Solitaire du Figaro: Yann Eliès siegt, Deutsch-Französin Isabelle Joschke 22.

Gemeinsam einsam

Enge Raumschot-Kämpfe beim Solitaire du Figaro 2012 © A.Courcoux

Drei-Tage-Bart, tief in den Höhlen liegende, von See und Sonne gerötete Augen, krächzende Stimmen, salzverkrustete Gesichter, mitunter fast schon irrer Blick – man kann den Protagonisten deutlich ansehen, dass auch die diesjährige Ausgabe der wohl härtesten Offshore-Regatta Europas wie gewohnt alles von den Teilnehmern verlangte.

Die Offshore-Laser

Denn die speziell für diese Regatta gebaute Einheitsklasse Figaro ist solo bzw. einhand nur mit komplettem körperlichen und mentalen Einsatz zu bändigen. Bei 10,10 m Lüa, 3 to Verdrängung, 36 m2 Segelfläche im Groß, 30m2 in der Genua und sagenhaften 85m2 im Spi (der übrigens gnadenlos lange oben gelassen wird), erscheinen die normalerweise zehrenden Einhand-Probleme wie Schlafmanagement und MOB-Risiko eher nebensächlich. Normalerweise.

Doch ausgerechnet in diesem Jahr, wo man die Solitaire du Figaro wegen der Olympischen Spiele in London sowieso schon um eine auf drei Etappen verkürzte und deshalb inständig auf heftige Winde hoffte, um die gewohnten, spektakulären Figaro-Offshore-Raserei-Bilder zeigen zu können, waren die Winde zwar hart, aber in einem anderen Sinne.

Spielplatz der diesjährigen Figaro Solitaire war standesgemäß die Biskaya. Etappe 1 führte von Paimpol/Bretagne rund ums französische Finisterre dirèctement ins spanische Guijol. 504 sm in hoher Altdünung, bei stetig drehenden Winden, entlang großer Schifffahrtsrouten.

Auf Etappe 2 wieder direkt in die Biskaya, zurück zum bretonischen Zipfel, unter dem südlich die Ile de Sein liegt. Die dortige Wendeboje sollte Steuerbord gelassen werden, um schließlich nochmals 170 sm entlang der tidenstarken und strömungsreichen Küste bis Saint Gilles/Croix de Vie zu rauschen.

Etappe 3 dann ähnlich: raus in die nördliche Biskaya, hoch an die Südwestspitze Englands zum Wolf Rock, weiter entlang an der englischen Küste um dann (für die meisten logischerweise nachts) die am dichtesten befahrene Wasserstraße der Welt, den Kanal, zu durchqueren. 486 sm war dieser abschließende Törn lang. Und die Helden hatten speziell hier dran zu nagen…

Die See kann wunderbar sein… und enorm nerven!©A.Courcoux

Die See kann wunderbar sein… und enorm nerven!©A.Courcoux

 „Nie wieder!“

Denn die einzige Konstante dieser Regatta, vor allem aber im dritten Lauf, waren die unberechenbaren Winde. Kein Sturm, sondern Dreher, Schweinewinde, Böen aus dem sprichwörtlichen heiteren Himmel, Nebel, Dunst. Woraus folgte, dass jede Etappe von den Skippern Nerven wie Drahtseile verlangte.

Entsprechend ernüchternd dann die ersten Bemerkungen im Ziel. Yann Eliès Sieger der letzten Etappe und im 13. Anlauf (!) nun auch overall erfolgreich: „Ich bin am Ende, mit den Nerven und physisch. Hätte nie gedacht, dass ein Mensch mit so wenig Schlaf auskommen kann!“

Auf Rang 2 (der Etappe und overall), mit nur 4 Minuten Abstand zum Ersten, machte es der junge Morgan Lagravière noch deutlicher: „Das reicht, mir ist diese Regatta zu hart, ein drittes Mal werdet Ihr mich hier nicht mehr am Start sehen!“

Und Nicolas Lunven stellte klar,, was viele andere nur dachten: „Als ob es nicht ausreichen würde, dass diese Regatta immer wieder eine große athletische Herausforderung ist – auch das Feld segelt immer dichter. Was die Schlaferei noch komplizierter macht!“

Sieg in der zweiten Generation

Doch schon ein paar Stunden später glänzten die Augen nur noch vor Freude, hatte der Schampus wohl ein Übriges bewirkt. Vielsagend die Worte des Siegers, ausgeruht nach einer Mütze voll Schlaf:: „Ich muss genau das machen können, was ich will.

Darf mich von keinem anderen beeinflussen lassen, muss alleine handeln. Dann klappt es, augenscheinlich. Das hört sich einfach an, ist aber extrem schwer. Denn dauernd plagen mich Zweifel, ob die Wende gerade richtig war, der neue Kurs ok ist. Aber ich bin reifer geworden, ich war ja schon zum 13. Mal dabei! All’ das Zupfen und Zerren, Segelsetzen und –bergen, anluven, abfallen, Wind- und Wellen beobachten, all das mache ich mittlerweile automatisch.

Dabei werde ich meistens rührselig: Ich musste dauernd an meinen Vater denken, der diese Regatta 1979 gewonnen hat, jetzt auf Polynesien lebt und über Internet alles verfolgte. Und an meinen Sohn, in dessen Geburtsjahr 2002 ich zum ersten Mal eine Etappe gewinnen konnte. Es musste einfach klappen, wenn nicht jetzt, dann nie!“

Echte Segel-Amazonen

85 m2-Spi – dies nochmals zur Erinnerung, um die Leistung der drei teilnehmenden Frauen dieser Regatta im Besonderen zu würdigen: Die französische Profi-Seglerin Jeanne Gregoire schlug sich besonders achtsam: Rang 12 spricht in diesem hochkarätigen Feld mehr als Bände. Die erfahrene Deutsch-Französin Isabelle Joschke landete auf Rang 22. Der Abstand im Gesamt-Klassement von nur 3:52 h zum Sieger zeigt deutlich die enorm hohe Leistungsdichte dieser Regatta. Die Norwegerin Kristin Songe Moller wurde 33.

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Solitaire du Figaro: Yann Eliès siegt, Deutsch-Französin Isabelle Joschke 22.“

  1. avatar NK sagt:

    Geile Regatta, geiles Konzept.

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  2. avatar Heini sagt:

    aber grausam, wenn der Sieg nur über denjenigen führt, der am wenigsten gepennt hat

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    • avatar Olli sagt:

      Nur nicht zu schlafen reicht auch nicht. Dabei müssen die Damen und Herren noch fürchterlich gut segeln. Die Konkurrenz ist aber oft und lange in Sichtweite und baut durch bloße Anwesenheit jede Menge Druck auf. Wohl dem, er den kurzminütigen Intensivschlaf beherrscht.
      Das interessante an den Figaros ist, daß sie die einzige bislang wirklich funktionierende Einheitsklasse auf Ozeanennen ist. Wenn die Solitaire du Figaro noch viel aus Mittelstrecken besteht, so gibt es darüber hinaus auch noch eine AG2R. Wenn die Volvos in Zukunft auch Einheitsklasse werden, dann läßt sich ein echter Trent weg von der Konstruktionsklasse verzeichnen. Figaro, MOD 70, Volvo 65, vielleicht wird dann auch wieder das Konzept der SolOcean 52 aus der Versenkung geholt…

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