Transat Jacques Vabre: Thomson und Herrmann auf Abwegen – Foiler-Duell an der Spitze

"Es sieht schrecklich aus"

Das war nix. Der fünfte Tag der Transat Jacques Vabre hat sich für die IMOCAs der weit nach Westen gesegelten Gruppe um Alex Thomson und Boris Herrmann als wenig zielführend im Hinblick auf eine gute Platzierung erwiesen.

Während die Abweichler im Westen gegen einen teilweise starken Südwind angekreuzt sind, genießt die Führungsgruppe  im Süden Rückenwind, der die Foiler zeitweise auf über 20 Knoten beschleunigt.

“Ja, das Routing sieht jetzt nicht sehr gut aus; es sieht eigentlich schrecklich aus”, gibt Alex Thomson inzwischen zu. Zuvor hatte er eingeräumt, die strategische Option im Westen gewählt zu haben, weil Ösen aus einem Segel gerissen waren und Zeit verloren ging. Aber es ist alles andere als üblich, ein neues Boot solch brutalen Amwind-Bedingungen auszusetzen, bei denen es im Vergleich zur Konkurrenz keine Vorteile hat.

Die Süd-Route hat sich dramatisch besser entwickelt, als erwartet. Herrmann grau) und Thomson schwarz) im Westen segeln gegen den Wind, während die Süd-Gruppe foilt.

Außerdem segeln die eigentlich wichtigen Konkurrenten nicht in der West-Gruppe. Die neuen Foiler, mit denen sich die Briten messen wollten, ziehen ihre Bahnen mehr als 300 Meilen entfernt im Süden. “Hugo Boss” testet dagegen gegen seinen Am-Wind-Speed gegen die besten Boote der vergangenen Vendée Globe Generation – die ex “Banque Populaire VIII” (“Bureau Vallée”), ex  “St-Michel – Virbac” (“Prysmian Groupe”), ex “Gitana 16” (“Malizia”) und ex “Safran” (“Maitre Coq”).

“C’est la vie”

Thomson hat damit offenbar kein Problem. Er qualifiziert die Regatta nun als reines Training ab. “In Bezug auf das, was wir uns vorgenommen haben, laufen die Dinge wirklich sehr gut. Da könnte ich nicht glücklicher sein. Es ist ein bisschen schade, dass diese westliche Option nicht mehr so schön aussieht, aber c’est la vie.”

“Malizia” segelt bisher glücklos auf Westroute. © Lindlahr/Malizia

Dabei ist der Unmut über den Segelschaden herauszuhören. Er geht hart mit Segelmacher Doyle ins Gericht, dem Partner bei der Segelentwicklung.  “Wir müssen mit ihnen sprechen, aber es hätte nicht passieren dürfen, dass das sicher.” Die Reparatur der herausgrissenen Öse am Raumschots-Segel dauere etwa 30 Stunden. Es seien schon einige Nadeln abgebrochen bei dem Versuch sie durch das brettharte Tuch zu stechen. Eine harte, zeitraubende Arbeit.

Boris Herrmann dürfte sich mehr darüber ärgern, dass der große Split eine solche Unwucht in die Ergebnisliste gebracht hat. Er wird mit seinem britischen Partner auf Platz 17 geführt, und dieses bisher vom Tracker wiedergegebene schiefe Bild könnte sich nun doch konsolidieren.

Dramatische Wetterentwicklung

In der Nacht von Mittwoch bis Donnerstag hatte sich die Vorhersage dramatisch zu Ungunsten der West-Option entwickelt. Auf der einen Seite können die Süd-Segler den Hochdruckkamm bei Madeira viel leichter überwinden, als es zuvor aussah. Andererseits baute sich für die “Westler” ein neues Flautengebiet auf.

Die Männer der Stunde. Charlie Dahlin (r.) und Veteran Yann Elies quetschen erstaunlich viel Speed aus ihrem neuen Foiler “Apivia”. © Apivia

So wird die Transat Jacques Vabre gerade vom Zweikampf an der Spitze geprägt. Top Favorit “Charal” muss sich der neuen “Apivia” erwehren, die erst im August vom Stapel lief und offenbar schon früher als gedacht mit dem seit einem Jahr getesten Platzhirschen der Klasse mithalten kann.

Yann Elies freut sich auf “Apivia”, dass “Charal” achteraus liegt. © Apivia

Die beiden Foiler der neuesten Generation konnten bei den tagelang vorherrschenden leichten Amwindkursen hervorragend mit den Spezialisten mithalten. Und kaum weht der Wind von hinten, spielen sie ihren Speed-Vorteil aus. An einem Tag rasten sie der direkten Konkurrenz gut 50 Meilen davon.

Die Apivia-Crew filmt, wie “Charal” heranfliegt:

Aber die Passatwinde sind noch nicht erreicht. Erst in den Doldrums wird sich dieses Rennen vorentscheiden. Wenn die Süd-Gruppe diese Flauten-Passage erreicht hat, besteht auch noch für die Thomson, Herrmann und Co eine Chance, Boden gutzumachen.

Die neue “Apivia” © Apivia

Transat Jacques Vabre Tracker

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

3 Kommentare zu „Transat Jacques Vabre: Thomson und Herrmann auf Abwegen – Foiler-Duell an der Spitze“

  1. avatar leserleser sagt:

    Herrmann hat sich das selbst zuzuschreiben nach seinem komplett überflüüssigen meduen-bohei – finde ich jdnfls

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 8

  2. avatar PL_paddy sagt:

    ich bin immer noch einigermaßen geplättet wegen der Westroute und das Boris da mitgegangen ist. Selbst anhand bescheidener Wetterinfo hier hat sich mir das nicht erschlossen diese Route zu wählen… das mit dem Segel klingt irgendwie auch nach “british excuse”, aber der Alex Fall out in Doyle war wohl echt…

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

  3. avatar der segler sagt:

    Alex ist den Trick mit der Westroute schon bei mehreren Rennen gefahren, und das recht erfolgreich. Diesmal ist es komplett in die Hose gegangen. Schade dass Herrmann da mitgegangen ist…

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