TF35 Binnenracer: Grand Prix-Start der Alinghi-Foiler – Mit Flug-Automatik und Loick Peyron

Flying Circuit

Die letzte Alinghi-News zum America’s Cup hat sich dann doch (noch?) nicht bestätigt :-). Aber Ernesto Bertarelli startet morgen seinen neuen Flying Circuit auf den großen Binnenseen.

Mehr als zwei Jahre lang bastelte Ernesto Bertarelli mit einer Reihe von Spezialisten an seinem neuen Foiler TF35, um die in die Jahre gekommenen bisherigen Décision35 Katamarane als schnellste Binnenracer zu ersetzen. Inspiriert vom America’s Cup in Bermuda und angefixt von der GC32-Foilern-Serie – die er mit dem Alinghi-Team gewann – hat er es nun geschafft, sieben Boote an die Startlinie des ersten Grand Prix auf dem Genfer See zu bekommen, der vom 30. April bis 2. Mai dauert.

Die erste Rennserie ist wegen der Pandemie von Genf nach Nyon am Nordwestufer des Genfersees verlegt worden. Außerdem stehen 2021 vier weitere Grand Prix Regatten auf dem Programm, zwei davon im Herbst in Italien und zwei Klassiker auf dem Genfer See im Juni.

Die aktuellen Corona-Regeln in der Schweiz sehen vor, dass sich nicht mehr als 15 Personen versammeln dürfen und deshalb ist kein großes Zuschauer-Event geplant. Aber die neuen Flugmaschinen können dennoch vom Ufer aus beobachtet werden und sollen für ein Spektakel sorgen.

Mehr Flugzeit bei Leichtwind

Wie gut die neuen Foiler tatsächlich funktionieren, wird sich am Wochenende zeigen. Alle Teams weisen darauf hin, dass sie noch dabei sind, das Potenzial der neuen Renner zu erforschen. Ziel ist es, im Vergleich etwa zu den F50 Katamaranen beim SailGP aber besonders auch zu den GC32-Fliegern deutlich mehr Flugzeit bei leichterem Wind zu erhalten. Dafür soll ein ausgeklügeltes elektronisches System sorgen, das den Job des Flight-Controller übernimmt und den Anstellwinkel der Foils kontrolliert. Außerdem sollen die T-förmigen Tragflächen im Unterschied zu den L-Foils beim SailGP für stabilere Flugphasen sorgen.

Die neue TF35 Foiler-Flotte auf dem Genfer See. © Loris von Siebenthal

Mit dieser Technik erheben die Designer den Anspruch, dass auch unerfahrene Owner-Driver in der Lage sein sollen, die Rennmaschinen zu steuern. Deshalb ist Bertarelli stolz, den französischen IT-Unternehmer Frédéric Jousset (50) zum Einstieg in die Serie bewegt zu haben, der in seiner Firmengruppe 55.000 Menschen beschäftigt. Er soll zuvor keine Erfahrung mit dem Segeln gehabt haben. Im Frühjahr 2019 habe er bei einem Mount-Everest-Aufstieg die Mail eines potenziellen TF35 Team gelesen, das ihn von einem Investment überzeugen wollte. Nun hat er das Team SAILFEVER gegründet und er steuert selber einen der neuen Foiler.

Der Automatik-Foiler TF35. © Loris von Siebenthal

Das hört sich nicht nach einem hohen sportlichen Niveau an, aber er hat sich keinen Geringeren als die französische Segellegende Loïck Peyron geholt. Der 61-jährige Altmeister, der 2010 den America’s Cup mit Alinghi bestritt, ist immer noch fit und macht selbst auf dem Wing-Foiler eine gute Figur. Er stellte eine Crew aus ehemaligen Groupama Team France Seglern zusammen, die in Bermuda 2017 am Cup teilnahmen und hofft auf eine steile Lernkurve.

Alinghi ist wieder im Geschäft. © Loris von Siebenthal

In einer Alinghi-Mitteilung heißt es: “Das Team SAILFEVER ist ein perfektes Beispiel für das, was mit den TF35 erreicht werden soll: Foiling auf höchstem Niveau für ein breiteres Publikum von Seglern, mit einem vollautomatischen Flugsteuerungssystem. Es nutzt die neueste Technologie, um Hochgeschwindigkeitssegeln zu vereinfachen. Dieses Konzept wird nicht nur von den Eignern in der Flotte angenommen, die in den meisten Fällen das Ruder übernehmen, sondern auch von den bekannten Namen im professionellen Mehrrumpf-Rennsport.”

Zu den Favoriten der ersten Rennsaison gehört neben Alinghi, das bei der Hälfte aller 18 bisherigen Saisons mit den D35 Katamaranen ganz oben stand, insbesondere das schweizer Realteam. Es wird von Jérôme Clerc als Co-Skipper geführt und durch den ehemaligen französischen America’s Cup-Steuermann Sebastien Col ergänzt. Aber auch Bertarellis Schwester Dona schickt wieder ihr Spindrift-Team an den Start bringt. Lebenspartner und Steuermann Yann Guichard will eine junge Crew zum Erfolg führen.

Event Website TF35

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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