Segel-Bundesliga: Youngster aus München feiern Start-Ziel-Sieg – Duell gegen die Väter

Das Wunder(le) von Kiel

In der Segel-Bundesliga hat das junge Team vom Münchner Yacht-Club einen Überraschungscoup gelandet. Die Erstliga-Nachrücker und potenziellen Absteigskandidaten waren in Berlin noch 14. und  gewannen nun in Kiel. Wie ist das möglich?

So richtig scheinen die Jungs aus dem Süden noch nicht zu realisieren, was da gerade passiert ist. Eine kurze Jubelphase auf der Ziellinie, Umarmungen und Abklatschen, dann setzen sie wieder das breite Dauergrinsen auf, mit dem sie in den vergangenen drei Tagen ihren Höhenflug gemeistert haben und freuen sich eher innerlich.

Interview mit dem MYC-Taktiker Julius Neszvecsko vor dem letzten Rennen:

Abgeklärt statt aufgeregt. Als wäre es nichts Besonderes, einen solchen Durchmarsch beim vierten Spieltag der Segel-Bundesliga hingelegt zu haben. Vom ersten Rennen an in Kiel  lagen sie auf Platz eins, beendeten 12 von 13 Rennen unter den Topp drei, siegten fünfmal, behaupteten am Ende schließlich vier Punkte Vorsprung und hielten schließlich das ONEKiel-Team in Schach. Das hat schließlich bisher zweimal locker gewonnen, wenn das Duo Magnus Simon und Max Schuberth am Start war.

MYC-Interview nach dem Sieg:

Aber die jungen Bayern behalten auch im letzten komplizierten Leichtwindrennen die Nerven, liegen zwischenzeitlich ganz hinten und machen dann mit Platz drei doch noch alles klar.

Das letzte Rennen des MYC für den Spieltag-Sieg:

Dabei sind sie in dieser Besetzung vor genau zwei Wochen beim dritten Spieltag in Berlin noch 14. geworden und bekleideten danach in der Tabelle den ersten Abstiegsplatz 15. Diesen Rang hatte der Münchner Yacht-Club auch Ende 2019 bekleidet und war abgestiegen. Erst nach dem Rückzug der Segelkameradschaft das Wappen von Bremen rückte der MYC wieder in die erste Liga hoch.

Der Münchner Yacht-Club-Youngster überstanden auch die Starkwind-Rennen in Kiel auf höchstem Niveau. © Whermann/DSBL

Ähnlich turbulent verlief die Anreise nach Kiel. Denn wenige Tage vor dem Event war München als Corona-Risikogebiet eingestuft worden und Münchner durften nicht nach Schleswig-Holstein einreisen. Manuel Wunderle erzählt im SR-Interview, dass deshalb ein Segler ausfiel, ein Junioren-Segler nachnominiert wurde, sie schon mit dem Auto Richtung Norden gestartet waren, eine Panne das Umdrehen erzwang, beim nächsten Versuch dann die Nachricht kam, dass die Sperre für Münchener vom SH-Gesundheitsamt aufgehoben wurde, sie wieder umgedreht sind, die Segler getauscht haben und schließlich in der Nacht Kiel erreichten.

Duell gegen die Väter

Der Leistung hat diese Odyssee offenbar nicht geschadet. Ganz so zufällig, wie es auf den ersten Blick aussieht, ist der Erfolg auch nicht. Der verantwortliche Team-Manager Micki Liebl schenkte seinem talentierten Jugendteam früh das Vertrauen. Er ließ es schon 2019 beim Heim-Event am Starnberger See starten, wo es bei der Premiere mit einem achten Platz fulminant startete. Und Steuermann Wunderle ist auch kein unbeschriebenes Blatt. 2014 gewann er schon einen Meistertitel im 29er und segelte dann auch einige Zeit im 49er.

Das Projekt wurde für ihn aber zu aufwändig. Und auch die Kumpels aus der Jugendgruppe fanden nicht so einfach eine seglerische Herausforderung, die sich mit der Ausbildung verbinden lässt. Nur die Liga funktionierte. Das Team punktete zuerst bei den Junioren und nun eben auch im Oberhaus. 2020 nahmen sie sich trotz Corona viel Zeit zum Segeln auf der J/70. Neben dem Liga Event in Berlin und nun Kiel bestritten sie zuvor auch noch die Kieler Woche.

Diese Teilnahme resultierte aber eher aus einer Schnapsidee. Die vier Väter Hubert Frenzer, Artur Wunderle, Steffen Pöhlmann und Alexander Neszvecsko forderten ihre Söhne (Manuel Wunderle, Julius Neszvecsko, Sebastian Frenzer und Jannik Pöhlmann) mit der J/70 heraus. Ein schöner Spaß, und auf Rang 17 platzierten sich die Youngster standesgemäß fünf Plätze vor den Oldies. Aber dieses Starkwind-Erlebnis half ihnen schließlich auch, die beiden härteren Liga-Rennen in Kiel zu überstehen.

Mit dem Sieg hat sich der Münchner Yacht-Club vom Abstiegsplatz 15 auf 11 vorgeschoben und ein Polster von 11 Punkten geschaffen. Damit stehen die Chancen gut, dass sich das spannende Projekt auch 2021 in der 1. Liga fortsetzen lässt. Nebenbei ist der MYC nun auch der beste Liga-Club vom Starnberger See vor den großen Rivalen vom DTYC (12.) und Bayerischen Yacht-Club (14.)

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Segel-Bundesliga: Youngster aus München feiern Start-Ziel-Sieg – Duell gegen die Väter“

  1. avatar Steffen Pöhlmann sagt:

    Danke für den netten und ausführlichen Bericht. – Da freuen sich die Väter doch gleich doppelt (vulgo: sind mächtig stolz).

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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