SR-Interview: Hasso Hoffmeister soll America’s Cup Streitigkeiten verhindern

"Unglaubliche Ehre"

Hasso Hoffmeister ist in Deutschland seit vielen Jahren der wichtigste Experte für die Berechnung von Yacht- und Riggstrukturen. Nun arbeitet er auch für die America’s Cup Organisation und soll mit zwei Kollegen Streit-Potential ausräumen.

Der Hamburger Hasso Hoffmeister (55) ist das Rules Committee beim America’s Cup berufen worden. Er entscheidet mit seinen beiden Kollegen Stan Honey (USA) und Carlos de Beltràn (Spanien), ob technische Ideen der Cup-Designer dem aktuellen Regelwerk entsprechen.

Damit mögliche Diskrepanzen nicht erst bei den Cup-Regatten entdeckt werden und Disqualifikationen ausgesprochen werden müssen, habe Teams die Chance, eine Idee anonym im Vorfeld beim Komitee einzureichen und ihre Rechtmäßigkeit zu erfragen.

Hoffmeister  erklärt: „Das ist eine unglaubliche Ehre. Das Rules Committee  ist eine unabhängige Instanz und hat das technische Sagen bzw. die Interpretationsgewalt über die Klassenregeln.“ Und es gibt viele Fragen der Teams. Das 55-seitige Regelwerk lässt gerade in einem Wettbewerb von Konstruktionsklassen wie dem AC immer wieder Spielräume zu, wie bestimmte Elemente von Rigg, Rumpf oder Foils zu konstruieren sind.

Daher hat Hoffmeister schon diverse Anfragen zu bearbeiten gehabt. „Wir sind uns sehr bewusst, dass wir eine schwierige Aufgabe erledige. Aber ich bin fasziniert von diesem Wettbewerb, und es wird spannend sein, wie sich die Arbeit entwickelt.“ Vorrangig ist der Job eine Arbeit, die per Email erledigt wird, aber er hofft, auch selbst bei den AC-Wettbewerben in Neuseeland vor Ort sein zu können.

Experte für Strukturen

Seine Befähigung für den Job steht außer Frage. Zwei ehemalige Weggefährten beim deutschen America’s Cup Team, die inzwischen für das Emirates Team New Zealand arbeiten, haben ihn ins Spiel gebracht. Schließlich ist er weltweit einer der wenigen Experten für die Berechnung und Bewertung von Boots- und Riggstrukturen.

Hoffmeister hat 1993 seinen Abschluss als Schiffbau-Ingenieur  gemacht und arbeitet für die Klassifikationsgesellschaft DNVGL (ehemals Germanischer Lloyd). Im Rahmen dieser Tätigkeit hat er mehrere Prüfstandards entwickelt, darunter die GL-Richtlinien für das strukturelle Design von Rennyachten.

Sein besonderes Fachgebiet ist die Bewertung von Verbundstrukturen. Während der Zusammenarbeit mit dem Germanischen Lloyd war Hoffmeister auch Rigg-Designer des United Internet Team Germany beim 32. America’s Cup in 2007. Bereits 2000 hatte er sich einen Namen im professionellen Segelsport gemacht, als er über den Germanischen Lloyd zum Designteam für die „Illbruck“-Challenge gehörte.

Hasso Hoffmeister am Mini-Steuer mit Lina Rixgens bei der Baltic 500. © blondsign/Eike Schurr

Der eingefleischte Segler ist aber auch selber auf den Regattabahnen unterwegs. In jüngster Zeit hat er besonderes Gefallen an den Offshore-Shorthand-Formaten gefunden. Viermal nahm er beim Silverrudder teil, zuerst mit seinem Jollenkreuzer, inzwischen mit einem Mini 6.50. Zusammen mit Minitransat-Seglerin Lina Rixgens ging er bei der Baltic 500 an den Start.

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

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