Trofeo Princesa Sofia: Nacra17 sensationell – Die unglaubliche Geschichte von Paul Kohlhoff

Kohlhoffs Wiedergeburt

Paul Kohlhoff und Alicia Stuhlemmer sind sensationell in den ersten Tag der Trofeo Princesa Sofia Regatta gestartet. Besonders für den Kieler ist es eine echte Wiedergeburt.

Palma de Mallorca ist seit Jahrzehnten das zentrale Wintertrainingsrevier der deutschen Nationalmannschaft. Wenn es in Deutschland kalt wird, kann die Saison auf der gut erreichbaren Balearen-Insel verlängert werden. Und bei der Trofeo Princesa Sofia Regatta eröffnen die besten Segler der Welt traditionell die europäische Saison. Seit 50 Jahren.

Paul Kohlhoff und Alicia Stuhlemmer

Paul Kohlhoff und Alicia Stuhlemmer vor Palma. © Lars Wehrmann/German Sailing Team

Auch Paul Kohlhoff hat hier unzählige Traingsmeilen absolviert, große Erfolge gefeiert und harte Niederlagen erlebt. Aber für ihn bedeutet dieser Ort mehr als nur ein normales Segel-Revier. Hier erlebte er die schwärzeste Stunde seines jungen Lebens.

Bei einem Trainingslager im Dezember 2017 klagte der damals 22-Jährige plötzlich über so starke Kopfschmerzen, dass er sich im örtlichen Krankenhaus untersuchen ließ. Die Ärzte stellten eine Hirnblutung fest, und die notwendige Operation schien zu gefährlich. Schließlich wurde Situation so dramatisch, dass der Eingriff dringend erfolgen musste.

Die Familie zitterte um sein Leben. Wochenlang lag der Kieler Nacra17-Steuermann, der als eine der größten deutschen Segel-Hoffnungen gilt und schon 2016 in Rio für Deutschland an den Start ging, im spanischen Krankenhaus. Würde er ohne Folgeschäden, wieder auf die Beine kommen? An eine Fortsetzung der Segelkarriere war ohnehin nicht zu denken.

Die Olympiakarriere schien vorbei

Aber das wollte Kohlhoff nicht gelten lassen. Die Aussicht, vielleicht doch wieder einmal am Trapezdraht hängen zu können, gab ihm Kraft für die Genesung. Schneller als von den Ärzten geglaubt, ging es ihm besser. Doch an die Fortsetzung der Olympiakarriere war nicht zu denken. Starke Medikamente sorgten für körperliche Einschränkungen und Gewichtszunahme.

Sportlich schien die Konkurrenz weit enteilt. Schließlich zählte besonders 2017 und 2018 jede Stunde auf dem Wasser, um die Technik des zum Foilen aufgerüsteten Nacra17 zu üben. Vieles von dem, was Kohlhoff und seine damalige Vorschoterin Carolina Werner auf dem Katamaran für Olympia 2016 gelernt hatten, war unbrauchbar.

Die internationale Konkurrenz fing bei Null an. Die Lernkurve mit dem neuen Foiler war dramatisch. Und Kohlhoff musste sich auch noch mit der neuen erst 20-jähigen Vorschoterin Alicia Stuhlemmer abstimmen. Einen sportlich schlechteren Zeitpunkt für die krankheitsbedingte Auszeit gab es kaum.

Keine Ausrede

Aber der junge Steuermann wollte das nie als Ausrede gelten lassen. Er kämpfte mit seinem Körper, bekam ihn in den Griff und feierte schließlich das Comeback auf dem Katamaran. Vor diesem Hintergrund waren die Ergebnisse in der Saison 2018: EM 11., WM 14. Das Duo war noch weit entfernt von der maximalen Leistungsfähigkeit – auch vom Optimalgewicht – , kratzte aber schon wieder an der Weltspitze.

Kohlhoff genoss seine Wiedergeburt auf dem Wasser. Er hatte eine zweite Chance bekommen. Das Team arbeitete im Winter hart zusammen mit den Trainingspartnern Johannes Polgar und Carolina Werner. Der Weltcup-Auftakt in Miami zeigte mit Rang 16 noch keine deutliche Verbesserung.

Aber nach einem langen Trainingslager in Portugal hat sich die Crew offenbar auf ein neues Niveau gehievt. Im Februar beim gut besetzten Portugal Grand Prix gelang schon Platz zwei, und nun zeigt der erste Tag, was möglich ist.

Sensationeller Auftakt

Kohlhoff/Stuhlhemmer starteten mit der sensationellen Serie von 3/1/1 in die Rennserie, bei der alle Top-Teams der Welt vertreten sind. Im 59 Boote-Feld liegen sie damit deutlich an der Spitze. Bei anfangs ablandigem sehr drehenden Wind schenkten sich einige Favoriten-Crews schon hohe Platzierungen ein bevor dann eine stabile Seebrise um neun Knoten besonders deutlich die Speed-Spezialisten ihre Stärke ausspielen konnten.

Das deutsche Duo glänzte insbesondere an der Startlinie. Im dritten Rennen trauten sie sich sogar einen frechen Steuerbord-Start vor dem Feld zu – und kamen damit durch. “Wir sind einfach mega happy, dass sich die harte Arbeit aus dem Winter bezahlt macht”, sagt Alica Stuhlemmer. “Und trotzdem ist es erst Rennen drei von 16. Wir haben noch ein paar Tage, werden noch ein paar Fehler eliminieren und schauen, dass wir daran anschließen können in den nächsten Tagen.”

Was auch immer noch sportlich in Palma passiert, diesen sensationellen Auftakt haben die beiden ersteinmal in der Tasche. Und für Paul Kohlhoff ist es ein ganz besonderer Tag an diesem besonderen Ort. Er genießt jeden Moment.

Wie der erste Tag für die weiteren deutschen Teams verlaufen ist

Ergebnisse Trofeo Princesa Sofia

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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