Segel-Bundesliga Kiel: Überlingen siegt vor Hamburg und Lübeck

Geheimnis der Aufsteiger

Zusammenfassung Kiel:

In Kiel landeten die Segel-Bundesliga Aufsteiger auf den Plätzen 1,4,6,8,10. Der Bodensee‐Yacht‐Club Überlingen dominierte. Der Verein wird von einer Sympathiewelle der Heimatstadt getragen.

Autsch, diese letzte Anliegelinie tut weh. Nicht genug auf die leichte Strömung geachtet (Situation aus der Live-Übertragung), zu lange dem vielleicht-klappt-es-ja-doch-noch-Gedanken hinterhergehangen, den Zeitpunkt zum erneuten Hochwenden verpasst, zack ist die Führung im Lauf für unser NRV Team dahin, zack geht auch der Gesamtsieg in Kiel verloren.

Segel-Bundesliga Kiel

Bundesliga Start vor der Kiellinie. © Segel-Bundesliga/Lars Wehrmann

Aber es hätte wahrlich schlimmer kommen können. So flau war es noch nie bei allen acht bisher gesegelten Bundesliga-Regatten. Nur 17 von 45 angesetzten Rennen konnten absolviert werden,  da waren einige Schleichfahrten dabei. Und wie immer bei wenig Wind konnten man auch ziemlich daneben liegen bei seinen taktischen Entscheidungen.

Das letzte Rennen hat wieder gezeigt, wie eng Sieg und Niederlage bei dieser Bundesliga beisammen liegen. Bei diesem Schachspiel mit sechs Booten hängt viel von den Gegnern ab. Tut sich im passenden Moment eine Lücke auf? Oder ist der direkte Weg diesen entscheidenden Tick zu lange blockiert?

Aber Sven Erik Horsch zeigte bei seinem ersten Einsatz als Steuermann für den NRV gute Starts und kontrollierte Rennen was verbunden mit dem Handling von Florian Weser und Niklas von Meyerinck zu soliden Spitzenergebnissen führte.

Größter Vorsprung für Bodensee Team

Andreas Buchert, Klaus-Peter Stengele, Jonathan Koch und Joseph Pochhammer lagen noch häufiger richtig. Die Truppe vom Bodensee-Yacht-Club Überlingen hat mit dem größten Vorsprung aller vier Liga-“Spieltage” gewonnen, obwohl nicht einmal die Hälfte der zuvor absolvierten Rennen zustande kamen. Ein wahrlich verdienter Sieg.

Segel-Bundesliga Kiel

Kieler Innenförde. Die Bahn muss schon mal gesperrt werden, wenn die Colorline oder “Aida” ausparkt. © Segel-Bundesliga

Und der kommt nicht zufällig zustande, auch wenn der BYCÜ auf dem Papier ein Aufsteiger ist und die ersten beiden Regatten auf Platz 10 und 15 beendete. Aber diesmal segelte eine andere Crew mit Steuermann Andreas Buchert, die fast in der gleichen Besetzung schon die Relegation auf Platz zwei von 61 Vereinen absolvierte (SR-Interview). Und exakt dieselbe Crew sorgte schon in Berlin mit Rang fünf für Aufsehen.

Andreas Buchert ist ein ehemaliger Laser und Finn-Segler, der 1998 im Finn die Nummer sechs in der Weltrangliste war. Er segelte damals beim Schümann-Verein Yacht Club Berlin Grünau und zehrt von der dortigen exzellenten Segelausbildung. Nach zwölf Jahren Segelpause und dem beruflichen Umzug zum Bodensee zeigt er nun, dass es noch geht.

Attraktion in der Stadt

Die Basis ist die Unterstützung durch den Verein und die Stadt Überlingen. “Die Fans und die Stadt stehen geschlossen hinter uns als einzigem Bundesliga-Team aus Überlingen stehen” sagt Andreas Buchert. Die Segler sind eine Attraktion. Am Bodensee wird überschwänglich berichtet.

