Solitaire du Figaro: Heftiger Auftakt mit 40-Knoten-Böen – reichlich Bruch und Pannen

"C'est cool"

Favorit und dennoch Überraschungssieger: Nicolas Lunven, Sieger der „Solitaire“ 2009 und bereits zum 8.Mal dabei, hat noch nie zuvor eine Figaro-Etappe gewonnen. Justine Mettraux auf hervorragendem 12. Rang.

Das Finale dieser ersten Etappe der legendären Einhand-Regatta „La Solitaire du Figaro“ war das exakte Gegenteil von dem, was die Skipper zuvor durchgemacht hatten. Nicolas Lunven („Generali“) segelte gegen Mitternacht nahezu gemächlich auf die Ziellinie vor dem spanischen Gijon zu, ließ sich ordentlich für seinen Etappensieg feiern und haute sich später im Hafen gleich „aufs Ohr“.

Er hatte reichlich Schlaf nachzuholen, schließlich waren die letzten 36 Stunden in der Biskaya schlicht „die Hölle“ für alle 43 gestarteten Teilnehmer dieser 48. Ausgabe der „Solitaire du Figaro“. Die Einhandregatta ist eine der bekanntesten, weil konkurrenzstärksten Hochseeregatten der Welt. 

Harte Bedingungen

Tatsächlich dürfte Nicolas Lunven am meisten von seinem Etappensieg überrascht gewesen sein. Denn zum Einen hat es der „Solitaire du Figaro-Sieger“ von 2009 immerhin durch sieben Ausgaben der legendären Einhandregatta „geschafft“, ohne auch nur ein Mal eine der jeweils vier bis fünf Etappen gewonnen zu haben. Und zum Anderen ist der „Generali“-Skipper eher für herausragende (taktische) Performance bei leichteren bis mittleren Winden bekannt.

Entsprechend knapp war dann auch das Ergebnis: Nur 12 Minuten Vorsprung gegenüber dem Zweitplatzierten Adrien Hardy sprechen Bände in Bezug auf das Nervenkostüm des Siegers. Lunven: „Nur eine Winddrehung hätte gereicht, und ich wäre nur Zehnter oder Fünfzehnter geworden“. Die Top Ten dieser Etappe kamen alle innerhalb einer Stunde und neun Minuten ins Ziel.

Doch Fortuna war Lunven diesmal eben auch bei extrem harten Bedingungen hold: Mitten in der Biskaya wurde das Feld von einem Tief eingeholt, das Böen bis weit über 40 Knoten aus Südwest brachte und den Figaro-SeglerInnen Surfs mit über 17 Knoten bescherte. Relativ hoch am Wind, wohlgemerkt! 

Was beim lockeren Training daheim vor der Haustüre mit Sicherheit ein irres Erlebnis ist, draußen im gefürchtet brachialem Seegang der Biskaya jedoch zur Zitterpartie werden kann. 

Reichlich Bruch

So gingen dann auch viele Bruchmeldungen bei der Regattaleitung ein und mehrere Favoriten dieser Solitaire ließen reichlich Federn. So meldete Erwan Tabarly, Neffe der Legende Eric Tabarly und Sieger der ersten Etappe der letztjährigen „Solitaire“, schon nach den ersten 35-Knoten Böen Probleme mit der Ruderanlage und lief schließlich den Nothafen Les Sables d’Olonnes an. Vier weitere Skipper gaben ebenfalls mit Schäden an der Ruderanlage, im Rigg, mit gerissenem Großsegel und Totalausfall des Autopiloten auf. 

Überhaupt zeigte sich auch bei dieser „Solitaire” die Selbsteuerungsanlage bei einigen Teilnehmern mal wieder als „Knackpunkt“. Viele SkipperInnen mussten gleich mehrere Gänge „runterschalten“, weil ihr Autopilot ausgefallen war oder nur schlecht arbeitete . Über dreißig Stunden an der Pinne bei so einem Wetter in der Biskaya sind jedenfalls für das noch so geübte Schlafmanagement eine echte Herausforderung. 

So zeigte sich diese erste Etappe der „Solitaire du Figaro“ ungewöhnlich hart. Einige Favoriten wie etwa Jeremie Beyou (Rang 19) mussten sich weit hinten einreihen. Es dürfte schwer werden, einen Rückstand von 1:45 h in einem derartig hochkarätigen Feld wie der „Solitaire du Figaro“ während der nächsten Etappen noch aufzuholen. 

Solitaire du Figaro, Starkwind

Foils sind nur was für Weicheier! Abheben geht auch ohne! © courcoux

Die Schweizerin Justine Mettraux freute sich als Beste von vier teilnehmenden Frauen über ihren 12. Rang. Auf den letzten Metern musste sie noch wegen eines Manöverfehlers zwei Konkurrenten vorbeilassen, die sich schließlich mit einer Minute Abstand vor ihr platzierten. „Ich bin dennoch sehr zufrieden,“ sagte Mettraux im Ziel.

„Ich habe mich bei dem starken Wind ganz gut geschlagen, hab einiges gewagt, was ich mich im letzten Jahr noch nicht getraut hätte, und die Geschwindigkeit des Bootes ist im Vergleich zu den anderen ganz okay. Letztes Jahr hatte ich eine miserable erste Etappe und musste mich langsam vorarbeiten. Dieses Jahr bin ich dort, wo ich sowieso gerne hin möchte, also etwa Rang 10. C’est cool!“ 

Die Etappen der 48. „Solitaire du Figaro“ 2017:

  1. Pauillac (Bordeaux) nach Gijon 525 Seemeilen
  2. Gijon nach Concarneau 520 Seemeilen
  3. Concarneau – Concarneau rund bretonische Inseln
  4. Concarneau nach Dieppe, rund Wolf Rock // Ärmelkanal.   

Ergebnisse Solitare du Figaro 2017

Eventseite Solitair du Figaro

Solitaire du Figaro, Starkwind

Spielplätze der Figaristen: Biskaya und Ärmelkanal © la solitaire

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Michael Kunst

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