Transat Jacques Vabre IMOCA: Neustart in der Flaute? – Vorentscheidung naht

"Ganze Welt voller Möglichkeiten"

Am 11. Tag der 15. Ausgabe der Transat Jacques Vabre sind die führenden Boote der IMOCA-Klasse im Begriff südlich der Kapverdischen Inseln in die Flautenzone der Doldrums einzutauchen. Thomas Ruyant und Morgan Lagravière (LinkedOut) haben sich im Dreikampf der vergangenen Tage gegenüber Charal und Apivia einen deutlichen Vorsprung von 58 bzw 68 Meilen erarbeitet.

Thomas Ruyant freut sich über die Führung bei der TJV und einen schönen Sonnenaufgang. © LinkedOut

Bei der Vendée Globe hatte Ruyant noch Charlie Dalin bei der Umfahrung des St. Helena Hochs ziehen lassen müssen als es taktisch schwierig wurde. Nun hat er diese vermeintliche Schwäche offenbar in eine Stärke umgewandelt. Möglicherweise hilft ihm Co-Skipper Lagravière (34), der bis 2010 zu den Top-20 im 49er gehörte und 2015 den ersten IMOCA-Foiler für das Safran Sailing Team segelte. Er startete bei der Vendée Globe 2016-2017 als  Mitfavorit musste er jedoch nach 18 Regattatagen auf Platz 4 liegend nach einer Ruder-Kollision aufgebenSponsor Safran zog sich danach aus dem Segelsponsoring zurück und Lagravière gelang es bisher nicht, eine nächste Vendée-Globe-Kampagne zu organisieren.

Das Duo scheint bestens zu funktionieren und ebenso das Boot, das sonst eigentlich eher seine Stärken bei harten Foiler-Bedingungen gezeigt hat. Im Vergleich zum Verdier-Schwesterschiff Apivia, die inzwischen nach einem Update mit neuen längeren Tragflächen ausgestattet ist, hat es im Flug nun Nachteile. Aber die kamen bei den langen Kursen mit dem Wind genau achteraus zuletzt nicht zum Tragen.

Lagravière sagt, dass sich die Transat Jacques Vabre aktuell eher wie ein großer Küsten-Grand-Prix anfühle als wie ein transozeanischer Marathon. “Es ist bei dem engen Kampf mit Apivia und Charal wie eine Solitaire du Figaro. Wir segeln seit ein paar Tagen fast auf Sichtweite. Das erzeugt eine enorme Intensität, sowohl in der Art und Weise wie wir das Boot segeln, als auch in Bezug auf die Strategie. Der Rhythmus an Bord passt sich an, weil das Spielniveau viel höher ist. Wir geben in jedem Moment alles.”

Vorentscheidung möglich

Nun könnte in den Doldrums allerdings eine Vorentscheidung anstehen. Wer diese Passage am besten meistert, dürfte auch gute Karten haben, im Ziel vorne zu liegen. Keiner weiß das besser als Jérémy Beyou, der in diesem Seegebiet den sicher geglaubten Sieg verlor. Er erreichte die Flaute mit einem Vorsprung von 120 Meilen und verlor schließlich 200 Meilen.

LinkedOut segelt vorne in stärkerem Wind als die Verfolger.

Aktuell kann LinkedOut allerdings seinen Vorsprung im stärkeren Wind permanent vergrößern. Apivia stecken noch vor den Doldrums in einer Flaute und müssen zusehen, dass Samantha Davies nicht den Anschluss schafft. Sie kann sich mit Initiatives-Coeur auf Platz vier erstaunlich gut gegen die deutlich jüngeren Foiler 11th Hour Racing Team-Mālama und Arkea Paprec behaupten, weist aber immer noch einen Rückstand von 100 Meilen zu Apivia auf.

In der berüchtigte Flautenzone wird allerdings neu gewürfelt. Sie sieht bedrohlich aus, weil sie sich immer weiter nach Süden ausdehnt. Es besteht die Möglichkeit, dass die Führenden in den nächsten Tagen deutlich einparken und selbst die fünfköpfige Verfolgergruppe auf den Rängen 7 bis 11 um den Italiener Giancarlo Pedote und Vendée-Globe-Sieger Yannik Bestaven aufschließt.

11th Hour Skipper Charlie Enright versucht die Doldrums allerdings nicht als Gefahr zu sehen, sondern er bezeichnet sie als “eine ganze Welt voller Möglichkeiten”.

Chance zum Vergleich

Das enge Rennen an der Spitze ist besonders für das jüngste Boot der Flotte enorm hilfreich. Charlie Enright und Pascal Bidégorry haben die Gelegenheit, ihre “Malama” bei verschiedensten Bedingungen erstmals im Vergleich mit der Konkurrenz zu testen. Es hätte schon einige technische Probleme gegeben aber nun sei das Boot stabil und funktioniere gut. Man könne jetzt die wichtigen Lektionen in Sachen Geschwindigkeit lernen.

Pascal Bidégorry mit seinen Spielzeugen. © 11th Hour

“Wir sind wirklich ohne Erwartungen in das Rennen gegangen und hatten eine gute Ausfahrt aus dem Ärmelkanal und Ushant”, sagte Enright. “Wir sind immer noch dabei, das Boot, die Handhabung des Segels, die Ergonomie und all diese Dinge zu lernen und kratzen dabei gerade mal an der Oberfläche. Jede neue Wetter-Bedingung ist für uns eine neue Zeit des Experimentierens.” Der richtige Trimm muss gefunden werden.

Transat Jacques Vabre Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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