Swan WM: Beiersdorf-Chef Heidenreich gewinnt ClubSwan 50-Titel mit deutschen Junioren

"Deutschland soll wieder führende Segelnation werden"

Großer Erfolg in der jungen ClubSwan 50 Klasse für Stefan Heidenreich (55). Er siegt mit junger deutscher Crew einen Punkt vor dem Swan-Chef und Ken Read.

Die ClubSwan 50 ist 2016 mit vielen Vorschuss-Lorbeeren auf dem Markt angetreten. Das etwa 1,1 Millionen Euro teure Schiff sollte viele Eigner motivieren, ein Team im Wettkampf zu stellen, dass ein echter Vergleich mit identischem Material möglich sein würde.

“OneGroup” in der Welle. © Rolex/Studio Borlenghi

Eine schwierige Mission, an der zum Beispiel die Swan 60 Klasse scheiterte. Aber Jochen Schümann stand dafür gerade, dass es funktioniert. Er hat sich von der Marketing-Front zurückgezogen, aber das hat potenzielle Eigner offenbar nicht abgeschreckt, in diese Klasse zu investieren.

Die erste Weltmeisterschaft erfüllte die Prognose, dass sich in kürzester Zeit eine ordentliche Flotte etablieren könnte. Zwölf identische Yachten in dieser Größe sind ein schöner Erfolg. Damit könnte schon ein Schwellenwert erreicht sein, durch den die Klasse ihre Attraktivität so sehr steigert, dass weitere Eigner einsteigen, die sich auch von der vorgeschriebenen Owner-Driver-Regel angezogen fühlen.

"OneGroup", Heidenreich

Start auf Augenhöhe. In der Einheitsklasse geht es eng zu. © Rolex/Studio Borlenghi

Die hohe Qualität der Gegner macht den Erfolg von Stefan Heidenreich umso bemerkenswerter. Schließlich besiegt er mit seiner insgesamt zwölfköpfigen Crew Yachten mit einigen der weltbesten Profis an Bord. Der Swan-Chef Leonardo Ferragamo höchstpersönlich lag schließlich mit nur einem Punkt Rückstand hinter Heidenreich, den er sich im letzten Rennen einfing. Er vertraute auf die Ansagen des ex Puma-Volvo-Skippers und North Sails-Chef Ken Read.

ONETeam zur Förderung des deutschen Segelsports

Dabei scheint das Programm des Beiersdorf-Vorsitzenden mehr als nur ein Schnellschuss zu sein. Heidenreich kauft nicht einfach internationale Profis zusammen, um international wettbewerbsfähig zu sein. Er  steht hinter der Segelsportstiftung ONETeam (Website), die sich auf die Fahne geschrieben hat, Nachwuchstalenten im deutschen Segelsport zu sichten und zu fördern. Oliver Schwall ist als Geschäftsführer benannt und Jochen Schümann als Sportdirektor.

Die Förder-Pyramide von ONETeam.

Die Stiftung unterhält eine J/70, die auch schon mit einem Jugend-Team bei der Kieler Woche am Start war, aber auch die Italia 9.98 “OneSpirit”, die Gordon Nickel gerade zu einem überlegenen Sieg bei der ORC 3/4 IDM gesteuert hat.

Gordon Nickel am Steuer der Italia 9.98 “OneSpirit” siegt überlegen mit jungem Team. Mit dabei der beste deutsche Finnsegler Fabian Kasüske. © Sven Jürgensen/FSC

Aber ONETeam hat noch mehr vor: “Die gebotene Ausbildung bildet unter anderm die Grundlage für den Einstieg in die relevanten Profi-Plattformen des Segelsports wie die Segel-Bundesliga, SAILING Champions League, den America´s Cup, dem Volvo Ocean Race und vielen mehr. Deutschland soll wieder zu einer der führenden Segelnationen der Welt werden.”

