Ultim Trimaran: Geht der heißeste freie Job im Offshore-Zirkus an Smantha Davies?

Frau am Steuer?

Am Tag als der Stapellauf der vermutlich schnellsten Yacht der Welt die Profi-Offshore-Szene beschäftigt, sorgt ein spannendes Gerücht über den ärgsten Konkurrenten für Gesprächstoff.

Es war schon ein Hammer, als das Gitana-Team die Trennung von seinem Star-Skipper Sébastien Josse bekannt gab, der acht Jahre lang die schnellsten Schiffe des Rothschild-Rennstalls lenkte. Bei der Route du Rhum musste er mit dem innovativen Gitana-100-Fußer wegen eines gebrochenen Schwimmers aufgeben und konnte als Top-Favorit nicht zeigen, dass er zurzeit den vielleicht schnellsten Offshore-Foiler der Welt führt.

Sebastien Josse

Der Maxi “Edmond de Rothschild” in vollem Flug. © Eloi Stichelbaut / Polaryse / Gitana SA

 Gitana-Sperecher dementierten, dass der Rauswurf mit dem Bruch zu tun habe. Es sei eher um die oft zitierten “unterschiedlichen Auffassungen” gegangen. Worum es sich dabei handelte, bleibt nach wie vor unklar. Manche Szene-Kenner vermuten verschiedene Meinungen in Bezug auf die weiteren Entwicklungsschritte auch in Bezug auf die Sicherheit des Hochsee-Foilers.

“Gitana17” ist in Lorient angekommen mit den zerstörten Steuerbord-Schwimmer. © Gitana

Besonders heiß kocht seitdem die Gerüchte-Küche in Bezug auf die Personal-Optionen von Gitana. Schließlich ist einer der spannendsten Positionen im Hochsee-Profi-Zirkus vakant. Wer wird den modifizierten Rothschild-Foiler zu den erwarteten Rekorden führen?

Wer wird’s?

Viele Namen wurden schon genannt. Volvo-Ocean-Race-Sieger und America’s Cup Teamchef Franck Cammas, der gerade eher einen Karriere-Knick erlebt. Charles Caudrelier, der sich mit dem Dongfeng-Volvo-Sieg ebenso auf dem Höhepunkt befindet, wie sein Navigator Pascal Bidégorry, der auch schon den 130-Fuß-Trimaran “Spindrift” um die Welt skipperte, als er noch “Banque Populaire” hieß. Oder die einfache Lösung Thomas Roxuel, der als rechte Hand von Sébastien Josse agiert.

Aber nun verdichten sich Gerüchte in eine besonders spannende Richtung. Die Wahl soll auf Samantha Davies gefallen sein. Die 44-jährige Britin trat 2014 ins Rampenlicht der Offshore-Szene, als sie beim Volvo Ocean Race das Frauen-Projekt SCA skipperte. Danach sorgte die Vendée-Globe-Vierte von 2009, die 2013 bei der ultimativen Einhand-Regatta mit einem Mastbruch ausschied, mit starken Ergebnissen in der IMOCA-Klasse für Aufsehen.

Dhream-Cup, Davies, Joschke

Sam Davies beendete 2009 die Vendée Globe als Vierte. © davies

Sie konnte sich mit “Initiatives Coeur” einen wirklich konkurrenzfähigen IMOCA sichern, der noch von dem inzwischen auf “Charal” umgestiegenen Jérémy Beyou für die vergangene Vendée Globe nachträglich mit Foils ausgerüstet und auf Rang drei gesegelt worden war. Davies Team modifizierte das acht Jahre alte Boot weiter massiv und glänzte bei drei Route du Rhum-Vorregatten 2018 mit den Plätzen 2/1/2. 

Dhream-Cup, Davies, Joschke

Sam Davies auf “Initiative Coeur” © martinez

Bei der Antlantik-Regatta segelte sie schließlich lange Zeit Bord an Bord mit Boris Herrmann, musste aber schließlich aufgeben als das Schiff zu delaminieren begann. 

Wie die Kollegin aus Holland

Davies hat an Bord ihrer reparierten IMOCA für die Atlantik Zweihand-Regatta Transat Jacques Vabre in diesem Jahr Co-Skipper Paul Meilhat an Bord, der 2018 überraschend mit dem Nicht-Foiler SMA die Route du Rhum gewann. Es wird spekuliert, dass er “Initiatives Coeur” für die nächste Vendée Globe übernehmen könnte und Davies eben den Ultim-Tri führt.

Das wäre auch deshalb eine bemerkenswerte Entwicklung für die Wertschätzung des Frauen-Segelns, weil die Kollegin Carolijn Brouwer, mit der Davies auf SCA beim Volvo Ocean Race gesegelt ist, das niederländische America’s Cup Team steuern soll.

Es gibt offenbar immer weniger Vorbehalte gegen die Leistungsfähigkeit von Seglerinnen im Vergleich mit den Männern. Und auch wenn es nur bei einem Gerücht bleiben sollte, dann zeigt schon allein diese Diskussion und der überhaupt nicht unwahrscheinliche Gedanke an eine mögliche Skipperin in einer solch exponierter Position eine unglaubliche Entwicklung.

Carolijn Brouwer

Carolijn Brouwer, die erfahrenste und nun auch erfolgreichste Volvo Ocean Race Siegerin. © Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race

Die Entscheidung scheint bei Gitana auch deshalb nicht abwegig, weil Baron Benjamin de Rothschild das Team in engster Abstimmung mit seiner starken Frau Ariane führt. Sie ist in Genf die einzige Frau, die eine Privatbank leitet. Für den Rennstall wäre es auch eine Rückkehr zu den Wurzeln. Denn die Geschichte des Engagements der Bank im Segelsport begann vor mehr als 140 Jahren auf Initiative einer Frau, Baronin Julie Caroline de Rothschild.

“Sodebo”,  der größte Konkurrent von “Gitana”, ist heute “vom Stapel gelaufen”:

Sodebo Trimaran

Der Maxi Trimaran am Haken. © Sodebo

Sodebo Trimaran

Das markante Mittelkockpit der neuen Sodebo. © Sodebo

Sodebo Trimaran

Er fliegt schon…© Sodebo

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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