Trans-Ocean-Preis: Einhandseglerin Susanne Huber-Curphey war elf Jahre unterwegs

Lieber mit Hund als mit Mann

Susanne Huber-Curphey berichtet beim Trans-Ocean-Treffen in Cuxhaven über ihre preisgekrönte Reise mit Bordhund "Honey". © Seefieber.de

Es ist ein skurriles Seglerpaar. Die gebürtige Bayerin aus Ingolstadt Susanne Huber-Curphey (50) und ihr britischer Mann Tony (66) sind verheiratete Langfahrtsegler, aber sie absolvieren ihre Törns parallel einhand auf verschiedenen Booten.

“Vielleicht sind wir gerade deshalb glücklich verheiratet”, sagt Huber-Curphey in Cuxhaven, wo sie am Wochenende den Trans-Ocean-Preis erhielt, eine der höchsten Auszeichnung für deutsche Hochseesegler, die seit 1970 jedes Jahr verliehen wird.

Die Einhandseglerin ist seit elf Jahren auf den Weltmeeren unterwegs und will nächstes Jahr wieder los. © Seefieber.de

41.500 Seemeilen hat die gelernte Architektin im prämierten Zeitraum (27.1.07 bis 17.7.11) von Rio de Janeiro bis Korfu zurückgelegt. Dabei war sie insgesamt 367 Tage auf See.

Ihr gesamter Törn dauerte von 2000 bis 2011. Dabei segelte sie 85157 Seemeilen und überquerte 20mal einen Ozean.

Uwe Röttgering hat in Cuxhaven mit ihr gesprochen. Sein Urteil: “Tolle Frau!” Ihn faszinierte besonders die Geschichte, wie sie 2008 ihren Mann im wahrsten Sinne des Wortes abgeschleppt hat. Beide segelten wieder einmal parallel auf ihren Schiffen, diesmal von Australien nach Fiji, als Tony Curphey mit seiner 27 Fuß Sperrholz-Sloop havarierte.

Susanne Huber-Curphey schleppt acht Tage lang die "Galenaia" mit ihrem Mann an Bord nach Neuseeland. © Curphey

In einem Sturm war das Ruder am Heck über der Wasserlinie abgebrochen und ebenfalls das Skeg. Das Schiff lief langsam voll Wasser. Er musste jede Stunde pumpen. Aber Curpey wollte nicht die große Rettungsmaschinerie in Gang setzen. Denn seine Frau segelte 150 Meilen vor ihm.

Sie ist mit ihrer “So Long”, einem 41 Fuß langen (28 Fuß Wasserlinie) klassischen Langkieler aus GFK mit Kutterrigg schneller unterwegs. Per Funk erklärte er sein Missgeschick und sie drehte um. Nach zwei Tagen traf sie bei ihm ein, brachte im dritten Versuch eine Schleppverbindung zustande. Dann zog sie ihren Mann acht Tage lang 80 Meter hinter sich her über 650 Meilen nach Nelson auf der Südinsel Neuseelands.

Das Ehepaar Curphey 2008 nach der Verleihung der Rod Stephens Trophy, die vom Cruising Club America für außergewöhnliche Seemannschaft verliehen wird. © Curphey

Ständiger Begleiter ist ihr Hund Honey, der auch auf der Trans-Ocean-Versammlung in Cuxhaven dabei war.

Huber-Curphey erzählte den Cuxhavener Nachrichten, dass sie am Ammersee das Segeln gelernt hat, sie aber immer vom großen Meer fasziniert war. Sie lernte ihren heutigen Mann während ihrer Langfahrt kennen und heiratete ihn. Das Paar versuchte eine Zeitlang gemeinsam auf der “So long” zu segeln. Aber schließlich hätten sie sich doch für das parallele Einhandsegeln entschieden.

2012 soll es von der griechischen Insel Korfu aus wieder weiter gehen. Möglichst schnell aus dem Mittelmeer raus. Das sei ihr zu eng.

Im Hafen gemeinsam, auf dem Wasser getrennt. Eine ungewöhnliche Ehe. © Curphey

Die Trans-Ocean-Preisträger in Cuxhaven. © Seefieber.de

 

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „Trans-Ocean-Preis: Einhandseglerin Susanne Huber-Curphey war elf Jahre unterwegs“

  1. avatar Dirk sagt:

    Ich kann mich nur anschließen: Eine tolle Frau.

    Auf ihrem 2011er Törn nach Korfu machte sie von Panama aus nur zwei Stopps. Auf den Bermudas und den Azoren.
    “Wenns einmal läuft…” ist Susannes Kommentar zu ihrem Schlag von Horta nach Korfu. Nunja, warum nicht. Beeindruckend.

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  2. avatar Grünvorneid sagt:

    Bis vor ein paar Minuten war mir Frau Huber-Curphey völlig unbekannt, obwohl sie schon zweimal einhand um die Welt gesegelt ist. Wie kann es sein, daß über diese beeindruckende Frau hier bislang nicht berichtet wurde, wir aber über jeden Schiss von AMR informiert wurden? Hier scheint große Klappe vor Leistung zu gehen, wenn bei Segelreporter die Agenda bestimmt wird.

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    • avatar stefan sagt:

      ….ja, die große Klappe (und nichts dahinter) scheint hier wirklich das Mass der Dinge zu sein, wie man an deinen Beiträgen treffen lesen kann. Wenn du von Frau Huber-Curphey noch nichts gehört hast, dann liegt das ganz allein an deinem Unwissen und hat nichts mit anderen zutun.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 7

      • avatar Heini sagt:

        @stefan: Daumen runter³

        Ich gebe ‘Grünvorneid’ Recht, hatte bis dato auch noch nichts von ihr gehört und denke auch, große Klappe geht vor große Leistung. Siehe Lüchtenborg. Und im Gegenzug wird es noch etliche geben, die still und leise ihr Ding durchziehen und dabei mehr vollbringen als die großen Trommler.

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        • avatar stefan sagt:

          @Heini: ….wer zwei so unterschiedliche Dinge in einen Topf wirft, ist noch lange kein Koch.

          ….Frau H-C segelt seit vielen Jahren mit ihrem Mann privat in ihrer Freizeit um die Welt. Andere Segler (wie auch AMR) tummeln sich auf sportlichen Events, mit Sponsoren die dazu nötig sind diese ganzen Sachen zu finanzieren. Dafür muss man trommeln. Für ein Privatvergnügen macht man das nicht. Daher werden diese beiden grundsätzlich verschiedenen Aktivitäten auch öffentlich ganz anders wahrgenommen.

          …wer in den letzten Jahren die einschlägigen Publikationen im Blick hatte (TO-Nachrichten, KYCD-Nachrichten) dem ist das was Frau H-C so gemacht hat, nichts neues.

          Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 6

          • avatar Blauvorneid sagt:

            Ja, Profis müssen sich öffentlich darstellen, um ihren Sponsoren gerecht zu werden. Aber ob ein Medium ihnen eine Bühne gewährt ist Sache der Redaktion, die nicht danach entscheiden sollte, in welchem Maß der Segler auf PR angewiesen ist, sondern danach, was geleistet wurde.

            Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 5

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