Segel-Bundesliga: VSaW dokumentiert seinen Weg zum Erfolg – Weniger Rotation im Team

So sehen Sieger aus

In der siebten Saison der Segel-Bundasliga hat der Verein Seglerhaus am Wannsee erstmals den Meistertitel gewonnen. Im Video gewähren die Berliner einen Blick hinter die Kulissen.

Das dominierende Team der Saison mit Jan Jasper Wagner an der Pinne bei einer Roll-Halse. © DSBL

Der VSaW ist Gründungsmitglied der Liga, war in den vergangenen Jahren in der Tabelle immer gut dabei, stand viermal auf dem Treppchen, war regelmäßiger Champions League Teilnehmer, aber für ganz vorne hat es nie gereicht.

Viermal schnappte der NRV aus Hamburg den Titel weg, zweimal der DTYC aus Bayern. Diesmal nun ist alles anders. Die Berliner gestalteten die Saison überlegen. Sie gewannen 2019 drei von sechs Spieltagen, und der Vorsprung vor dem zweitplatzierten Wassersport-Verein Hemelingen aus Bremen betrug  schließlich 12 Punkte.

Wie ist der VSaW so stark geworden?

In der Vergangenheit war eine der großen Stärken eigentlich die größte Schwäche. Der Verein ist einer der größten Segelsport-Förderer der Republik und hilft regelmäßig, seinen größten Talenten dabei, Olympia-Kampagnen zu stemmen. Dadurch werden so viele Top-Segler an den Verein gebunden, wie kaum anderswo.

Viele eignen sich, auch in der Segel Bundesliga groß aufzutrumpfen, und viele haben auch eine Chance bekommen. Aber die spezielle Form des Liga-Segelns erfordert eine gewisse Kontinuität. Der Umstieg etwa von einem 470er, Laser oder 49er zum Kielboot J/70 ist nicht auf Anhieb zu stemmen. Man muss sich intensiv damit auseinander setzen.

Ein Olympia-Hintergund hilft definitiv, um in der Liga zu punkten, aber er ist keine Garantie. Crew, Umfeld und Einsatz müssen stimmen. Teamplayer sind gefragt. In einem großen Crewpool müssen sich die Individualisten plötzlich mit Anforderungen auseinandersetzen, die bei einer Olympiakampagne nicht geschult werden.

Die Sieg-Strategie

So hat der VSaW in den Liga-Saisons oft viele Segler durch die Aufstellung rotieren lassen, was wohl auch intern politisch bedingt war. Viele starke Segler im Verein meldeten Ansprüche auf eine Position im Team an, und mussten dann erkennen, dass sie im speziellen Liga-Format nicht so punkten konnten wie erhofft.

Das Sieger-Podest 2019 mit dem WVH, VSaW, NRV, dem DSL-Vorsitzenden Ole v. Studnitz (l.) Oliver Schwall und Eberhard Wienholt v© DSBL

Nach diesen Erfahrungen konnte das VSaW-Sport-Team um Geschäftsführer und Spitzensegler Frank Butzmann im siebten Liga-Jahr eine echte Sieg-Strategie auf den Weg bringen.

Das Erfolgsrezept: Konzentrieren auf das Wesentliche. Zusammenstreichen des Kaders auf acht Segler und nur zwei Steuerleute, die ausreichend Qualität besitzen und die Zeit mitbringen, sich voll reinzuhängen, dazu die finanzielle Unterstützung insbesondere der Firma “Wir lieben Kabel”, die Drachen-Spitzensegler Dirk Pramann betreibt.

Wagner siegt dreimal

Mit dieser Struktur im Rücken konnte besonders Jan Jasper Wagner die Transformation zum Liga-Top-Performer perfekt gelingen. Nach 14 Jahren im 470er und zweieinhalb Olympia-Kampagnen, bei denen er zweimal nur knapp scheiterte (Platz 9 WM 2013), beendete er Mitte 2018 die Olympia-Karriere – und konzentrierte sich auf die Liga. 2019 wurde er zum dominierenden Steuermann mit gleich drei Siegen.

Jan Jasper Wagner im 470er

Der 33-Jährige konnte sich insbesondere auf eine eingespielte Crew verlassen. Bei den acht Regatten (inklusive Champions League) gingen nur acht Segler an den Start. Und mit Tim Elsner (33) war ein zweiter starker Steuermann dabei, der viel internationale Erfahrung im 470er und 49er gesammelt hat und 2019 verlässlich im Vorderfeld punktete.

Aus dem Team heißt es beim Tagesspiegel: “Wir haben jede Position doppelt besetzt. Zudem hat der Mix aus erfahrenen und jüngeren Leuten gestimmt. Wir verstehen uns auch abseits des Segelns sehr gut. Da hat man einfach eine gute Stimmung an Bord. Man kann sich Fehler eingestehen, ohne dass es zu Streitereien kommt. Natürlich war auch die gute Vorbereitung mit der Trainingsgruppe mit den anderen Berliner Vereinen aus der Bundesliga entscheidend. Genauso wie mit den anderen Teams aus dem VSaW.”

Trainingsgruppe mit den vier anderen Berliner Bundesligisten

Auch die solide Trainingsarbeit in Berlin zusammen mit den Erstligisten vom SV03, dem Berliner Yacht-Club,  und dem Klub am Rupenhorn besonders ausgezahlt. Der KaR musste zwar den Weg ins Unterhaus antreten, aber dafür ist der Potsdamer Yacht-Club für die Saison 2020 aufgestiegen.

Beginnt nun eine neue Zeitrechnung in der Segel-Bundesliga? Kann nach der Dominanz des Deutschen Touring Yacht-Clubs (zwei Titel + Championsleague) und des NRV (vier Titel) nun der VSaW eine Siegesserie starten?

So sehen Sieger aus. © DSBL

Es kommt viel darauf an, ob das Team beisammen gehalten werden kann. Einige Segler werden sich wieder mehr um berufliche oder auch familiäre Themen kümmern müssen. Aber die Qualität im Verein ist so groß, dass Lücken schnell gefüllt werden sollten. Und die Euphorie nach dem Sieg dürfte neue Energie entwickeln.

Im Überschwang der Gefühle hat Elias Rothe schon Ansprüche für die nächste Saison formuliert: “Wir waren ja schon zum dritten Mal bei der Champions League dabei und sind 2019 bei der Qualifikationsregatta auf Sardinien Dritter geworden. Im August sind wir beim Finale in St. Moritz eigentlich ganz gut gestartet und waren sogar nach dem ersten Tag auf Platz eins. Am Ende sind wir Neunter geworden. Unser Anspruch ist es definitiv, beim Finale unter die Top drei zu kommen. Unser großes Ziel für nächstes Jahr ist es, das mit der Meisterschaft hoffentlich zu wiederholen und vielleicht auch die Champions League zu gewinnen.”

Die Konkurrenz muss sich warm anziehen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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