Solitaire du Figaro: Jeremie Beyou (38) siegt vor Horeau (25) und Dalin (30)

Die Jungen klopfen an

Gennaker? für Weicheier! Figaro 2 werden mit Spi gesegelt… und basta! © Courcoux

Gennaker? Für Weicheier! Figaro 2 werden mit Spi gesegelt… und basta! © Courcoux

Ein Generationenwechsel steht bevor: Die Solitaire du Figaro 2014 war geprägt vom Duell zwischen jungen Wilden und erfahrenen Altmeistern.

Diese bereits 45 (!) Ausgabe der Solitaire du Figaro war geprägt von den eher küstennah gesegelten Etappen und sieben (!) Überquerungen des Ärmelkanals. Was unterm Strich für die Segler bedeutete: Richtige Einschätzung der Thermik konnte über Sieg oder Niederlage entscheiden und die Strömungen machten vor allem die Leichtwindetappen zu einem „Va-Banque“-Spiel. Doch über allem stand erneut – wie schon so viele Male zuvor in der Geschichte dieses Klassikers – der Wettstreit zwischen den Generationen.

Es fing damit an, dass der große Favorit Yann Eliès, in Führung liegend, gleich in der ersten Etappe wegen Mastbruch aufgeben musste. Auch wenn er daraufhin noch Etappen gewinnen und dominieren konnte… die Trumpfkarte unter den Erfahrenen dieser Solitaire du Figaro hatte klar ausgespielt und konnte mit einem DNF nicht mehr ins Podiumsgeschehen eingreifen.

Sieger der Solitaire du Figaro 2014: Jeremie Beyou © courcoux

Sieger der Solitaire du Figaro 2014: Jeremie Beyou © courcoux

Also übernahm ein Alterskollege die Rolle des Alpha-Rüden und mischte schließlich, sozusagen im letzten Moment, die „jungen Wilden“ nochmals auf: Mit einem Sieg in der letzten Etappe sicherte sich der 38jährige Jeremie Beyou auf „Maitre Coq“ bei seiner 14. Teilnahme an der Solitaire du Figaro zum dritten Mal den Gesamtsieg dieser prestigeträchtigen Einhand-Seeregatta.

Die Leistungsdichte ist verblüffend © courcoux

Die Leistungsdichte ist verblüffend © courcoux

Dicht ist wirklich dicht

Im Prinzip wurde alles auf den letzten 50 Seemeilen der vierten und letzten Etappe entschieden. Wie so oft in den vergangenen Jahren, lag der Feld der rasenden Beneteau Figaro 2 dicht beisammen. Und dicht heißt bei den Figaristen wirklich „dicht“: die Hälfte des Feldes verbrachte die auf 446 Seemeilen verkürzte Etappe in direkter Sichtweite, manche „Päckchen“ segelten stundenlang zu fünft, sechst in Rufweite.

Jeremie Beyou wählte dann auch in bester Matchrace-Manier den Weg der Mitte, um möglichst nahe bei seinen direkten Konkurrenten zu bleiben, die stundenlang immer wieder neue Angriffe fuhren. Also keine Extremschläge für Beyou , keine Ausreißversuche, sondern Kontrolle über die „jungen Wilden“ war angesagt.

Wer Figaro 2 segelt, muss Hand anlegen können – in allen Situationen © courcoux

Wer Figaro 2 segelt, muss Hand anlegen können – in allen Situationen © courcoux

Erst auf den letzten Seemeilen setzte er sich nochmals deutlich ab – und deutlich heißt hier: knappe 50 Sekunden später segelte der Etappen-Zweite Hardy und nochmals 30 Sekunden darauf der Etappendritte Douguet über die Linie.  Der Rest der Meute folgte ebenfalls in kürzesten Abständen – die Regatta wurde ihrem Ruf als „leistungsdichte Spielwiese der Hochsee-Talente“ wieder mal voll gerecht.

“Die Helden meiner Jugend”

Entsprechend eng das Gesamtclassement: nach einer tatsächlich gesegelten Zeit von 12 Tagen, 19 Stunden, 39 Minuten und 22 Sekunden stand Jeremie Beyou auf Maitre Coq schließlich als Sieger fest. Der Zweitplatzierte Corentin Horeau (25) folgte mit 17 Minuten Abstand (addierte Zeiten), Charlie Dalin (30) verzeichnete 25 Minuten Rückstand auf den Sieger.

Erfahrene „Figaristen“ wie Erwan Tabarly (Alter 40 – Gesamtclassement Rang 6), Yann Eliès (40 // Rang 32, nach Mastbruch) oder Vincent Bianes (40  // Rang 12) sind sich einig: In den nächsten Jahren wird es deutlich schwerer werden, die anspruchsvolle, weil athletische Klasse zu dominieren. „Wir sollten uns schon mal auf die nächste Generation einstellen,“ sagte Jeremie Beyou nach dem Herzschlagfinale der letzten Etappe.

Für viele die schönste Hochsee-Regattaklasse: Figaro 2, hier Maitre Coq mit Jeremie Beyou © courcoux

Für viele die schönste Hochsee-Regattaklasse: Figaro 2, hier Maitre Coq mit Jeremie Beyou © courcoux

„ Mit denen ist nicht zu spaßen,“ unterstreicht Eliès. Doch der erfolgreiche Nachwuchs gibt sich zurückhaltend. Corentin Horeau: „Das sind die Helden meiner Jugend, zu einem Großteil meine Lehrmeister. Es macht mich einerseits stolz, dass ich bei ihnen mitmischen kann. Zum anderen habe ich aber immer noch eine Menge Respekt vor diesen „Großen“ der Szene!“

Übrigens, die Deutsch-Französin Isabelle Joschke erreichte als beste Frau einen höchst respektablen 16. Gesamtrang (von 38) mit einem Abstand von sechs Stunden zum Sieger!

Ergebnisse

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Solitaire du Figaro: Jeremie Beyou (38) siegt vor Horeau (25) und Dalin (30)“

  1. avatar Breizh sagt:

    Danke für den Bericht. Aber schade wieder nur die Ergebnisse und keine “Live-Berichte” oder weitere Hintergrund/Taktik-Informationen. Wie wäre es einmal mit einem Interview der jungen deutschen Teilnehmerin oder ….
    Ich finde die ganze Offshore-Szene wesentlich interessanter als bspw. KiWO.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

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