Transat Jacques Vabre Vorschau: Eine Woche vor der wichtigsten Atlantik Regatta 2013

Nichts für "Kaffeesegler"

Zeit für Heli-Image-Aufnahmen – wunderbares Class-40-Segeln mit SNCF-GEODIS:

TJV Teaser:

Seit 20 Jahren wird die TJV bereits gesegelt. Die Zweihand-Regatta zählt in Frankreich zu den prestigeträchtigen Großregatten – diesmal mit dabei: Class 40, IMOCA und MOD70-Trimarane.

Michel Desjoyeaux, Francois Gabart

Vendée Globe Sieger Francois Gabart ist favorisiert. Er segelt zusammen mit Michel Desjoyeaux © Jean-Marie Liot / DPPI

Um es gleich vorweg zu sagen: „Kaffeesegler“ ist in Frankreich längst keine abschätzige Beschreibung eines eher gemütlich vor sich hinschippernden Freizeitkapitäns mehr, sondern eine Auszeichnung. Denn wer bei der Kaffee-Regatta – der langjährige Sponsor Jacques Vabre ist Frankreichs größter Kaffeeröster – auf den Kaffeerouten gen Süd- und Mittelamerika zumindest mit dabei war, hat im gewissen Sinne längst den französischen Hochsee-Olymp erreicht. Und der thront bekanntlich sowieso weit über den Ruhmesstätten anderer Hochseenationen.

Das Rennen

Die ursprüngliche Idee zur Routenwahl ist dann auch entsprechend simpel: Auf den historischen Strecken der Kaffee-Segler des 18. und 19. Jahrhunderts sollte alle zwei Jahre ein „Entreacte“ zur Einhandregatta „Route du Rhum“ geschaffen werden, die alle vier Jahre stattfindet (unnötig zu erwähnen, auf welchen Strecken diese Segler unterwegs sind, oder?)

1993 noch als Einhandregatta konzipiert und durchgeführt, wird sie auf Wunsch der Segler schon 1995 zu einem Crew-Event: Der Atlantik, zwei SeglerInnnen, ein Boot…

182 Crews haben seit Beginn der Kaffeesegelei an dem Rennen teilgenommen, darunter einige Mehrfach-Starter. Der Clou des Rennens ist jedoch nicht die Strecke als solche – die wird logischerweise vom Hauptsponsor diktiert – sondern der Mix der wichtigsten Hochseeklassen der jeweiligen Ära.

Denn so können sich auch die namhaftesten Segler der Szene bei dieser Regatta besonders gut profilieren – interessanterweise durchaus auf Mono- und Mehrrumpfern. Loick Peyron schaffte das 1999 und 2005, und Roland Jourdain (1995/2001); Franck Cammas siegte sogar drei Mal (2001, 2003 und 2007) jeweils auf Trimaranen, Jean-Pierre Dick schaffte den Hattrick auf Monorumpfern (2003, 2005, 2011).

Cartagena/Kolumbien, Salvador de Bahia/Brasilien, Puerto Limon/Costa Rica und dieses Jahr Itajai/Brasilien heißen die angesegelten Ziele in Süd- und Mittelamerika – dass die TJV dieses Jahr erstmals nach längerer Abstinenz wieder Brasilien ansteuert, hat wohl auch mit der steigenden Popularität des bald olympischen „Kaffeelandes“ unter Sportlern zu tun.

Die Schiffe und ihre Crews

Class 40 • Die 12,18 m langen „Arbeitstiere der Meere“ erfreuen sich bekanntlich einer stetig wachsenden Beliebtheit unter allen Hochseeprofis und ambitionierten Amateuren.

Im Prinzip genau zwischen den Mini 6.50 und den IMOCA angesiedelt, erfüllen sich die Segler auf diesem Schiff den Traum vom schnellen, beherrschbaren Segeln bei allen Wetterbedingungen  – und das auch noch bei vergleichsweise „bezahlbaren“ Kampagnenbudgets.

Jörg Riechers werden gute Chancen auf den Titel bei den Class 40 eingeräumt © mare

Jörg Riechers werden gute Chancen auf den Titel bei den Class 40 eingeräumt © mare

25 Class-40-Crews haben gemeldet, darunter fast alle, die in der ausgesprochen lebendigen Class-40-Szene Rang und Namen haben. Seguin, Rogues, der Sieger der letzten TJV Bestaven… es gibt einige Aspiranten auf den Sieg. Darunter auch der einzige deutsche Teilnehmer im Feld, Jörg Riechers. Der segelt übrigens nicht mit seinem IMOCA-Partner Sebastien Audigane (der bei Bertrand Guillonneau für diese Regatta verpflichtet wurde), mit dem er beim Barcelona World Race nonstop um die Welt antreten will, sondern gemeinsam mit Pierre Brasseur auf der „mare“.

