Transat Jacques Vabre: IMOCA-Seglerin Isabelle Joschke im Interview – Respekt vor der Kaltfront

„Segeln ist einfach! Aber SCHNELL segeln…“

Cooles Video von Isabelle und Pierre während Fastnet 2017

Die Deutsch-Französin über Wetterglück, Foiler-Schwächen, Zurückhaltung im richtigen Moment und die Sponsorensuche. 

Die 40-jährige Isabelle Joschke (Deutsch-Französin: Deutscher Vater, französische Mutter) mischt schon seit Jahren im Hochseezirkus mit. Sie beschritt den für Frankreich eher klassischen Weg: zweimalige Teilnahme an der Mini Transat (Sieg in der 1. Etappe 2007), sie mischte jahrelang im Figaro-Solitaire-Zirkus mit, zeigte reichlich Talent in der Class 40 und steigt nun als logische Konsequenz auf einer IMOCA in den vermeintlich „ganz großen Segelsport“ ein. Kurz vor dem Start zur Transat Jacques Vabre, die sie gemeinsam mit Pierre Brasseur bestreiten wird, nahm sich Isabelle ein wenig Zeit für SegelReporter. Einzige Bedingung: Das Interview solle in „Frallemand“ (Mix aus Französisch und Deutsch) stattfinden. Was eigentlich unnötig gewesen wäre – Ihr Deutsch ist „sublime“!  

Isabelle Joschke, Pierre Brasseur, IMOCA, transat Jacques Vabre

Isabelle auf “Maloche” © zedda/joschke

SegelReporter: Die Gretchenfrage vor so einem Event gleich vorneweg: Nervös? 

Isabelle Joschke: Eigentlich fühlte ich mich die letzten Tage eher „zen“, mich hat so rein gar nichts genervt. Aber jetzt, einen Tag vor dem Start, da fühle ich dann doch, wie sich eine gewisse Energie in meinem Körper breit macht. Eine positive Energie, eine Energie, die man für Wettkämpfe unbedingt braucht. 

SegelReporter: Wie siehst Du für Dich ganz persönlich den Stellenwert dieser Transat Jacques Vabre? Ist ja ein Zweihand-Rennen und Deine Zukunft ist doch ganz offensichtlich auf Einhandsegeln ausgerichtet. 

Isabelle Jochke: Für mich ist es wirklich wichtig, dass ich dieses erste Jahr auf der IMOCA nicht alleine unterwegs bin. Egal was auf diesen Booten passiert – Lösungen sind immer schwer, kompliziert und anspruchsvoll. In der Class 40 oder auf den Figaros war doch vieles erheblich einfacher und das hat nun wirklich nichts damit zu tun, dass ich eine Frau bin und vielleicht körperlich nicht ganz so viel stemmen kann wie die Jungs. Ich hoffe jedoch, dass ich nach dieser Transat einiges mehr darüber wissen werde, wie ich dieses Boot alleine beherrschen kann. Ein simples Beispiel: Alleine wüsste ich derzeit nicht, wie ich im Rennmodus – also gut platziert – aus dem Ärmelkanal herauskommen sollte. Klar, ich käme mit dem Boot überall einigermaßen klar, aber eben nicht bei jeweiliger Höchstgeschwindigkeit! Segeln ist einfach, aber schnell segeln, schnelle Manöver fahren… das ist etwas ganz anderes. 

Isabelle Joschke, Pierre Brasseur, IMOCA, transat Jacques Vabre

“Man muss auf diesen Booten immer ans Limit gehen” © zedda/joschke

Man muss auf diesen Booten immer ans Limit gehen, die Grenzen ausloten und finden. Das funktioniert zumindest für die ersten Male zu Zweit viel besser als alleine. Denn wenn du einmal die Grenze überschritten hast, bist du im Niemandsland. Keiner weiß, was dann passiert.

SegelReporter: Ihr Beiden habt in dieser Kombination bereits das Fastnet Race gesegelt, bei dem ihr Euch bis zum Fastnet Rock hervorragend geschlagen habt und beim Defi Azimuth Race seid Ihr sogar Dritte geworden. Immer vorausgesetzt, es passieren keine Havarien – welche Chancen gibst Du Euch für die Transat Jacques Vabre?

Isabelle Joschke: Rein vom Potential des Bootes aus betrachtet könnten wir nicht besser als Achte werden. Denn die Foiler und neueren Generationen sind einfach schneller als wir – die müssten also vor uns ankommen. Nicht zuletzt, weil wir nach derzeitigen Prognosen auf viel Wind in Reaching-Kursen treffen werden, und da sind Foiler sehr schnell. 

Hinzu kommt, dass Pierre und ich das einzige IMOCA Team sind, die BEIDE neu in der Klasse segeln. Unsere Erfahrungswerte mit dem Boot sind also alles andere als optimal. Dennoch haben wir schon erleben dürfen, dass unsere „Generali“ bei leichten Winden deutlich besser läuft als die meisten Foiler. Da könnten wir dann wieder aufholen. Kurz: Auch hier zählt natürlich wieder das Wetterglück! Top Five wäre dann sehr, sehr gut!

