Segel-Bundesliga: NRV und ONEKiel sind die Titelanwärter – Spannung in der zweiten Liga

Duell um den Titel

Nach dem vierten Spieltag bei der Segel-Bundesliga, hat sich das Ringen um den Meister-Titel 2020 vom Sechs- zum Zweikampf entwickelt. Von den Spitzenreitern punkteten nur die beiden Nordclubs aus Hamburg und Kiel.

Die Liga-Flotte 2020 zum zweiten Mal vor Kiel Schilksee. © Wehrmann/DSBL

Kurz sieht es so aus, als könnten die Spitzenreiter der Segel-Bundesliga beim vierten von fünf Spieltagen in Kiel schwächeln. ONEKiel startet mit einem letzten Platz in die Serie und der NRV mit einem Vorletzten.

Magnus Simon am Steuer für ONEKiel holte nach zwei Siegen diesmal Rang zwei.© Wehrmann/DSBL

Aber dann geben insbesondere der Aufsteiger aus Kiel wie gewohnt Gas. Das A-Team um Steuermann Magnus Simon und Taktiker Max Schuberth hatte nach dem Ausrutscher der Kollegen in Berlin (15. Platz ) die Tabellenführung verloren und versucht nun mit aller Macht den Anschluss an den NRV wieder herzustellen. Mit den dann folgenden elf Top-Drei-Plätzen aus 12 Rennen gelingt den Kielern erneut ein Spitzenplatz – wenn auch nur Rang zwei hinter dem unglaublichen MYC .

Das hätte ausreichen sollen, um den Abstand zum NRV deutlich zu verkürzen, für den der Australo-Profi David Chapman in Berlin die Tabellenführung erobert hatte. Aber die Hamburger lassen nicht locker mit Platz drei in Kiel.

Am ersten Tag steuerte der Australier Chapman für den NRV, am Samstag dann Schadewaldt. © Wehrmann/DSBL

Dabei agiert Chapman diesmal nur am Freitag als Steuermann, dann als Taktiker für Tobias Schadewaldt. Johann Kohlhoff geht von Bord. Ein Wechsel, der wegen terminlicher Probleme zustande gekommen sein soll.

Daran liegt es sicher nicht, dass die härtesten Gegner in der Gesamtwertung schwächeln. Allen voran der amtierende Deutsche Meister VSaW. Die Berliner hatten nach dem Sensationssieg von Fanny Popken auf dem Heimrevier Morgenluft gewittert und konnten wieder in den Titelkampf eingreifen.

Jan Jasper Wagner, Dreifach-Sieger 2019, wird erstmals in dieser Saison ans Steuer berufen und muss dafür die parallel ausgesegelte Melges 32-Regatta in Italien absagen. Aber der Trumpf sticht nicht. Der VSaW segelt in Kiel nur auf Platz 12.

Noch heftiger erwischt es den Segel- und Motorboot Club Überlingen, der auf Tabellenplatz zwei in den Kieler Spieltag geht. Der Verein vom Bodensee bietet die Crew um Steuermann Michael Zittlau auf, die an gleicher Stelle beim Liga-Auftakt Rang zwei belegte. Aber diesmal läuft kaum etwas zusammen. Mit Rang 13 verabschiedet sich auch der SMCÜ aus dem Meisterrennen.

Der Chiemsee Yacht-Club hätte in die Bresche springen können, auch weil Leopold Fricke in dieser Saison anders als zuvor alle Rennen an der Pinne bestreitet. Damit ist der CYC ein echter Titelkandidat. Aber die Bayern pokern mit einem schweren Team für den erwarteten Starkwind an der Ostsee etwas zu hoch und segeln mit Rang neun unter Niveau.

Auch beim WVH läuft es nicht rund. Zwar reicht Rang sieben aus, um den Vize-Meister in der Tabelle von sechs auf drei hochrutschen zu lassen. In den Kampf um den Titel können die Bremer nun aber auch nicht mehr eingreifen. Vielmehr müssen sie sich beim Finale in Hamburg nun auf einen engen Kampf um den letzten Platz auf dem Prodium einstellen. Zwischen Rang drei und acht liegen nur fünf Punkte.

Itzehoe gewinnt in der zweiten Liga

In der zweiten Liga hat sich die Seglervereinigung Itzehoe ganz vorne im Liga-Geschäft zurückgemeldet. Der langjährige Erstligist und Gründungsmitglied der Segel-Bundesliga gewann den Spieltag mit seinem Team um Skipper Julian Ramm. In den Kampf um den Aufstieg kann der ehemalige 49er-Spitzensegler damit aber als Tabellen-Achter nicht eingreifen.

Die Itzehoe-Crew um Skipper Julian Ramm gewinnt den Zweitliga-Spieltag in Kiel. © Wehrmann/DSBL

Dafür segeln die Top-Teams zu konstant. An der Spitze liegt immer noch der Bodensee-Yacht-Club-Überlingen. Der wird zum Ende der Serie in Kiel durch Penalties aus der Führungsposition auf Rang fünf zurückgeworfen, aber der BYCÜ scheint in diesem Jahr reif für das Oberhaus.

Der Umbruch zu jüngeren Verantwortungsträgern hat längst geklappt – Süd-Legende Hubert Merkelbach muss kaum noch im Team aushelfen – und die Substanz im Team ist so groß, dass der BYCÜ in diesem Jahr die Junioren-Liga gewonnen hat.

Reif für die erste Liga ist auch der Joersfelder Segel-Club aus Berlin. Das Team um die Kerncrew der J/24-Weltmeister von 2016 Christoph Cornelius, Timo Chorrosch, Jeronimo Landauer und Daniel Schwarze bestätigt nach dem Sieg in Berlin nun mit Rang drei den zweiten Tabellenplatz.

Nur einen Punkt dahinter rangieren die Absteiger vom Mühlenberger-Segelclub, bei denen eSailing-Liga-Meister Till Krüger mit dem Liga-Vorsitzenden Ole von Studnitz segelt. Erst im letzten Rennen der Serie verspielen sie mit einem sechsten Platz den möglichen Spieltag-Sieg liegen aber noch sicher auf dem dritten Aufstiegsplatz.

Dahinter wird es besonders spannend im Kampf um den vierten Aufsteiger. Der Konstanzer Yacht-Club meldet nun mit seinem zweiten Platz neue Ansprüche auf seinen alten Stammplatz in der ersten Liga an. Aber er muss sich beim Finale in Hamburg mit den starken Absteigern aus Warnemünde duellieren. Die ASVW-Crew um Steuerfrau Johanna Meier liegen nur einen Punkt achteraus.

Vom 8. bis 10. Oktober findet das Saisonfinale der 1. und 2. Segel-Bundesliga auf der Hamburger Alster beim Norddeutschen Regatta Verein statt. Dort wird die Meisterschale und der Titel des Deutschen Meisters der Segelvereine 2020 vergeben, und es fallen die Entscheidungen über Auf- und Abstieg.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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