen und gute Chancen auf den Spieltag-Sieg.

Flensburg (r.) im Fullspeed-Zweikampf mit dem VSaW. © DSBL

Dann folgt am Sonntag der Absturz. Zwei letzte Plätze und es geht runter auf Rang neun. Die Männer vom Wannsee haben Mühe, ihren Ärger zurückzuhalten. Besonders der Misserfolg am frühen Sonntagmorgen kommt bei grenzwertigen Bedingungen zustande. An der Luvtonne liegen sie noch auf Platz zwei, dann treiben sie mit hängendem Gennaker und nur noch 0,4 Knoten über den Parcours zurück auf Rang sechs.

Solche “Schweinerennen” mögen schon mal vorkommen in der Liga. Der Auftakt zur vergangenen Saison 2021 vor Überlingen am Bodensee zum Beispiel geriet schwierig. Normale Regatten wären ausgefallen. Das Liga-System dagegen verkraftet viel. Für die kleinen Liga-Kurse findet sich oft irgendwo immer noch ein Fleckchen mit Wind. So kamen an den drei Tagen nur 21 der jeweils vorgesehenen 48 Rennen (16 Flights a 3 Läufe für 6 Boote) zustande, die zwischen 11 und 16 Minuten dauern.

Der Zweitligist LSV aus Lübeck mit Problemen. © DSBL

Selten läuft es schlechter. Aber Segler sind ohnehin Kummer gewohnt. Sie verbringen viel Lebenszeit mit dem Warten auf Wind. Umso angenehmer ist die Wartezeit beim Liga-Segeln. Sie kann oft an Land vor einem Cappuccino abgesessen werden. Schließlich sind jeweils nur sechs von 18 Teams im Einsatz.

Aber im Laufe der drei Wettkampftage ändert sich die Entspanntheit. Sobald nur einige Rennen im Kasten sind, haben zwar die Führenden immer noch kein Problem mit der Warterei. Andererseits drängen diejenigen auf Wiedergutmachung, die hinten liegen. Sie vertrauen den Organisatoren, dass sie alles tun, um die maximale Anzahl der Rennen durchzubekommen. Dabei hoffen alle darauf, dass der Wettfahrtleiter über ausreichend zeitlichen Spielraum verfügt, um möglichst viele unfaire Wettfahrten zu verhindern, die Potenzial haben, das Gesamtergebnis zu verfälschen.

Der Joersfelder Segel-Club aus Berlin freut sich über einen guten Saisonauftakt (7.) – auch wenn sogar mehr drin gewesen wäre. © DSBL

Das ist der Deal. Das ist die sportliche Basis für den Erfolg des Liga Systems. Auch nach zehn Jahren besitzt die Deutsche Segel-Bundesliga ausreichend Attraktivität, dass sie nach dem ersten Hype den Ausstieg diverser Großsponsoren wie anfangs Audi, Budweiser, Werkzeughersteller Kraftwerk oder zuletzt Nordstream/Gazprom verkraften konnte.

Längst haben die Segelvereine selbst das Gros der fehlenden Deckungsbeiträge übernommen. Für die Saison 2022 akzeptierten sie sogar die Startgeld-Erhöhung von 7.300 auf 8.900 Euro inklusive Boot-Umlage pro Saison für sechs Regatten. Die Liga macht für einen Segelclub immer noch Sinn, insbesondere wenn er daraus ein attraktives Angebot für die Mitglieder strickt.

Allerdings können sich das nicht mehr alle Clubs leisten.

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Carsten Kemmling

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