Segel-Bundesliga: Finale in Hamburg – Kann Jochen Schümann den Abstieg verhindern?

Der Schüminator und sein Dreamteam

Jochen Schümann will zum Finale der Segel-Bundesliga für seinen Yacht Club Berlin Grünau das Eisen aus dem Feuer holen. Dafür holt er sich seine Silbercrew von Sydney 2000 ins Boot.

Die Segel-Bundesliga wird immer professioneller. Vor dem übermorgen am Donnerstag startenden Liga Finale und der Relegation am Sonntag in Hamburg haben fast alle Teams noch einmal ein intensives Wochenend-Training absolviert.

Und selbst der beste deutsche Segler Jochen Schümann (61) will sich diesmal nicht kalt erwischen lassen wie in Kiel beim zweiten Event, als er ohne Training nur Rang elf belegte. Diesmal klinkte er sich in das Berliner Training auf dem Wannsee ein und holte Gunnar Bahr, Ingo Borkowski an Bord, die Crew, mit der er 2000 in Sydney knapp das Olympia-Gold verpasst hatte.

Segel-Bundesliga Finale

Putzen nach dem Training. Schümann kümmert sich mit seiner Crew um das Boot. © Marina Könitzer

Segel-Bundesliga Finale

Jochen Schümann, Gunnar Bahr und Ingo Borkowski, die Silbercrew von Sydney 2000 wieder vereint für das Liga-Finale. © Marina Könitzer

Zusammen mit Team Kapitän Oliver Freiheit will Schümann das Kunststück schaffen, in Hamburg zehn Punkte aufzuholen, um den YCBG von Rang 15 auf den ersten sicheren Nicht-Abstiegsplatz 12 zu hieven.

Das will aber auch der Düsseldorfer Yacht Club, der beim intensiven Training auf der Alster mit sieben weiteren Booten eine gute Figur machte. Steuermann Jan-Philipp Hofmann hat ohnehin einen guten Lauf, weil er zuletzt Deutscher Meister im 505er wurde und NRW Landesmeister im 470er. Aber auch der DYC muss sich strecken und sechs Punkte auf Rang 12 aufholen, wenn er 2016 als einziger NRW-Verein in der Liga verbleiben will.

Direkte Gegner sind die punktgleichen Teams vom Württemberger Yacht-Club und der SKWB aus Bremen. Und diese beiden Crews mit den Steuerleuten Max Rieger und Gordon Nickel haben zuletzt bei der J/70 EM in Monaco jede Menge Wasserstunden gesammelt.

Sollten sie nach den drei Regattatagen von Donnerstag bis Samstag den 12. Platz verpassen, müssen sie nachsitzen. Die Teams auf den Plätzen 13 bis 15 der Abschlusstabelle treffen am Sonntag auf die drei Qualifikanten aus der 2. Liga, die dort die Ränge 4 bis 6 belegt haben.

Und diese Teams sind heiß. Die frisch gebackene Deutsche Match Race Meisterin Silke Basedow (geb. Hahlbrock) segelt mit ihrer Schwester für den Hamburger Segel-Club auf ihrem Heimrevier und auch 505er Weltmeister Claas Lehmann, Steuermann vom Blankeneser Segel-Club hat unzählige Segelstunden auf der Alster verbracht. Zusammen mit Taktiker Leif Tom Loose ist er deutlich stärker geworden und zeigte auch beim Wochenend-Training mit den Erstliga-Vereinen die Ambitionen für das Oberhaus.

Dazu kommt der Klub am Rupenhorn aus Berlin, der sich im intensiven Training auf dem Wannsee mit den starken Stadt-Kollegen vorbereitete.

Aber was passiert an der Spitze? Dem Deutschen Touring Yacht-Club ist die Meisterschaft mit elf Punkten Vorsprung auf den Berliner Yacht-Club kaum noch zu nehmen. Bei einem Sieg der Berliner müssten die Bayern auf Rang 12 landen, aber bisher segelten sie nie schlechter als Rang acht.

Spannender wird der Kampf um den Vize-Titel. Da liegt der NRV nur zwei Punkte hinter Berlin zurück und für die Hamburger tritt wieder Johannes Polgar als Steuermann an, der den Spieltag in Warnemünde gewinnen konnte. Er segelte auch in Monaco J/70 (16.) und traf dort auf Philipp Bruhns mit seinem Berliner Team (34.).

Wichtiger als dieser Zweikampf ist aber die Verteidigung des dritten Championsleague Platzes. Da lauert auf Rang vier überraschend der Aufsteiger vom Segel- und Motorboot Club Überlingen, der immer stärker wird und dabei auf einen breit gefächerten Crewpool zurückgreifen kann. Drei Steuerleute sind im Einsatz und in Hamburg darf wieder Michael Zittlau ran, der in Warnemünde auf Platz vier steuerte.

Für den fünftplatzierten Flensburger Segel-Club steuert wieder Michael Ilgenstein, der bei seinen drei Einsätzen schon zwei zweite Plätze erreicht hat und dafür sorgte, dass die Nordlichter lange auf Titelkurs lagen.

Aber auch der Kieler Yacht Club , der zuletzt mit zwei elften Plätzen aus der Spitzengruppe zurückgefallen war, hat sein Team umgebaut. Und so darf die Erfolgscrew mit Julian Ramm – Oliver Lewin – Malte Päsler – Florian v. Wieding noch einmal ran, die in Travemünde so stark auf Platz eins gesegelt war.

Der Verein Seglerhaus am Wannsee dagegen positioniert sich schon für die nächste Saison und hat Petra Niemann noch einmal motiviert, das Steuer zu übernehmen. Die Olympionikin war frustriert nach ihrem vorletzten Platz in Travemünde. Aber diesmal bekommt sie mit dem 49er Segler Tim Elsner einen erfahrenen Taktiker zur Seite gestellt.

Bereits vor dem Finale abgestiegen sind der Konstanzer Yacht Club vom Bodensee und der Segelklub Bayer-Uerdingen aus Krefeld. Beide Clubs können den rettenden Relegationsplatz (Rang 15) nicht mehr erreichen.

Tabelle 1. Segel-Bundesliga vor dem Finale

 

Bundesliga-Finale in Hamburg

Die Rennen der ersten Liga finden vom 29. bis 31. Oktober auf der Außenalster statt. Am Sonntag wird die eintägige Relegation ausgesegelt, bei der sich drei von sechs Teams für die 1. Liga 2016 qualifizieren.

Der Startschuss zur ersten Wettfahrt fällt bereits am Donnerstag um 11.00 Uhr vor dem Gelände des Norddeutschen Regatta Vereins (Schöne Aussicht 37, 22085 Hamburg). Am Freitag und Samstag können alle Segelinteressierten und Fans zu Hause wieder den Live-Stream auf www.segelbundesliga.de verfolgen (jeweils 11.45 bis 15.00 Uhr).

Die Übergabe der Meisterschale findet im Rahmen der Siegerehrung am Samstag, den 31. Oktober ab ca. 15.30 Uhr beim Norddeutschen Regatta Verein statt. Alle Zuschauer sind herzlich eingeladen, vorbeizukommen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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