SuperFoiler: Regatta-Premiere der heißen Trapez-Tris – “Dreamteam” dominiert nach Belieben

Ruder aus dem Heck gebrochen

Das war sie also die Premiere des mit vielen Vorschusslorbeeren gestarteten SuperFoiler Grand Prix. Ein haarsträubender Crash sorgte für Aufsehen, aber die Sieger waren einfach zu überlegen.

SuperFoiler

Bocksprung, als bei Tech2 das Heck samt Ruder abbricht. © SuperFoiler GP

Wie spannend und spektakulär kann segeln sein? Ist es wirklich möglich, daraus einen TV-Sport zu machen? Diese Frage taucht immer wieder im Umfeld des America’s Cups auf, wenn sich die jeweiligen Organisatoren redlich bemühen, ein interessantes Produkt daraus zu machen.

SuperFoiler

Die Flotte war schnell von sechs auf fünf Boote dezimiert. © SuperFoiler GP

Der Erfolg der jüngsten Cup-Regatta, die in Bermuda gezeigt wurde, wird unterschiedlich bewertet. Viele Fans sind vom neuen High-Speed-Foiling begeistert, andere wünschen sich die gute alte Zeit zurück, als es noch um langsame Bord-an-Bord-Kämpfe ging.

Daneben wird als leuchtendes Beispiel für gelungenes Segel-Spektakel immer die 18-Footer Profi-Liga in Australien angeführt. Es wurde in den 90er Jahren gekentert, geflogen, gecrasht, und das alles zur besten Sendezeit. Auf diesen Erfolg baut der damalige Erfinder Bill Macartney mit seinem Sohn. Er hofft, dass die neue Foiling-Technik für noch spektakulärere Szenen sorgen kann, mit denen der australische Fernsehsender Seven die Menschen vor den Bildschirm locken kann.

SuperFoiler

Das Dreamteam mit Outteridge, Jensen und Ashby zog einsam seine Kreise an der Spitze. © SuperFoiler GP

Am Wochenende musste die erste Regatta der SuperFoiler in Adelaide zeigen, ob sie halten kann, was die Macartneys versprochen haben. Und es zeigte sich, dass die fliegenden Trimarane durchaus bemerkenswerte Konstruktionen sind.

Dabei war der aufregendste Moment, der an den drei Renntagen von den Kameras festgehalten wurde, einer der eigentlich ein wenig peinlich war. Bei voller Fahrt riss auf dem niegelnagelneuen Boot vom Team Tech2 das Heck samt Ruder ab. Volvo Ocean-Race-Segler Luke Parkinson und aktuell sensationeller Etappensieger in Hong Kong mit Scallywag setzt für den Grand Prix extra zwei Etappen aus, und nun saß er plötzlich an Land. Offenbar ein struktureller Schaden an dem neuen Boot, das vielleicht etwas zu hastig für den Rennstart zusammengebaut wurde.

Ruder und Heck brechen vom Boot ab:

Damit war das Feld schnell von sechs auf fünf Boote dezimiert die sich meist nur auf der Startlinie trafen. Die Rennen waren von den großen Leistungsunterschieden geprägt. Team Euroflex mit den 49er-Olympiasiegern und Artemis-Cup-Profis Nathan Outteridge und Ian Jensen sowie Team New Zealand-Star Glenn Ashby in einem Team – sie halten insgesamt 24 WM Titel – konnten demonstrieren, dass ihnen zur Zeit wohl nur die Kiwis Burling und Tuke im Foiling das Wasser reichen könnten.

In Adelaide konnte man vorher nicht wissen, wie weit es mit diesen Onedesign-Maschinen der Konkurrenz voraus sein würden. Schließlich waren mit Match Race Weltmeister und GC32 Foiling Spezialist Phil Robertson (NZL, Team Record Point) und Land Rover BAR Wing Trimmer Paul Campbell James (GBR, Team ID Intranet) hochkarätige Gegner am Start.

Aber sportlich war das Dreamteam so weit voraus, dass nur ein einziges Rennen, das letzte, an der Spitze einigermaßen spannend wurd. Vielleicht nahmen Outteridge und Co zum Schluss auch etwas den Speed raus und lieferten sich einen engeren Kampf mit Campbell James. Es ist für Veranstalter zwar toll, der Öffentlichkeit große Namen bieten zu können und der Betrachter konnte sich an den Fähigkeiten der Profis im Umgang mit den neuen Rennmaschinen erfreuen, aber etwas Ausgewogenheit im Feld, Gegner auf Augenhöhe und Spannung an der Spitze sind bei einem Sportevent eben auch wichtig.

Eigentlich war nur das letzte Rennen spannend an der Spitze:

Die Überlegenheit des Dreamteams war aber zwischenzeitlich so groß, dass der Vorsprung nach zwei Runden schon mal mehr als einen Kilometer betrug. Im fünften von sieben Rennen erreichten gleich zwei Gegner das Zeiltimit von sieben Minuten hinter dem Ersten nicht. Eroflex siegte schließlich in allen sieben Rennen.

Besonders enttäuschend segelte Phil Robertson. Er kenterte mit seinem Record Point Team und verlor im letzten Rennen auch noch Vorschoter Tom Clout über Bord, der dabei mit einem Bein am Ruder hängen blieb und sich ziemlich weh tat.

Am nächsten Wochenende wird der Zirkus in Geelong fortgesetzt und übertragen. Dann muss sich zeigen, wie steil die Lernkurve der Foiling-Experten ansteigt.

Ergebnisse SuperFoiler Grand Prix Adelaide

Event Website SuperFoiler Grand Prix

Verletzung von beim Training am Donnerstag James Wierzbowski an Bord von Phil Robertson:

Live Übertragung 2. von 3 Renntagen:

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

2 Kommentare zu „SuperFoiler: Regatta-Premiere der heißen Trapez-Tris – “Dreamteam” dominiert nach Belieben“

  1. avatar Christof sagt:

    “Offenbar ein struktureller Schaden an dem neuen Boot, das vielleicht etwas zu hastig für den Rennstart zusammengebaut wurde.”
    Vielleicht schwamm ja auch ein Hindernis unter Wasser.
    Es dürfte bei so Geschwindigkeiten schon ein großer Fisch reichen, um so ein Boot auseinander zu reißen.
    Foiling und UFOs vertragen sich noch weniger als bei den Offshore Racern..

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

    • avatar Tom sagt:

      Könnte natürlich sein. Aber denkst du nicht bei einer Ufo Kollision würde eher das Ruder brechen als der Rumpf? Das ist ja dabei noch stärker belastet. Allerdings kann es auch sein das der Rumpf einfach relativ schwach ausgelegt ist und deshalb vor dem Ruder nachgab…

      Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *