SR-Interview: Alex Thomson stellt seine neue Hugo Boss vor – Absage für The Ocean Race

"So hoch wie möglich aus dem Wasser"

Vor zwei Wochen geisterte schon ein Clip der neuen “Hugo Boss” durchs Netz in unglaublicher Rauschefahrt. Nun hat Alex Thomson seinen neuen IMOCA offiziell vorgestellt. SR war vor Ort.

Hugo Boss hebt ab. Der Tragflügel erzeugt enormen Auftrieb.

Eine so hohe Flughphase konnte bisher bei der Konkurrenz nicht beobachtet werden.

Die Inszenierung vor der Londoner Tower Bridge war perfekt. Zur „blauen Stunde“, wenn sich die Lichter der Großstadt  im Wasser der Themse spiegeln, wurde die neue HUGO BOSS von Poppy Delevingne, Schwester von It-Girl Cara, feierlich getauft. Neben ihr an Deck der auffällig schwarz-pinken Yacht Skipper Alex Thomson, lässig im maßgeschneiderten Anzug seines Hauptsponsors.

Hugo Boss Taufe vor der Tower Bridge © David M. Benett/Dave Benett/Getty Images for Hugo Boss

Aufmerksam in der ersten Reihe der zahlreichen geladenen Zuschauer stehend verfolgte Industriedesigner Karim Rashid die Taufe. Sein Fokus richtete sich vor allem auf den nahezu magischen Schimmer, den die neonpinken Farbmarkierungen- und Flächen an Bord der neuen Yacht, vom bläulichen Licht einiger Scheinwerfer angestrahlt, hervorriefen. „Die HUGO BOSS war die erste Yacht, der ich meinen optischen Stempel aufdrücken durfte“ erzählt er. „Ich bin zwar ein paarmal bei Freunden mitgesegelt, aber ein solches Boot, so eine pure Rennmaschine, war für mich etwas völlig Neues.“

Der neue IMOCA vor der Tower Bridge. © Hugo Boss

Bei der nach Plänen der französischen Designschmiede VPLP entstandenen Yacht entschied er sich für die mutige, dem neuen Genderverständnis Rechnung tragende Farbe pink. „Wir sollten eine Farbe nehmen, die fluoresziert“, erklärt er. „Mit dem Pink spielen wir mit den verschiedenen Geschlechterrollen, wir haben einen echten Hingucker geschaffen, der durch das in den Rumpf eingearbeitete Logo des Sponsors eine besondere Eleganz bekommt.“

Pinke Bombe: Wegen des “neuen Genderverständnisses”. © Hugo Boss

Skipper Alex Thomson selbst ist inzwischen von der Farbwahl begeistert, gibt aber im Kurzinterview zu, dass er im ersten Moment an seine kleine Tochter Georgia denken musste, die gerne „princess pink“ genannt wird.  Vor der Taufe ergab sich an Bord des Schiffes Gelegenheit für ein kurzes Interview:

Warum habt ihr euch entschieden, auf ein herkömmliches Cockpit zu verzichten und alle Leinen und Schoten, Grinder und Pinne in einen geschlossenen Raum direkt hinter den Mast zu verlagern?

„Die Bedingungen im Southern Ocean sind schrecklich. Es ist kalt, stürmt, und an Deck wird man klitschnass. Von hier unten aus habe ich über zwei Windschutzscheiben rechts und links vom Mast eine gute Sicht nach vorne, fünf an Deck und im Rigg eingebaute Kameras die ihre Bilder auf zwei Touchscreens senden, ermöglichen mir, hier unten den Überblick zu behalten, zu steuern und zu trimmen.“

Die Schoten und Strecker laufen fast komplett unter Deck. Was ist, wenn du doch einmal etwas klarieren musst, der berühmte ‚fuck up‘ an Bord passiert und es gilt zu improvisieren?

„Die Leinen laufen durch ein Tunnelsystem, das wir in regelmäßigen Abständen mit Öffnungen aus einem festen Tuch versehen haben. Damit kann ich alles unter- und an Deck wieder klarieren. Anders verhält es sich, wenn es Probleme mit der Stromversorgung oder dem Elektromotor von OceanVolt gibt, der seinen Strom über die vielen Solarpanels an Deck bezieht. Dann kontatkiere ich per Videoanruf jemanden aus meinem Team und lasse mir erklären, welches farbige Kabel ich womit verbinden soll.“

Böser Bug © Hugo Boss

Mit der Möglichkeit, emissionsfrei über den Atlantik zu segeln, hat es Boris Herrmann geschafft, Klimaaktivistin Greta Thunberg nach New York zu bringen und damit einen der besten PR-Coups in der jüngeren Geschichte des Segelsports gelandet. Was hältst du davon?

