Tour de France à la voile: Spindrift siegt punktgleich vor Groupama – Trimaran Diam 24 begeistert

Neues Boot, neues Format, neuer Erfolg

Punktgleich, aber mit mehr zweiten Rängen – Spindrift hatte zuletzt das Wetterglück auf seiner Seite. 17 Regattatage auf dem Atlantik und dem Mittelmeer: Eine wahre Tour de Force

Glück muss der Mensch haben und der Segler sowieso. Am letzten Tag der Tour de France à la voile, vor der malerischen Kulisse von Nizza, sollte das Finale einer Regatta gefeiert werden, die allen Beteiligten wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird.

„Spindrift“ mit Xavier Revil und Francois Morvan abwechselnd an der Pinne, hatte sich bis zum vorletzten Tag der Tour mit permanent starken Top-Leistungen nach vorne gekämpft, ohne jemals während der 17 Segeltage an den unterschiedlichsten Küsten Frankreichs das Klassement angeführt zu haben.

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Spindrift nimmt Speed auf. Die Diam 24 – Trimarane haben sich in jeder Hinsicht bewährt © liot

Ganz anders „Groupama“ mit Pierre Penec (in Abwesenheit von Franck Cammas, der mit dem America’s Cup beschäftigt war) an der Pinne, die meistens führten, allerdings während zwei Regattaabschnitten entlang der Küste tief in den Pechtopf gegriffen hatten und dabei 30 Punkte verloren.

So sollte es denn zum mediengerechten Showdown am letzten Tag dieser „Tour de Force“ kommen. Punktgleich gingen die beiden Kontrahenten in die letzten Läufe der Regatta – und mussten sich einmal mehr dem Wetterdiktat beugen.

Zweite Plätze entscheiden

Am Anfang des Tages war der Wind zu leicht, gegen Ende des Tages frischte es dermaßen auf, dass die See weiß von Schaumkronen wurde und die Bucht vor Nizza, das Regatta-Stadion, zu einem wahren Hexenkessel mutierte.

Erste Überschläge der Diam 24-Trimarane verhießen wenig Gutes und letztendlich sah sich die Regattaleitung gezwungen, wegen zu starken Windes den Lauf abzubrechen. Nur ein Lauf wurde gesegelt an diesem Tag, nach den Statuten der Tour de France à la voile müssen es aber mindestens zwei pro „Stadion-Tag“ sein. Was schließlich nach sich zog, dass die Ergebnisse des Vortages als Endergebnis gewertet wurden.

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Spekatakel gab es genug für die Zuschauer am Strand, vor allem eben an den sogenannten Stadion-Tagen, bei denen enge Kurse direkt “vor der Haustüre” gesegelt wurden © liot

„Spindrift“ lag also immer noch gleichauf mit „Groupama“, hatte aber gesamt einen zweiten Rang mehr vorzuweisen als ihr direkter Konkurrent. Obwohl die schwarz-goldene Diam 24 „Spindrift“ kein einziges Mal das Gesamtclassement anführte, siegte sie doch in der gleichen Anzahl Läufe vor der Küste und im „Stadion“ wie der grüne Diam 24 „Groupama“. Das Rennen musste also mit der Anzahl zweiter Ränge entschieden werden.

 Neuer Typ Segler

„Combiwest“ landete mehr als verdient auf Rang 3 (mit 744 nur drei Punkte Rücktand auf die  Sieger), wobei sich Skipper Fréderic Guilmin sogar ein wenig enttäuscht zeigte: „Wir haben zwar unser Ziel – nämlich das Podium – erreicht, hätten aber unterm Strich wirklich besser abschneiden können. Es fehlte hie und da ein wenig Glück!“

Überhaupt steht das „Combiwest“-Team, speziell ihr Skipper, für einen neuen Typ Segler, der in Zukunft die Tour de France à la voile dominieren dürfte. Nicht mehr die Langstrecken-Haudegen, die auch auf der Figaro oder sogar auf Hochsee den Ton angeben (wie etwa Bernard Stamm, der mit Cheminée Poujoulat Rang 22 von 28 einnahm), werden hier gefragt sein. Sondern die Taktiker, Strategen und Spezialisten für eher kurze Strecken, inklusive der Matchrace-ähnlichen Aufgaben, die in den „Segel-Stadien“ der Tour zu lösen sind.

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Groupama führte über einen Großteil der Tour das Gesamtclassement an, wurden aber zuletzt “nur” Zweite © liot

Guilmin war 15 Jahre lang als Taktiker für unterschiedliche Steuerleute bei der World Match Racing Tour unterwegs, bei vier „America’s Cup-Kampagnen“ als Stratege dabei und konnte unzählige Siege in den unterschiedlichsten Klassen erringen. Unter anderem war er einer der Ersten, der sich voll und ganz auf die Diam 24 konzentrierte.

 Zukunft auf Mehrrumpfern

Die ist übrigens der wahre Sieger dieser Tour. Nach schier endloser Unkerei im Vorfeld zeigte der Trimaran, dass er genau die richtige Wahl für das spezielle Format der Tour de France à la voile ist. Auf der „Höhe der Zeit“, voll im Mainstream der heißesten Regattaboliden, brachte der Trimaran mit seinen schnellen Rennen aber auch mit den publikumswirksamen Formaten im Segel-Stadion, also direkt vor den Stränden der Etappenorte, den ersehnten Schwung in die „Tour“.

Begeisterte Berichte in den französischen TV-Medien, lange Artikel in den Tageszeitungen und Sport-Magazinen weckten wieder das Interesse an der „Tour unter Segeln“.

„Wir sind mit dem neuen Boot, dem verbesserten Austragungsformat und mit dem neu erweckten Spaß an der Sache auf dem richtigen Weg!“ ist seitens der Organisatoren zu vernehmen. Die großen französischen Rennställe zeigen sich jedenfalls allesamt begeistert, wenn auch manche Teams so ihre Schwierigkeiten mit den neuen, eng gesteckten Kursen unter Land hatten. Fehlt nur noch eine gewisse Begeisterung aus dem Ausland. Die Briten haben bereits Interesse bekundet, die Spanier wollen wohl auch…

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