Knarrblog Segel-Bundesliga: Das entscheidende 13. Rennen – Höhen und Tiefen

"Ihre Gefühle fahren Achterbahn..."

Was für ein Drama, was für ein Mist. Dieses verflixte letzte Rennen beim Segel-Bundesliga-Auftakt in Starnberg hat es besonders für unser NRV Team in sich. Es steht für den ungewöhnlichen Verlauf der Serie mit sieben Siegen und drei letzten Plätzen.

Segel-Bundesliga, VSAW

Die VSaW Taktikerin Ulrike Schümann klatscht Steuermann Malte Kamrath ab. Punktgleich wurden sie Zweite. Das letzte Rennen war auch für die Berliner ein Wechselbad. © Lars Wehrmann

Eine Minute vor dem Start. Eine schöne Position auf der Luv-Anliegelinie am Startschiff. Die Video-Sequenz zeigt die Situation. Unser Boot (3) überlappt den VSaW (2) in Lee und wir können einen der größten Gegner über das Startschiff luven. Jetzt nur noch abfallen und starten. Der Bayerische Yacht Club (5) ist zu früh über der Linie und muss abdrehen. Wir hätten eine Lücke nach Lee zum Beschleunigen, freie Fahrt. Perfekt.

Von wegen. Das Abfallen klappt nicht. Diese J/70 stehen bei Flaute ohne Speed im Schiff hilflos rum. Wriggen klappt nicht. Am langen schmalen Ruder lässt sich kein Druck aufbauen. Ich sage nicht rechtzeitig an, die Fock rechts back zu halten. Der Bug soll doch eigentlich nach links vom Startschiff.

Ungewollt die Lücke geöffnet

Dann habe ich Angst vor einer Berührung mit dem Heck-Gestänge, drehe nach rechts ab zum quälend langsamen Halsenkreis. Ungewollt müssen wir dabei die Lücke am Startschiff für den VSaW öffnen. Die Berliner haben einen perfekten Start. Der Abstand ist riesengroß, das auf 16 Minuten Zielzeit angesetzte Rennen scheint gelaufen.

Diese verflixte Rennserie setzt sich so fort, wie gehabt. Am morgen setzten wir den siebten Sieg. Aber direkt danach folgt auch der dritte letzte Platz. Ein Penalty am Start kostet den komfortablen Vorsprung. (Mein Interview direkt danach).

Aber dieses Rennen ist längst nicht gelaufen. Der Wind setzt von rechts ein. Wir holen mit der Luvposition mächtig auf. Eine kleine Wende noch in den auffrischenden Wind, ein schöner Zieher und zack liegen wir wieder an der Spitze. Ein echtes Schweinerennen!

Gemein für den Kommentator Markus Koy, dass sich unser Tracker-Signal kurzzeitig verabschiedet. Virtuell liegen wir weit hinten, real aber schon ganz vorne. Erster an der Luvtonne. Co Kommentator Jocki Hellmich hüstelt ins Mikrophon: “Wir haben hier ein massives Problem…” Die Technik spielt nicht mit.

Totales Vakuum

Aber das Problem haben dann doch wieder wir. Gibt es das? Ich halse möglichst schnell dahin, von wo auf der Kreuz eben noch der frische Wind kam. Der VSaW im Kielwasser kommt hinterher. Taktiker Klaus ist unzufrieden, mag lieber die andere Seite. Ich zögere viel zu lange.  Zurück halsen also.

Der Druck ist aber plötzlich weg. Totales Vakuum, totale Hilflosigkeit. Ich sehe noch eine mini Böe in Luv, die ich für die Halse nutzen möchte. Aber es ist längst zu spät. Das blaue Tuch hängt wie ein Sack herunter, die fünf Schiffe rauschen in kaum einer Länge Entfernung in Luv vorbei. Dort wo sich der Windstrich auf dem Wasser kräuselt, der eben noch auf der anderen Seite war.

Jocki Hellmich liest am Mikro das BILD Horoskop von Klaus Lahme vor: “Ihre Gefühle fahren Achterbahn. Von Himmelhoch Jauchzend bis zu Tode betrübt ist es ihnen am Wochenende nur ein kurzer Weg. Doch sie fühlen sich dabei lebendig, genießen dieses Auf und Ab. Sie sollten je nach Stimmungslage entscheiden, was sie jetzt machen möchten…”

Raus aus der Totenkopfzone

Alles Aus? Nein, immer noch nicht. Der Druck bricht wieder völlig zusammen und dreht weit nach rechts. Der VSaW verliert die komfortable Führung, und wir rauschen aus der Totenkopfzone per Anlieger immerhin noch an den Lübeckern vorbei.

Dieses klitzekleine Pünktchen rettet den Gesamtsieg. Denn kurz vor der Ziellinie taucht das Heck von Malte Kamrath, Uli Schümann und Co direkt vor uns auf. Sie nehmen uns doch nur einen Punkt ab. Und damit sind die ersten drei Teams punktgleich. Unsere sieben Laufsiege machen bei dem Geleichstand den Unterschied aus.

Meine Güte, das war ein echtes Schweinerennen, Pech, Glück, Pech am Ende dann doch Glück. Solche Rennen mögen Segler eigentlich nicht, aber sie passieren eben. Und in gewisser Weise macht diese Fassette des Sports auch Spaß.

Glück und Unglück

Auch dabei führen falsche Entscheidungen zu Sieg oder Niederlage. Wir haben ein paar Mal daneben gelegen, müssen noch an der Kommunikation arbeiten und hätten uns nicht beschweren dürfen, wenn es am Ende nicht gereicht hätte.

Schließlich wurde kurz zuvor noch ein Schweinerennen abgeschossen, bei wir für eine kleine taktische Nachlässigkeit nach guter Startposition, mit einem hinteren Platz bestraft wurden. Aber schließlich stellte sich der Wind vollkommen ab.

Rechtzeitig nach dem schwierigen 13. Flight bricht der Wettfahrtleiter vom Bayerischen Yacht Club nach insgesamt 39 Rennen ab. Ein Wetterumschwung hatte zu den schwierigen Bedingungen geführt. Zuvor zeigte der Starnberger See mit ungewöhnlichen Südwind perfekte Bedingungen für diese Art des Regattasegelns.

Ergebnisse 1. Segel-Bundesliga Starnberg

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

2 Kommentare zu „Knarrblog Segel-Bundesliga: Das entscheidende 13. Rennen – Höhen und Tiefen“

  1. avatar Hans Maier sagt:

    Glückswunsch Carsten!
    Ist vielleicht eine blöde Frage, aber darf man eigentlich bei der Bundesliga den Steuermann innerhalb der Crew wechseln?

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

    • avatar Florian Weser sagt:

      Moin Hans,
      ja, darf man. Im Gegensatz zum klassischen Format tritt hier der Verein als Team an. Es wird nicht vorher festgelegt wer den Lenker in der Hand hält.
      Lg

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *