Segel-Bundesliga Warnemüde: NRV mit Comeback – Bayern dominieren 2. Liga

Allrounder gefragt

Bei der Segel-Bundesliga Premiere in Warnemünde gewinnt der Norddeutsche Regatta Verein. In der 2. Bundesliga dominiert der Bayerische Yacht-Club wie noch nie ein Verein in der jungen Liga-Geschichte.

Segel-Bundesliga Warnemünde

Überflieger der zweiten Liga, der Bayerische Yacht Club. © Lars Wehrmann

Zum Auftakt der Warnemünder Woche machte der Segel-Bundesliga-Tross erstmalig Halt am besten deutschen Segelrevier. Dabei erwischten die Segler das heißeste Wochenende des Jahres und entsprechend wenig Wind an den ersten beiden Tagen.

Lange Wartezeiten brachten die Live-Übertragung besonders am Sonntag ins Stocken. Erst spät am Abend konnten noch Rennen stattfinden. Aber die Geduld sollte sich auszahlen. Über 20 Knoten auflandiger Wind am Montag sorgten für einen deutlich veränderten Rahmen. Perfekte Bilder und Segel-Action. Der komplette Segler war gefordert.

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Das Liga Revier direkt vor dem Strand in Warnemünde. © Lars Wehrmann

Aber die Organisation kam an ihre Grenzen. Das Revier zeigte zwar seine ganze Kraft und die Schönheit des Sports, und es hätte ein denkwürdiger Tag werden können. Aber das Bundesliga-System beruht auf schnellen Bootswechseln, und die waren im hohen Wellengang nicht möglich.

Allrounder gefragt

Nach jedem Rennen mussten die beiden Flotten der 1. und 2. Liga im Alten Strom Schutz suchen und eine längere An- und Abfahrt zur Rennstrecke in Kauf nehmen. Auch deshalb fielen insgesamt 17 Rennen der ersten Liga aus und 20 bei der zweiten Liga.

© Lars WehrSegel-Bundesliga Warnemündemann

Am Montag zeigte sich Warnemünde von der harten Seite. © Lars Wehrmann

Das Ergebnis ist dennoch rund. Das System erlaubt es, zu jedem beliebigen Zeitpunkt abzubrechen. Wenn ein Flight nicht mit allen drei Rennen abgeschlossen ist, erhalten die nicht gesegelten Teams für diesen Lauf die Durchschnittspunktzahl ihrer bisher gesegelten Rennen.

So konnte die Liga einen weiteren Spieltag abschließen, der diesmal insbesondere die Allrounder zum Zuge kommen ließ. Sechsmal waren eher Leichtwind-Qualitäten gefragt, am Montag ging es dann für viele einfach nur ums Überleben.

Comeback des Deutschen Meisters

Am besten stellte sich die Deutschen Meister vom Norddeutsche Regatta Verein darauf ein. Johannes Polgar, Niklas von Meyerinck und Miklas Meyer gaben bei ihrem ersten Saison-Einsatz für den NRV zusammen mit Florian Weser Gas und dominierten insbesondere die letzten Starkwindrennen. Mit dem Sieg meldeten sie den NRV zurück im Titelkampf und führten den NRV in der Tabelle auf Rang drei.

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Der NRV obenauf vor Württemberg und dem DTYC aus Starnberg. © Lars Wehrmann

Auf Augenhöhe segelte insbesondere der Württembergische Yacht-Club mit den Rieger Brüdern, Anian Schreiber und Felix Diesch, die ihren Verein besonders in der ersten Saison ganz nah an den Gesamtsieg gebracht hatten.

Im vergangenen Jahr waren die Riegers durch Verletzungen gehandicapt, nun meldeten sie sich stark zurück und gewannen sechs von neun Rennen. Ein entscheidender Fehler im fünften Rennen kostete den Gesamtsieg. Die Frühstart-Flagge wurde auf dem Startschiff gehisst, NRV und VSaW segelten zurück und bereinigten sich, aber die Württemberger wurden zusammen mit der SKWB disqualifiziert. Diese sieben Strafpunkte konnten sie nicht mehr gutmachen.

Überlingen verpasst Zeitlimit und Podium

Noch ärgerlicher verlief eine Entscheidung am grünen Tisch für den Segel- und Motorboot Club Überlingen, wo erstmals Lasersegler Michael Zittlau das Ruder übernahm und prompt zur Halbzeit mit einer Serie von vier aufeinanderfolgenden Siegen weit nach oben schnellte.

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Flensburg verteidigt mit einem soliden siebten Rang den zweiten Tabellenplatz. © Lars Wehrmann

Aber ein erster Platz wurde nachträglich aberkannt, weil der SMCÜ als erstes Boot das Zeitlimit von 20 Minuten um etwas mehr als eine Minute überschritten hatte. So ging der Sieg verloren und das Rennen wurde schließlich für alle sechs Boote mit dem Mittel der Gesamtpunkte bewertet. Dadurch rutschten die Männer vom Bodensee knapp um 0,63 Punkte vom Podest.

Nutznießer war der Deutsche Touring Yacht-Club, für den Maximilian Weiss und Taktiker Patrick Follmann schon in Kiel auf Rang vier segelten. Mit einer schönen Geste regten sie an, die Überlinger mit auf das Podium zu bitten.

Mit der Serie 1/4/3 liegen die Starnberger nun klar auf Titelkurs. Der Abstand zum zweitplazierten Flensburger Segel-Club, für den Michael Ilgenstein einen soliden siebten Platz einfuhr, beträgt schon sieben Punkte. Der NRV liegt auf Gesamtplatz drei gleich 13 Punkte zurück wie auch der VSaW.

Absturz der Chiemsee-Helden

Den extremsten Absturz von eins auf fünf erlebte der Chiemsee Yacht Club, für den Leopold Fricke nach seinen beiden erfolgreichen Einsätzen pausierte. Erstmals wurde der ex Starboot-Segler Markus Reger reaktiviert. Er konnte mit seinem Team aber nur den vorletzten Platz erreichen.

Der letzte Starkwind-Tag wurde besonders den Aufsteigern vom Wassersport-Verein Hemelingen aus Bremen zum Verhängnis. Das Team stand lange an der Spitze aber bei den härteren Bedingungen zeigte sich die fehlende Trainingszeit mit dem Team.

Bayerischer Yacht Club überlegen

Einen Weg zum Liga-Erfolg weist insbesondere der Bayerische Yacht Club in der zweiten Liga auf. Der Absteiger schien noch auf seinem Heimatrevier in Starnberg mit Rang 15 den angepeilten Wiederaufstieg aus den Augen zu verlieren. Aber nun meldete er sich mit einer Überlegenheit zurück, die in der jungen Liga-Geschichte noch nicht gesehen wurde.

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Überflieger der zweiten Liga, der Bayerische Yacht Club. © Lars Wehrmann

Philipp Hiebler, der noch vor vier Jahren an der 420er Vorschot seines Bruders Bayerischer Vizemeister wurde, ersegelte mit dem erfahrenen Ü50 Taktiker Andreas Plettner sowie dem ex 505er Meister Andreas Achterberg und Leopold Lindner einen unglaublichen 10,38 Punkte Vorsprung nach neun Rennen. Sie zählten sieben Siege und zwei zweite Plätze.

Der Bayerische Yacht-Club hat drei J/70 angeschafft, mit denen regelmäßig auf dem Hausrevier und am Gardasee trainiert wird. Karol Jablonski war schon als Coach im Einsatz, und er soll auch in der nächsten Saison als Segler zum Einsatz kommen. Der BYC schob sich in der Tabelle von Platz 15 auf 7 nach vorne.

Lindau klarer Tabellenführer

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In der zweiten Liga lag Blauweiß vor den Entdeckern und Tabellenführer Lindau. © Lars Wehrmann

Die Bayern schlugen in Warnemünde auf den B/one immerhin die Entdecker und Seefahrer, für die erstmals Andreas Willim mit seinem ehemaligen Match Race Meister Team um Tom Gosch und Henning Sohn zum Einsatz kam und außerdem der ex 505er Vorschoter Klaus Stammerjohann. Ein Überläufer in der Rollfock-Trommel führte zum einzigen Ausrutscher in einer blitzsauberen Serie. Nach dem letzen Rang in Starnberg wurde der EnSfr nun zweiter.

Klar in Führung der Zweitliga-Tabelle liegt das Gründungsmitglied des Liga-Betriebs vom Lindauer Segler-Club. Estmalig kam in dieser Saison Laser Segler Fabian Gielen zum Einsatz, der bei der Kieler Woche für ein Bremer Team die J/70 steuerte.

Er sicherte in Warnemünde Rang drei und liegt mit seinem Verein in der Gesamtwertung nun vor dem Überraschungsteam der zweiten Liga dem Klub am Rupenhorn, der mit seinem jungen Team um Steuermann Paul Ost nun schon seinen zweiten vierten Platz erreichte. Die Berliner hatten sich zusammen mit Münster und Duisburg bei einem B/one Training in Holland auf den zweiten Spieltag vorbereitet.

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Großer Spaß für die Jungs von Rupenhorn aus Berlin in der Warnemünder Wele. Sie halten einen starken zweiten Tabellenplatz. © Lars Wehrmann

Tabelle 1. Liga – Ergebnis Warnemünde

Tabelle 2. Liga – Ergebnis Warnemünde

Replay Übertragung 2. Tag:

Replay Übertragung 1. Tag:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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