Starboot-Champ: Weltmeister mit einem Bein – Lars Grael beendet seine Karriere

"Willenskraft beweisen"

Der Brasilianer Lars Grael beendet mit 55 Jahren seine internationale Segel-Karriere. Nach einem Unfall segelt der zweimalige Olympia-Bronze- Gewinner im Tornado (1988, 96) mit nur noch einem Bein.

Lars Grael

Lars Grael segelt 2012 an der Vorschot seines Sohnes Snipe. Selbst mit nur einem Bein hängt er sich voll rein. © P. Hoffmann

Es ist fast fünfzehn Jahre her. Lars Grael segelte in einer Tornado Regatta vor Vittoria in Brasilien. Ein Motorboot raste auf ihn zu. Der betrunkene Fahrer hielt kein Ausschau und kollidierte in voller Fahrt mit dem Katamaran. Der Propeller schnitt Graels Bein ab. Er überlebte nur knapp.

Es dauerte seine Zeit, bis Grael den Schock überwunden hatte. Aber schließlich überwog die Freude, knapp überlebt zu haben. Während Bruder Torben, an dessen Vorschot Lars zu Jugendzeiten Snipe-Weltmeister wurde, seine Olympiamedaillen-Sammlung auf fünf hoch schraubte, nahm der Verunfallte das Leben ohne den absoluten Hochleistungssport auf.

Die Grael Brüder in Miami. © Bacardi Cup

Lars Grael nutzte seine Popularität, um den Landmininen-Opfern in Afrika zu helfen, engagierte sich in der Politik seines Landes und kümmerte sich um die Familie mit drei Kindern.

Behinderten-Syndikat für den America’s Cup

Nach und nach intensivierte er auch wieder die Segelei und erreichte 2008 eine große Aufmerksamkeit mit dem Segel-Syndikat ARGO Challenge. Eine Crew behinderter Segler sollte um den America’s Cup segeln. Das Motto: We can you can.

Lars Grael Starboot

Grael kann auch mit einem Bein auf seinem Starboot Höchstleistungen vollbringen. © Capizzano

Nichtbehinderte internationale Segler wie Karol Jablonski wollten helfen. Noch 2011 strebte das Team sogar den Kauf eines AC45 an. Aber als der America’s Cup in finanziell unerreichbare Sphären abhob, wurde es ruhig um ARGO Challenge.

Lars Grael sorgt dennoch seglerisch für Aufsehen. 2012 segelte er als Vorschoter seines Sohnes in der Snipe-Klasse und zeigte, dass er auch mit einem Bein den Jollen-Job auf hohem Niveau erledigen kann. Danach intensivierte er seine Starboot-Karriere. Und die fand 2015 ihren Höhepunkt, als er vor Buenos Aires mit Vorschoter Samuel Goncalves Weltmeister wurde.

Aber besonders bemerkenswert ist seine Leistung im Vergleich mit den besten ex Olympioniken, die jeweils bei der StarSailors-League antreten. Noch beim letztjährigen Finale in Nassau gelang ihm als 9. ein Platz unter den Top Ten.

Unfall beendet Tornado-Olympia-Karriere

Mit solchen Auftritten gegen die Besten soll jetzt Schluss sein. Grael hat angekündigt mit der Europameisterschaft 2019 am Gardasee (15. bis 19. Mai) seinen letzten internationalen Wettbewerb zu bestreiten.

Lars Grael Starboot

Der stolzen Sieger ganz oben auf dem WM-Treppchen mit rosa Hose. © Capizzano

“Ich habe dieser phantastischen Klasse 19 Jahre gewidmet und dabei mit den größten Namen im internationalen Segelsport konkurriert. Ich musste vor allem mir selbst beweisen, zu welcher Willenskraft nach meinem Unfall 1998 fähig sein würde. Der Unfall hat meine Olympia-Karriere imTornado beendet.”

Hauptgrund für die Entscheidung seien die hohen Kosten. “Ich denke nicht mehr, dass es fair ist, die Familienkonten zu strapazieren, um meine Karriere im internationalen Segeln fortzusetzen.” Die Suche nach Sponsoring sei heutzutage sehr schwierig geworden.

“Ich werde mich nicht endgültig vom Segeln verabschieden. Ein echter Segler wird bis zu seinen letzten Tagen segeln…. aber ich beende meine Karriere auf der internationalen Bühne.”

Stiftung für den Segelsport

Grael bedankt sich in seinem Statement bei seiner Frau Renata und den drei Kindern, die seine Fehler und langen Abwesenheiten ertragen und seine Leidenschaft für den Wettbewerb verstanden hätten. Er wolle ihnen, seinen Freunden und der Arbeit mehr Zeit widmen.

Lars Grael Starboot

Lars Grael gewann zweimal Tornado Bronze vor seinem Unfall. © Capizzano

Der Brasilianer hält im Ministerium Vorträge zum Thema Sport, betreibt eine Sportberatung für die Medienorganisation Globo Group und versucht mit seinem Bruder Torben im Rahmen einer Stiftung (Grael Project) sozial schwachen Kindern den Segelsport zu vermitteln.

“Ich werde das Adrenalin in den Starts vermissen, diese Gleitfahrten an den windigen Tagen und das Geschrei bei den Tonnenrundungen. Aber jeder Athlet weiß, wann sein Moment gekommen ist und meiner ist nun da…! Ich beende nun den zweiten Zyklus meines Lebens als Segler. Der erste führte vom Start über die olympischen Medaillen  Tornado-Klasse bis zum Unfall 1998.”

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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