Der Liga-Kader kann regelmäßig auf einer J/70 trainieren. Die Lake Constance Battles mit den J/70 bieten weitere Betätigungsfelder. Und es besteht eine Trainingspartnerschaft mit den Zweitliga-Vereinen Segel und Motorboot Club Überlingen sowie dem Münchener Yacht Club. Am nächsten Spieltag soll Starboot-Europameister Hubert Merkelbach das Steuer übernehmen, der bei seinem ersten Einsatz in Travemünde vom starken Wind noch auf dem falschen Fuß erwischt wurde. “Er hat aber viel geübt”, verspricht Buchert in Kiel.

Solche Möglichkeiten hat der Lübecker Yacht Club noch nicht, und er galt nach den ersten beiden “Spieltagen” auch als einer der Abstiegskandidaten. Aber es hilft, wenn man einen Simon Grotelüschen in den eigenen Reihen hat. Der Laser-Olympia-Sechste 2012, der seine Leistungssport-Karriere zugunsten des Medizinstudiums beendet hat, segelte schon in Berlin konstant vorne und zuletzt auf Rang sechs. Diesmal schaffte er mit Janika Puls, Arne Holweg und Niclas Kath nach einem Sieg im letzten Lauf sogar noch den Sprung aufs Treppchen.

Tabelle durcheinander gewürfelt

Der “Spieltag” in Kiel hat die Tabelle ziemlich durcheinander gewürfelt. Bis auf den NRV, der seinen Vorsprung auf 15 Punkte ausbauen konnte, schwächelten die Verfolger. Kristin Wagner konnte für den Deutschen Touring Yacht Club nicht an ihren dritten Platz von der ersten Regatta in Starnberg anknüpfen. Sie landete mit einem unerprobten Team auf dem enttäuschenden 13. Platz und rutschte in der Tabelle auf Platz drei hinter den VSaW, dessen Jugendteam um Steuermann Jan Kowalski solide punktete.

Überraschend stark segelte auch der Düsseldorfer Yacht Club, der mit einem 16. und zwei 13. Plätzen tief in der Abstiegszone steckte. Aber die junge Crew um Jan Phillipp Hofmann, die bei der Relegation überraschend stark gesegelt hatte (SR-Interview) hat diesmal mit dem erfahrenen 505er und 470er Segler Morten Bogacki auf der Taktik-Position offenbar eine ausgezeichnete Mischung an Bord gefunden und hat nun nach Rang vier erst einmal knapp die Abstiegsränge verlassen.

In drei Wochen steht die fünfte von sechs Regatten der 1. Bundesliga auf dem Programm. In Friedrichshafen am Bodensee geht es um die beste Ausgangsituation für das große Finale in Hamburg (31. Oktober bis 02. November 2014). Zusammen mit der 2. Segel-Bundesliga wird vom 26. bis 28. September 2014 im Süden gesegelt. Für die 18 Zweitliga-Clubs geht es um den direkten Aufstieg, den Einzug in die Erstliga-Relegation und die Zweitliga-Qualifikation.

Es ist ein wenig schade, dass gerade Kiel so unter den Bedingungen gelitten hat. Hier vor der Kiellinine wäre das Format gerade den segelaffinen Kielern perfekt zu präsentieren gewesen. Aber der fehlende Wind hat die Luft rausgenommen.

Dafür wird die Internet-Präsentation immer besser. Diesmal hat allerdings ein Segler dabei mitgeholfen, dass die Bilder noch besser geworden sind. Christian Soyka, Steuermann des Aufsteigers von der Seglervereinigung Itzehoe, die in Kiel ihr intensives Training in einen starken sechsten Platz ummünzte, brachte seine Arbeitsbühne mit. Die neue Perspektive ist perfekt.

Ergebnisse Segel-Bundesliga Kiel

Crewliste Segel-Bundesliga Kiel

Die Rennen im Tracker Replay

Highlights Tag zwei:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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