Tokio-Ticket verpasst: Doppel-Olympiasieger van Rijsselberghe beendet Surf-Karriere

„Keine Scheidung wert“

Nachdem er Ende Februar den Kampf um das Olympia-Ticket gegen seinen Landsmann Kiran Badloe verlor, verkündete der 31-jährige Niederländer Dorian van Rijsselberghe, seine aktive Spitzensportkarriere zu beenden. Hauptgrund: die ständige Trennung von seiner Familie.  

Trotz eines Sieges im letzten Medaillenrennen musste sich Dorian van Rijsselberghe bei der RS:X-Weltmeisterschaft in Sorrento (Australien) letztlich mit der Silbermedaille begnügen. Sein Freund und Trainingspartner Kiran Badloe holte sich zum zweiten Mal in Folge den Weltmeistertitel und sicherte sich damit auch das niederländische Olympia-Ticket für Tokio 2020.

Van Rijsselberghe, der sowohl bei den Spielen 2012 in London als auch bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro olympisches Gold in der RS:X-Klasse geholt und sich schließlich für den Material-Wechsel zur Foil-Version des Windsurfens eingesetzt hatte, gab kurz darauf bekannt, einen Schlussstrich unter seine Profi-Karriere ziehen zu wollen.

Dorian van Rijsselberghe in Sorrento © Ayolt Kloosterboer

In der Szene wurde dies mit einiger Überraschung aufgenommen. Nicht zuletzt, weil dem RS:X-Surfer auf den Foils auch “im Alter” noch durchaus Chancen auf weitere Titel zugetraut wurden. Schließlich fällt auf den Foils das athletische Pumpen größtenteils weg, da die neuen Bretter bereits ab 6 Knoten abheben und ohne den Wasserwiderstand des Bretts extrem schneller werden.

Van Rijsselberghe hatte sich für den Material-Wechsel zur Foil-Version des Windsurfens eingesetzt © Lauren Morel

Gegenüber niederländischen Medien erklärte er: „Ich war immer mit dem Herzen dabei, aber in letzter Zeit war das eine schwierige Aufgabe. Tief in meinem Inneren war der Antrieb nicht groß genug, um das zu tun, was ich bei dieser Weltmeisterschaft hätte tun müssen. Zuletzt fühlte ich jedes Mal, wenn ich nicht das nötige Ergebnis erzielt hatte, eine Art Erleichterung.“

Die Sehnsucht nach seiner in Kalifornien lebenden Frau und seinen zwei Töchtern habe ihn während der Trainingslager und Rennen zunehmend belastet: „Als Sportler muss man immer gewinnen wollen. Du solltest alles tun, um deinen Titel zu verteidigen, und ich, ich will einfach nur nach Hause zu meiner Frau und meinen Kindern.“

Schon im Vorfeld der Weltmeisterschaft hatte van Rijsselberghe verschiedenen Zeitungen gesagt: „Eine dritte Goldmedaille wäre schön, aber macht sie mich zu einem besseren Menschen, einem besseren Mann oder einem besseren Vater? Nein.“ Nach der Weltmeisterschaft erklärte er der Niederländischen Rundfunkstiftung nun, eine Goldmedaille sei ihm zwar viel wert, aber keine Scheidung.

In seinem Blog verkündet er, dass seine Frau Sasha und die Töchter Lise und Rhea zukünftig an erster Stelle stehen werden. Auch bei seinen Eltern in der Heimat Texel plant er, mehr Zeit zu verbringen. Auf dem Wasser wolle er einfach nur noch Spaß haben – mit seinen Kindern, seinem Bruder, seinem Freund Kiran Badloe.

Dorian van Rijsselberghe (rechts) mit seinem Freund und Trainingspartner Kiran Badloe (links), der sich das niederländische Olympia-Ticket für Tokio 2020 sicherte © Ayolt Kloosterboer

Dem Spitzensport vollständig den Rücken zukehren will der Niederländer aber trotzdem keinesfalls. Sein Ziel ist es, sich auf andere Weise einzubringen und unter anderem Badloe bei seiner olympischen Goldjagd zu unterstützen: „Soweit es mit meiner Rolle in der Familie vereinbar ist, werde ich Kir helfen. Auf dem Wasser haben wir bis zum Ende als wahre Freunde gekämpft, in gegenseitigem Respekt.“ 

Der Niederländer will mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, Badloe bei seiner Olympia-Teilnahme aber unterstützen  © Ayolt Kloosterboer

„Er wird sich engagieren und engagiert bleiben“, ist sich auch Trainer Aaron McIntosh sicher. „Er ist ein großer Sportler und Mensch. Für uns, für die Niederländer, den Segelsport und die niederländische Olympiamannschaft, ist er ein Vorbild. Wir brauchen ihn.“

 

Ein Kommentar „Tokio-Ticket verpasst: Doppel-Olympiasieger van Rijsselberghe beendet Surf-Karriere“

  1. avatar Peter Molten sagt:

    Familie first. Das war schon immer so und wird auch in Zukunft so sein.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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