Test-Fazit Frauen-Skiff Olympia Trials: Meike Schomäker über Kats und Skiffs

"Alles Schlag auf Schlag"

Nacra17 gute Lösung

Als gute Lösung könnte sich meines Erachtens der ganz neu entwickelte Nacra17 herausstellen. Mit den curved daggerboards stellt es den letzten Stand der Technik dar. Als 17-Füßer könnte es zudem ein guter Kompromiss für eine gemischte Crew sein. (Alles weitere hat Maximilian Said, der ein sehr erfahrener Katamaran-Segler ist, ja bereits sehr gut im Detail erläutert.)

Bei den Skiffs bewarben sich sechs verschiedene Klassen, die unterschiedlichen Konzepten folgen. Zum einen Boote mit Wings, nämlich der Mackay FX und der RS900. Zum anderen Boote mit Racks (Auslegern), nämlich Aura, Arup und Hartley Rebel. Zudem der 29erXX ohne dergleichen, den ich schon aus Kiel kannte.

Während Boote mit Wings sehr komfortabel zu segeln sind, weil man im Manöver „einfach auf die andere Seite laufen“ kann und viel Bewegungsfreiheit hat, sind Boote mit Racks zu Beginn ungewohnt, da diese große Lücke zwischen Rumpf und Rack besteht und der schmale Rumpf sehr kippelig ist.

Letztere haben jedoch untern anderem insbesondere den Vorteil, dass man beim Kentern nicht so leicht unter dem Rumpf gefangen ist. Und sie sind grundsätzlich etwas leichter aufzurichten. Das gewünschte Optimalgewicht für Damencrews soll laut ISAF zwischen 110-130kg liegen.

49er positive Überraschung

Der Mackay FX ist der bestehende 49er Rumpf mit kleinerem Rigg, ergo kleinerer Segelfläche, angepasst für Frauenteams. Das Design stammt bekanntlich von Mitte der 90er Jahre. Das Boot ist vergleichsweise groß und schwer (allein der Rumpf wiegt so viel wie die segelfertige Aura). Es fühlt sich aus meiner Sicht träger an, als andere Skiffs.

Die positive Überraschung: Es segelt sich sehr schön und ausbalanciert. Es ist gut zu handeln und deutlich weniger kippelig als z.B. der 29erXX. Wir sind den FX bei 10-13 Knoten gesegelt und das war sehr angenehm und sofort problemlos.

Bei viel Wind wird es sehr anspruchsvoll. Eines der schnellsten Schiffe während der Trials. Für den FX darf/muss man aus meiner Sicht aber ein etwas höheres Gesamtgewicht haben, 110kg meines Erachtens zu wenig.

Nett, aber unspektakulär

Der RS900 ist ein Design aus England, aufbauend auf den schon länger bestehenden RS800 und gebaut in Thailand. Dahinter steckt ein ähnliches Konzept wie beim 49er, jedoch mit einem für Frauenteams verkleinerten Rumpf und Rigg.

Leider ist der RS900 trotzdem nur 11kg leichter als der FX. Das Boot sieht zwar nett aus, segelt sich meiner Meinung nach aber unspektakulär. Für ein Skiff ein recht einfaches Handling, das sehr viele Fehler verzeiht, ohne direkt zu kentern. Die Downwind-Geschwindigkeit ist sehr hoch.

Das Rigg ist im Moment nicht verstellbar und das Schiff hat einen Alu-Baum. Der Rumpf fühlt sich meiner Meinung nach nicht sehr stabil an. Insgesamt hatte ich persönlich kein so gutes Gefühl wie auf dem Mackay FX.

Verstellbares T-Foil

3 Kommentare zu „Test-Fazit Frauen-Skiff Olympia Trials: Meike Schomäker über Kats und Skiffs“

  1. avatar Christian sagt:

    Schöner Bericht aus Santander. Erstaunlich (oder auch nicht), wie ähnlich die Urteile der diversen Test-Segler/innen ausfallen.

    Jetzt können wir gespannt sein, was die ISAF daraus macht. Leider muss man erfahrungsgemäß mit haarsträubenden Überraschungen rechnen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  2. avatar Berit sagt:

    Was ist den der Unterschied zwischen einem Rack und einem Wing bei den Skiffs.?

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    • avatar Christian sagt:

      Wing ist ein seitlicher “Festflügel” wie beim 49er. Entweder ausziehbar (49er vor 2010) oder gesteckt/ verschraubt (49er seit 2010)

      Rack ist ein Gestell, wie beim Mustoskiff. Der Zwischenraum zwischen äußerer Stange und Rumpf ist entweder leer (wie bei Aura) oder mit einem Netz bespannt (Rebel oder 18-Footer).

      Beides hat spezifische Vor- und Nachteile, wie Meike ja schon schreibt. Kein System ist eindeutig überlegen, sonst hätte sich eines von beiden längst durchgesetzt.

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