IMOCA • Zehn der Open 60 am Start dieser Transatlantik-Regatta bedeutet schon eine kleine Sensation – die Klasse war im Laufe der letzten Jahre mehrfach totgesagt worden (weil zu teuer), erlebte aber mit der letzten Vendée Globe einen immensen Popularitätsschub, so dass sich erneut genügend Sponsoren für die Einzelkampagnen fanden. Als Favorit gilt eindeutig Vendée-Globe-Sieger Francois Gabart, der mit seinem Mentor „Professor“ Michels Desjoyeaux auf „Macif“ unterwegs sein wird.

Vendée Globe-Sieger Fabart segelt gemeinsam mit Michel Desjoyeaux – ein Schock-Team! © liot

Vendée Globe-Sieger Fabart segelt gemeinsam mit Michel Desjoyeaux – ein Schock-Team! © liot

Doch auch Vincent Riou und Jean Le Cam sind bekanntlich mit allen Salzwassern gewaschen und wollen auf ihrer „PRB“ vorne mitmischen. Bernhard Stamm hat auf seiner „Cheminées Poujoulat“ nach der Pech-Vendée-Globe noch einige Rechnungen offen, die er gemeinsam mit Phillippe Legros begleichen will.

Multi 50 • Bei den maximal 15,24 m langen und max. 15,24 m breiten Mehrrumpfern sind immerhin sechs Boote am Start. Mit viel Vorschusslorbeeren wurden in der französischen Presse die beiden Loics (Fequet und Escoffier) auf ihrem „Maitre Jacques“ bedacht. Spannend dürfte vor allem das Rennen gegen Erwan Le Roux und Yann Elies werden.

MOD 70 • Nachdem die ORMA-Mehrrumpfer seit 2007 immer mehr von der „Bildfläche“ verschwanden (zu anfällig und zu teuer, selbst für finanziell potente Sponsoren), tauchte mit der MOD 70-Klasse ein Hoffnungsschimmer für alle Freunde großer Trimarane bei Hochseeregatten auf. Drei dieser 21 m langen und knapp 17 m breiten „Monster“ hatten für die TJV gemeldet – doch ausgerechnet die Favoriten Jean-Pierre Dick und Roland Jourdain kenterten vor zwei Wochen spektakulär bei einer PR-Ausfahrt.

Die dadurch entstandenen Schäden an ihrer “Virbac Paprec” (Mastbruch, Trägerschaden) konnten bis zum Start dieser TJV nicht behoben werden. Da waren’s nur noch zwei, nämlich „Oman Air“ und „Edmond de Rothschild“ mit Gavignet/Foxall und Josse/Caudrelier.

Unterm Strich wird die „Transat Jacques Vabre“ wohl niemals die Popularität einer „Route du Rhum“ erreichen, ganz zu schweigen von der Vendée Globe. Aber die Regatta verspricht vor allem in der Class 40 spannende Positionskämpfe unter den besten Hochseeseglern der Welt.

Für alle an Land gebliebenen Hochseeregattafans wird sich im Laufe der kommenden Wochen jedenfalls wieder der allmorgendliche Blick auf den Tracker lohnen: Wer segelt wo in welchem Wetter? Wer hat wen überholt? Wer segelt welchen Extremschlag? sobald Der Link zum “Tracker” feststeht, wird dieser auf SR hochgeladen!

Am Sonntag, 3.11 ist der Start der Class 40 vorgesehen, zwei Tage später folgen die Multi 50, am 8. November schließlich die MOD 70.  So dürfte die Ankunft in Brasilien mehr oder weniger „en groupe“ bejubelt werden. Und wir werden endlich erfahren, ob sich die Sieger mit Kaffee oder Champagner gegenseitig abduschen.

Eventseite Transat Jacques Vabre

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Michael Kunst

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4 Kommentare zu „Transat Jacques Vabre Vorschau: Eine Woche vor der wichtigsten Atlantik Regatta 2013“

  1. avatar Breizh sagt:

    Wieso segelt Jörg riechers eigentlich seine Class 40 und nicht sein Vendee Globe Boot?

    Wenn die Mini jetzt noch starten, könnte es dann da draußen etwas eng werden 🙂

    Jörg viel Erfolg!!!

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    • avatar stefan sagt:

      …weil der Open60 in den kommenden Monaten umgebaut wird und ein komplett neues Vorschiff erhält.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

  2. avatar Breizh sagt:

    @Stefan Stimmt. Hatte den Umbau vergessen.

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  3. avatar Alex sagt:

    Und vonwegen Lazybag und Bergeschlauch für den Spi bzw. Gennaker sein unsportlich 🙂

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