Heidenreich hat sein Spielfeld gefunden

Vor diesem Hintergrund macht sich der Sieg in Porto Cervo noch besser. Denn es sind an Bord jeweils nur vier Profis plus Bootsmann erlaubt. Der Löwenanteil der Arbeit an Bord wird also von deutschen Amateuren übernommen. In Porto Cervo war unter anderem Magnus Simon an Bord, dominierender Steuermann in der zweiten Liga, der mit dem Mühlenberger Segel-Club souverän zum Aufstieg in die Saison 2019 segelte.

Magnus Simon, Stefan heidenreich

Stefan Heidenreich mit Pokal und einer Auswahl der jungen Crew. Rechts: MSC-Erstliga-Aufsteiger Magnus Simon. © Rolex/Studio Borlenghi

Auch Heidenreich selber ist dem Wassersport schon länger verbunden. Ende der 1970er Jahre war er Vize-Europameister im Windsurfen. Danach fuhr er zwar Rennen mit Geländemotorrädern, stieg dann aber in das Hochseesegeln ein und tauchte eine Zeitlang mit der Class 40 “Nivea” auf internationalen Regattabahnen auf. Aber mit dem ClubSwan 50-Einheitsklassen-Segeln und junger Crew hat er offenbar sein Spielfeld gefunden.

Dabei lässt er sich insbesondere vom Neuseeländer Cameron Dunn beraten. Der 49-Jährige war zehn Jahre lang im America’s Cup bei BMW Oracle und zuletzt 2007 bei Mascalzone Latino aktiv und managt seit Jahren erfolgreiche Segelprojekte.

“Brillante Halse”

Er spricht über den entscheidenden letzten Lauf in Porto Cervo. “Wir hatten einen sehr schlechten Start. Die anderen beiden direkten Gegner “Mathilde” und “Cuordileone” sind dann weit auf eine Seite gesegelt und wir auf die andere. Danach konnten wir das Rennen kontrollieren. Aber “Cuordileone” holte immer weiter auf. Schließlich half uns am Ende eine brillante Halse dabei, eine Bootslänge vorne zu liegen.”

Stefan Heidenreich am Steuer. © Rolex/Studio Borlenghi

Philippe Ouhlen, Präsident der ClubSwan 50 Association sagt: “Ich habe Stefan vor genau zwei Jahren kennengelernt, als wir die ersten drei ClubSwan 50-Prototypen in Porto Cervo auf den Markt brachten. Er ging mit uns an Bord von ‘Cuordileone’ bei gut 35 Knoten Wind und kam mit einem Lächeln zurück. Danach beschloss er, nicht nur, in die Klasse einzusteigen, sondern ein starkes Team junger und engagierter deutscher Segler zu entwickeln. Ich habe die systematischen Anstrengungen, die er unternommen hat, genau verfolgt. Und ich freue mich sehr für dieses sympathische Team. Ein wohlverdienter Sieg, der erst in den letzten Momenten der Regatta zustande kam.”

"OneGroup", Heidenreich

Das Feld der 12 Yachten unter Gennaker. © Rolex/Studio Borlenghi

Zwei weitere deutsche Eigner sind in der noch jungen Klasse vertreten. Sönke Meier-Sawatzki, langjährige X-Eigner, der sich seit vielen Jahren von Doppelolympiasieger Jesper Bank den Weg weisen lässt, segelte seine “Niramo” auf Rang fünf punktgleich mit Hendrik Brandis “Earlybird”. Der Venture Capital-Investor war ein Mann der ersten Stunde bei den ClubSwan 50, konnte aber mit seinem Team auf Rang sechs zum Saisonhöhepunkt nicht den frühen Vorsprung manifestieren.

Ergebnisse ClubSwan 50

Einen schönen Erfolg konnte auch Christian Plump in der Swan 45 feiern. Er holte im neun-Boote-Feld den Vize-WM-Titel. Fünf Siege in zehn Rennen reichten nicht, um Weltmeister zu werden. Bei leichtem Wind waren die spanischen Sieger deutlich schneller.

Ergebnisse Swan 45

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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