SR-Interview: Fliegt der Laser aus dem Olympia-Programm? – Vergleich in Valencia

Laser unter Druck

Der Laser durchlebt gerade schwierige Zeiten. Der Olympia-Status ist in Gefahr, das Kartellrecht ein Problem, die Hersteller streiten über Patente und neue Riggs machen die Segler nervös. Händler Ziegelmayer erklärt die Situation.

Seit 1996 hält die Laserklasse den Olympiastatus für die Disziplin Einhand-Männer, und seit zehn Jahren auch in der Radial-Version bei den Frauen. Der Laser ist das günstigste Sportgerät und entsprechend am weitesten verbreitet. Mehr als 220.000 Boote schwimmen überall auf der Welt. Sie gewähren auch den weniger vermögenden Ländern einen Zugang zu den olympischen Segelspielen und sind deshalb wichtig für das Überleben des Segelns als olympische Sportart.

Der Anteil der Olympia-Teilnehmer bezogen auf die Klassen in Rio.

Dennoch kann es passieren, dass die Klasse den Olympiastatus an die Konkurrenz verliert. World Sailing hat Vergleichswettfahrten ins Leben gerufen, die in etwa einem Monat in Valencia über die Bühne gehen. Dabei tritt der Laser gegen die Melges 14, RS Aero und D Zero an.

Die Wettbewerber:

Melges 14

RS Aero © RS Sailing

Melges 14

D-Zero © Devoti

Melges 14

Melges 14 © Melges

Die Trials finden vor dem Hintergrund von Klagen statt, denen zufolge sich World Sailing bei der Benennung der Olympiaklassen nicht an das europäische Kartellrecht halte. Deshalb mögen die hastig angesetzten Vergleiche kaum mehr als eine Willensbekundung des Verbandes darstellen, dass freier Wettbewerb vorhanden ist.

Die Laser-Flotte 2016 in Rio. © Sailing Energy/World Sailing

Logisch scheint der Vergleich nicht. Um herauszufinden, dass ein Laser langsamer ist als die modernen Konstruktionen, muss man keine Trials abhalten. Und wenn man wirklich das Sportgerät für den Einhand-Spot tauschen möchte, wäre ein größerer Schritt zu einem Foiler wie der Moth zeitgemäß. Deshalb gehen die meisten Beobachter davon aus, dass der Laser auch 2024 als Olympiaklasse überlebt.

Aber Laser-Händler Ferdinand Ziegelmayer ist ein wenig nervös und bereitet sich darauf vor, die Kollegen bei der kurzfristig angesetzten Vergleichsregatta in Valencia vor Ort zu unterstützen. Wer mit dem Weltseglerverband zu tun habe, wisse nie, was am Ende passiert.

Die Versuche mit einem neuen Laser-Rigg haben damit nichts zu tun, sagt Ziegelmayer. Dabei handelt es sich um einen langfristigen Prozess. Die Laserklasse sei immer gut damit gefahren, Veränderungen ganz vorsichtig vorzunehmen.

Test des neuen C5 Riggs für den Laser in Australien.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

9 Kommentare zu „SR-Interview: Fliegt der Laser aus dem Olympia-Programm? – Vergleich in Valencia“

  1. avatar Tom sagt:

    In meinen Augen ist die rs aero das beste Boot dieser Auswahl, ich bin seit meiner Kindheit jahrelang laser gesegelt und irgendwann auf ne rs 100 umgestiegen, im letzten Jahr habe ich dann rs aero und melges 14 getestet, vorher hatte ich mal wieder meinen mittlerweile in die Jahre gekommenen laser ausgepackt… Vom Gesamtpaket hat mir die Rs aero am besten gefallen, einfach ein extrem leichtes Boot, sehr gutmütig zu segeln, viel schneller als ein laser aber trotzdem ist der Geist des Lasers spürbar. Die melges ist vom handling insgesamt nicht so angenehm. Würde ich Tag heute ein neues Boot dieser Klasse kaufen wäre es definitiv ein Rs, auch für Jugendliche ist es ein geniales boot. Für olympia bin ich trotzdem noch für den laser. Die Klasse sollte einfach erhalten bleiben da sehr groß. Und um sich zu messen muss man nicht das schnellste bootsmodell nehmen. Nachteil eines Konkurrenzfähigen Lasers ist allerdings die Preis Leistung, der neupreis ist nicht niedriger als bei den konkurenzmodellen dafür gibt es aber das deutlich schlechtere Boot. Wenn der Preis mal auf die realen Kosten angepasst wird ist die Kühlschranktür noch mindestens für die nächsten 10jabre gut.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 1

    • avatar Geronimo sagt:

      Die Aero wiegt segelfertig nur 45 kg. Schwerere Segler dürften daher benachteiligt werden.
      Dies dürfte sich auch vor Valencia zeigen.

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      • avatar Tom sagt:

        Naja kommt drauf an wie man die Geschichte regelt. Natürlich ist der aero extrem leicht, da liegt aber auch in meinen Augen sein hauptvorteil, das Boot hat an Land eher ein handling wie ein Surfbrett mit rig. Sprich um Welten angenehmer als ein laser. Mit dem 7.4er Segel was schon mehr als die 7,06 des Lasers sind wiegt er sogar nur angenehme 40kg. Ich glaube nicht dass da schwere Segler unterlegen sind, es wird wie bei jedem Boot ein Idealgewicht geben welches auch irgendwo von der Windstärke abhängig ist. Bei Windstärke 4-5 war das Boot in der 8,9qm Version mit meinen 80 Kilo sehr gut kontrollierbar, viel leichter dürfte man da allerdings nicht mehr sein, bei wenig Wind hat man da natürlich nen Nachteil. Das Idealgewicht beim großen rig wird häufig mit 78-82kg angegeben(Das von rs angegebe Spektrum ist deutlich größer) damit ist das Idealgewicht sehr nahe bei dem des Laser Standard. Wenn man bei dem erheblich schwerer ist hat man auch Nachteile, bei weniger Gewicht ist das Boot nicht mehr gut kontrollierbar.
        Generell kann ich sagen die rs Boote sind trotz des geringen Gewichts häufig in einer großen gewichtsspanne Konkurrenzfähig segelbar. Zumindest meine rs 100 funktioniert in einem sehr großen Bereich sehr gut. Wie gesagt für olympia muss die aero nicht sein, unabhängig davon ist es ein großartiges Boot.

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        • avatar Geronimo sagt:

          Nee, Tom, und wenn Du noch soviel schreibst, die Gesetze der Physik wirst Du damit nicht ausser Kraft setzen. Es ist nun einmal so, dass dass Seglergewicht bei einem schweren Boot so gut wie keine Rolle spielt, während es bei einem sehr leichten Boot entscheident ist.

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          • avatar Tom sagt:

            Du redest hier von einem “schweren Boot” so weit ich mich erinnere wiegt ein laser segelfertig 65kg. Macht 20kg mehr als der aero mit größtem Segel.
            Laser selbst gibt im Übrigen ein Idealgewicht der Crew von 73-86kg an. Rs schreibt mit dem großen Segel 70-90. Liegt scheinbar ziemlich nahe beieinander. Die top Segler beim laser haben so um die 80kg, die des rs (dafür gibt’s nen Worldcup) haben auch um die 80kg. Im übrigen ist auch die melges 14 und d Zero ähnlich leicht. Die Nachteile scheinen keine allzu große Rolle zu spielen da bei allen ehemalige top laser Segler vorne dabei sind. Und für die wirklich schweren gibt es ja noch das finn. Naja wir sehen ja bald was der test bringt. Aber so eine große Rolle spielt das bootsgewicht da nicht wirklich. Denn auch beim laser haben schwere Crews schon einen Nachteil und viel größer wird der nicht mehr.

            Im übrigen wäre rs100 wirklich ne super Idee, allerdings auch ne gute Ecke teurer als ein laser und vor allem völlig anders zu segeln. Ein gennaker ist aber scheinbar nicht gewollt wenn es um olympia geht.
            Generell kann man den laser nicht einfach gegen ein anderes boot ersetzen und erwarten dass die selben Leute gleich gut segeln. Es gibt für jede der Alternativen ne Menge Leute die das entsprechende Boot schon lange segeln und deutlich mehr Erfahrung haben und evtl. Auch besser für dieses Boot geeignet sind als ein Laser Umsteiger. Alleine aus diesem Grund wird der Laser bleiben.

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          • avatar Geronimo sagt:

            @ Tom

            Du raffst es leider nicht, denn ich habe nicht geschrieben, dass der Laser ein schweres Boot ist, sondern allgemein darauf hingewiesen, dass das Seglergewicht bei schweren Booten kaum eine Rolle spielt, bei sehr leichten Booten jedoch entscheident ist.

            Der Laser ist ca. 50 % schwerer als die Aero. Demzufolge ist die Aero hinsichtlich des Seglergewichtes sensibler. Bei Leichtwindbedingungen dürften leichtere Segler auf Vorwindkursen stark bevorteilt sein, da sie den Schwergewichten davonsurfen dürften..

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  2. avatar Greilo sagt:

    Alle olympischen sportarten machen updats was material angeht aber beim lasersegeln segelt man noch mit alteisen. Ich finde der zeitgeist im segeln wäre eine warzp, one design, schnell, technisch anspruchsfoll, günstig.

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  3. avatar Geronimo sagt:

    Die RS 100 für ein Crewgewicht von 70-110 kg würde passen! https://www.rssailing.com/project/rs-100/

    Warzp: “Overall weight: 48 kilos fully rigged with foils”

    Eine Warzp ist äusserst gewichtssensitiv, mit der Folge, dass die meisten Laser-Segler schon zu schwer für sie wärren. Die Warzp und andere extreme Leichtbauschiffe können wir also vergessen.

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  4. avatar eswirdzuweniggesegelt sagt:

    Zwischen der Theorie “je leichter das Boot, umso entscheidender das Gewicht das Seglers” und all den Dingen, die auf dem Wasser passieren gibt es noch eine Menge anderer Einflussfaktoren, statisch und dynamisch.

    Ohne zu theoretisch zu werden, funktioniert der RS Aero besser mit unterschiedlichen Crewgewichten als der Laser.

    Jo Richards hat das Boot wirklich toll abgestimmt.
    Lesenswert:
    https://www.rssailing.com/wp-content/uploads/2017/06/RS-Aero-Brochure.pdf
    Der Klasse ist wirklich Zukunft zu wünschen. Ob diese Zukunft olympisch sein wird oder sein sollte ist eine ganz andere Diskussion.

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