Isabelle Joschke, Pierre Brasseur, IMOCA, transat Jacques Vabre

Friede, Freude, Eierkuchen nach dem dritten Rang beim Defi Azimuth © joschke

SegelReporter: Die Szene gibt Euch sogar Chancen auf den dritten Rang! Vor allem, weil Ihr Euch beide in der Class 40 hervorragend geschlagen habt. Pierre hat auf der Class 40 sehr viele Rennen gewonnen – u.a. auch die letzte Transat Jacques Vabre – und du bist etwa beim THE TRANSAT kurz vor dem Wassereinbruch mitten auf dem Atlantik , der Dich zur Aufgabe zwang, auf Rang Eins gesegelt. 

Isabelle Joschke: Das stimmt schon alles, nur ist das auf so einer IMOCA ein ganz anderes Segeln. Ganz ehrlich, die IMOCA segeln sich eher wie ein Mini als wie Class 40 oder Figaros. Ich bleibe dabei: Ein fünfter Platz wäre richtig toll, mehr ist nicht drin, wenn ein Großteil der Foiler in Brasilien ankommen sollten. Das würde bedeuten: wir haben zwei oder drei richtig schnelle Boote hinter uns  – wäre doch klasse, oder?

SegelReporter: Wovor hast du denn bei der kommenden Regatta am meisten Respekt? 

Isabelle Joschke: Die Kaltfront, auf die wir mit Sicherheit treffen werden, dürfte uns allen zu schaffen machen. Da werden Wellen zwischen fünf und sieben Metern dabei sein. Und da ich unter genau solchen Bedingungen vor eineinhalb Jahren bei der TRANSAT aufgeben musste, bin ich darauf schon sehr gespannt. Das Schwierigste dürfte sein, dass wir beide uns zurückhalten: Für zwei ausgesprochene Wettkämpfer wie Pierre und mich ist es echt schwer mal für ein paar Stunden voll auf die Bremse zu treten, um das Boot nicht unnötigen Risiken auszusetzen. 

Isabelle Joschke, Pierre Brasseur, IMOCA, transat Jacques Vabre

Die 40-jährige Deutsch-Französin Isabelle Joschke © joschke

SegelReporter: Isabelle, Du bist nun schon seit vielen Jahren in der Hochseeregattaszene erfolgreich unterwegs. Bereitest Du Dich auf Regatten wie die kommende noch speziell vor?

Isabelle Joschke: Selbstverständlich! Jede Regatta hat ihre Eigenarten, jedes Schiff stellt einen vor neue Herausforderungen, wie wir ja schon gesagt haben. Ich trainiere physisch sehr intensiv Pilates und Ausdauersport. Außerdem bereite ich mich auf eher unübliche Art und Weise mental auf solche Rennen vor: „Gymnastique sensorielle“ heißt das, extrem langsam ausgeführte Gymnastik, die mich auch mental fokussiert. Ähnlich wie Yoga, aber doch etwas anderes… 

Isabelle Joschke, Pierre Brasseur, IMOCA, transat Jacques Vabre

Noch reichlich “zen”, einen Tag vor dem Start: Das IMOCA-Duo Joschke/Brasseur © miku

SegelReporter: Wie sieht es mit Deiner Zukunft aus? Euer Sponsor Generali hat sich nach jahrelangem Sponsorship zum Ende dieses Jahres aus dem Segelsport verabschiedet. 

Isabelle Joschke: Das Boot gehört letztendlich Alain Gauthier, mit dem ich schon seit vielen Jahren eng zusammenarbeite. Die IMOCA bleibt also zunächst in seiner „Flotte“, wir müssen jedoch einen Sponsor finden. Es ist eine ganz einfache Rechnung: Finden wir einen Sponsor, geht es für mich auf der IMOCA weiter mit der Route du Rhum im nächsten und der Vendée Globe in drei Jahren. Finden wir keinen Sponsor, muss und wird Alain das Boot verkaufen. Die Chancen stehen derzeit aber ganz gut, wie ich finde. 

SegelReporter: Wird euer Abschneiden bei dieser Regatta direkten Einfluss auf die Sponsorensuche bzw. -überzeugung haben?

Isabelle Joschke: Überhaupt nicht. Sponsoren zu finden und für sich einzunehmen, ist viel  komplexer und schwieriger als ein einfaches Zusammenzählen von Ergebnissen bei Regatten. 

SegelReporter: Isabelle, merci beaucoup für dieses Gespräch und in jeder Hinsicht alles Gute für die nächsten Wochen und Monate. 

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Transat Jacques Vabre: IMOCA-Seglerin Isabelle Joschke im Interview – Respekt vor der Kaltfront“

  1. avatar breizh sagt:

    Sehr nettes Video. Läuft ja im Moment auch ganz gut für die Beiden. Ist ja noch ein sehr enges Feld bei den IMOCAs. Mal sehen wie die Skipper mit der Starkwindfront weiter draußen umgehen. Mal sehen wie die Rothschild als erste hiermit umgehen wird und wi weit westlich sie Segen werden, um das Schwachwindgebiet zu umgehen.

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