Transatlantik: Vier Ultim-Trimarane gegen „Queen Mary 2“ – Coville mit Nacra-Champ Besson

Segler gegen Atlantik-Liner

The Bridge, Ultim Trimarane, Queen Mary 2

Zum Zeichen der Freundschaft: eine Transatlantik-Regatta, Jazz, Basketball… © The Bridge

Auf dieser Startlinie werden die riesigen Ultim-Trimarane erstmals nicht die Größten sein! Am 25. Juni fällt der Startschuss zu „The Bridge“ – toller Vergleichskampf zwischen den schnellsten Seglern und dem derzeit schnellsten Atlantik-Liner.

Was für eine Idee! Zum Hundertjährigen Bestehen der Französisch-amerikanischen Freundschaft – 1917 traten die Amerikaner in den 1. Weltkrieg ein – wird es nicht etwa Militärgeplänkel, Aufmärsche und ein paar Gedenkschießereien geben, sondern „The Bridge“, eine Regatta der ganz besonderen Art gestartet. Zwischen St. Nazaire und New York sollen die derzeit schnellsten Hochseetrimarane der Welt gegen den Atlantik-Liner „Queen Mary 2“ antreten und so eine symbolische „Brücke schlagen“.  Die Trimarane werden von Sechs-Personen-Crews gesegelt, der Liner wird voll besetzt (etwa 1.300 Gäste, die meisten davon aus dem Sponsoren und Organisations-Umfeld der Regatta!) seine „normale“ Fahrt über den Teich machen. Beide wollen im Höchsttempo die 3.300 Seemeilen (Luftlinie) lange Strecke bewältigen.

Ab 1917 wurden die meisten amerikanischen Soldaten nach St. Nazaire und dem benachbarten Nantes von Kreuzfahrtschiffen gefahren. Die „Queen Mary 2“ wurde in St. Nazaire gebaut.

The Bridge, Ultim Trimarane, Queen Mary 2

Coville will auf Sodebo mal wieder zeigen, wo der Hammer hängt © sodebo

Mal ganz abgesehen davon, dass auch dieses Event wieder reichlich in den französischen Medien als „Rennen des Jahres“ propagiert und gefeiert wird, dürfte sich der Segelwelt zumindest am Start ein beeindruckendes Bild bieten. Wenn „die Queen“(345 m lang)  und die Ultim-Trimarane (immerhin auch über 30 Meter) gemeinsam bei hoffentlich ordentlichem Wind gen Westen losbrettern. Eher flügellahm dürfte es aussehen, wenn die Trimarane mit fünf Knöt’chen vor sich hindümpeln und „Mary“ mal eben schnell zentnerweise Rußpartikel in die Luft bläst, weil der Hebel auf den Tisch muss um einen korrekten Nullstart hinzulegen… 

Die Ultim-Trimarane  wollen mit diesem Showrennen in erster Linie auf ihre Einhand-Weltumseglungs-Regatta im Stile der Vendée Globe“ aufmerksam machen, die 2019 gestartet werden soll. Doch Hochseesegel-Insider sehen darin auch ein erstes Abklopfen der Skipper und ihrer Boote untereinander. Francois Gabart wird auf MACIF teilnehmen, Francois Joyon auf IDEC, Yves le Blevec auf ACTUAL und Einhand-Weltumseglungs-Rekordhalter Thomas Coville wird seine SODEBO ans Limit bringen. 

The Bridge, Ultim Trimarane, Queen Mary 2

Francois Gabart ärgert sich, auf der “falschen Seite” unterwegs zu sein: auf der Queen Mary 2 würde man eindeutig besser essen, trinken und schlafen! © macif

Die Chancen sind jedoch nur sehr gering, die „Queen Mary 2“ auf ihrer „Hausroute“ zu schlagen. Der Liner schafft einen Durchschnitt von 28 Knoten, wobei die Wetterlage sekundär wichtig ist. Dagegen schaffen die Ultim Trimarane „nur“ mal zwischendurch Spitzen um die 35 Knoten – für ein paar Stunden! Auf einen Sieg durch einen Segler stehen die Wetten derzeit 1:10, rein rechnerisch werden den Trimarane nur 10 Prozent Siegchancen eingeräumt. 

Wie hoch die Skipper diese Begegnung werten, dürfte auch an der Zusammensetzung der Crews deutlich werden. Thomas Coville hat als Erster die Namen seines Teams gelüftet: Neben einigen „alten Hasen“ und langen Weggefährten aus seinem Rennstall hat er den Vendée Globe Champ Vincent Riou verpflichtet. Riou und Coville sind ebenfalls seit Langem befreundet, „segeln aber nich oft genug zusammen“, wie wie Coville unterstreicht. „Dabei gibt es keinen besseren Wetterstrategen und Techniker unter den Hochseespezialisten als Vincent!“

The Bridge, Ultim Trimarane, Queen Mary 2

Billy Besson, hier mit Teamgefährtin Riou, gilt als echte Überraschung im Team von Thomas Coville © sodebo

Als echte Überraschung wird jedoch die Aufnahme von Billy Besson im Team gewertet. Der Nacra-Held (mehrfacher Weltmeister) erreichte zwar bei den letzten Olympischen Spielen nicht die erhoffte Medaille, wird aber in Frankreich weiterhin als DER Strandkat-Segler verehrt. Nachdem Marie Riou, seine Partnerin im Nacra-Mixed-Team, bei Charles Caudrelier auf der Dongfeng beim Volvo Ocean Race mitsegeln wird, habe er sich so seine Gedanken über die Zukunft gemacht, wird Besson zitiert.

Coville wiederum sieht in der Verpflichtung von Besson einen kreativen Schachzug. „Olympiasegler ticken ganz anders als wir. Typen wie Besson können mit kreativen Ideen völlig neue Aspekte in die Strategie und Taktik eines solchen Rennens einbringen,“ sagt Coville über Besson. „Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass wir viel von ihm lernen können – Neues und Frisches tun immer gut!“ 

Website „The Bridge“

The Bridge, Ultim Trimarane, Queen Mary 2

“The Bridge” – symbolischer Dank für grandiose Unterstützung in den beiden Weltkriegen © the bridge

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Transatlantik: Vier Ultim-Trimarane gegen „Queen Mary 2“ – Coville mit Nacra-Champ Besson“

  1. avatar Jorgo sagt:

    Coole Ideen haben die Franzosen ja, zumindest im Segelsport..

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  2. avatar breizh sagt:

    Klasse Idee zur Vermarktung des Segelsports. Und sollte auch noch einer Ultim-Trimarane Gewinne wäre die öffentliche Wahrnehmung perfekt.

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