„Ich mag Boris sehr, wir sprechen oft miteinander. Was er mit Greta gemacht hat, war fantastisch. Für die Umwelt, unseren Sport und ihn. Ich hoffe sehr für ihn, dass er erfolgreich an der Vendée Globe teilnimmt.“

Auf der Pier kursiert das Gerücht, diese neue Yacht – deine siebte mit Hauptsponsor HUGO BOSS – sei deine Letzte, nach der Vendée Globe 2020 würdest du dich zurückziehen. Stimmt das?

Nein, wir werden sehen was kommt. Erst einmal wollen wir maximal erfolgreich an der Vendée Globe teilnehmen. Und danach lockt wieder die Route du Rhum, die ich, nachdem ich bei der letzten Auflage wenige Meilen vor dem Ziel eingeschlafen bin, als ‚unfinished business’ ansehe.“

Habt ihr Pläne, mit der Yacht am ‚The Ocean Race‘ teilzunehmen?

Warum sollen wir zu sechst auf einem Schiff segeln, dass kaum für vier Leute Platz bietet und das ich alleine um die Welt segeln kann? Ich denke nicht, dass wir uns da engagieren werden. Dem Rennen würde es gut tun, wenn sich die Organisatoren auf die Ursprünge besinnen und weniger, aber dafür längere Etappen planen.“

Das erste Rennen mit dem Schiff wird das Transat Jaques Vabre sein, das Ende Oktober in Le Havre gestartet wird. Mit welchen Erwartungen gehst du in das Rennen?

„Es wird unser erster langer Trip mit dem Schiff sein, wir werden natürlich so schnell wie möglich segeln, aber vor allem Daten über die Performance sammeln. Danach werden wir unsere Erkenntnisse auswerten und insbesondere die Foils noch einmal überarbeiten. Ziel ist es, das Schiff so hoch wie möglich aus dem Wasser zu heben und so ein Minimum an Widerstand im Wasser und ein Maximum an Geschwindigkeit zu erreichen. Wie schnell die Yacht sein wird, kann ich jetzt noch nicht sagen, aber sicher jenseits der 30 Knoten.“

Wie auch schon bei der vorherigen Yacht, die gerade von Charlie Enright für ‚The Ocean Race‘ gekauft wurde, habt ihr euch bei der Gestaltung auf einen der bekanntesten modernen Designer verlassen. Wie war die Zusammenarbeit mit Karim Rashid?

„Großartig, er hat sich erst einmal viel angehört, viel gelernt und uns dann mit seinen Ideen von einer modischen, sportlichen Yacht überrascht. Bisher ist es leider noch nicht gelungen, mit ihm zusammen auf dem Schiff zu segeln, doch wenn ich im Juni 2020 mit dem Schiff in New York bin, nehme ich ihn mit an Bord.“

4 Kommentare zu „SR-Interview: Alex Thomson stellt seine neue Hugo Boss vor – Absage für The Ocean Race“

  1. avatar Tom sagt:

    Schaut auf den Videos extrem schnell aus, noch ist ja charal das Maß der Dinge, allerdings könnte sich dies schnell ändern. Allerdings Frage ich mich wo Alex sein zweites Foil gelassen hat. Bei der Präsentation war nur eins montiert. Ich hoffe das zweite ist nicht schon zu Bruch gegangen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 6

    • avatar Seilor sagt:

      Die Foils kreuzen sich über Deck, daher muss ein Foil immer unten sein … daher sieht man nur eines.

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      • avatar Tom sagt:

        Tun sie nicht, es gibt Fotos bei denen beide foils eingezogen sind, einfach Mal bei Facebook, Instagram o.ä. nach Hugo Boss suchen, von Kreuzen ist man da extrem weit weg, noch dazu sieht man das Foil im Wasser da das Ende über der Wasseroberfläche ist. Bei dem Event war definitiv nur ein Foil montiert.

        Es wäre Grade bei der Konstruktion übrigens ziemlich hinderlich wenn man nicht beide foils einziehen könnte, man hat extra diese Form gewählt um die foils bei wenig Wind komplett einziehen zu können.

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  2. avatar Till sagt:

    Um hier einmal den Beitrag von Tom zu untermauern:
    https://www.instagram.com/p/B1okYXKijXk/?igshid=1tibk36ecpkpq
    Ich weiß nicht wie sich diese Foils unter Deck Kreuzen sollen??
    Erstmal sind die Profile quasi Kreisrund und kommen sehr steil in den Rumpf, da kann absolut nichts überlappen und wie man auf dem Bild sehr gut sehen kann ist es problemlos möglich beide Foils gleichzeitig einzuziehen, in der Mitte bleiben dabei sogar mehrere Meter Platz.

    Auf den Fotos von der Themse ist auch deutlich zu sehen dass nur ein Foil montiert ist da ein Teil des Foils auch im abgelassenen Zustand über Deck steht.
    Dazu einmal dieses Foto: https://www.instagram.com/p/B1ierieIzjl/?igshid=1askupdl74bg0

    Außer defekt gibt es aber auch eine Menge anderer Gründe nur ein Foil zu montieren.

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