Ultim Trimarane: Gabart übergibt “Macif”-Ruder an Volvo-Ocean-Race-Sieger Pascal Bidégorry

"Bin erschöpft"

Seit 2015 hatte man nicht viel von dem begnadeten Mehrrumpfpiloten Pascal Bidégorry gehört. Bis er 2019 als Volvo Ocean-Race-Navigator erfolgreich war. Jetzt schafft er doch noch den Einstieg in den Ultim-Zirkus.

Pascal Bidégorry bietet sich eine späte, aber große Chance © curutchet/dppi/macif

Eigentlich war es nur eine ganz normale Pressekonferenz. „Macif“ lud ein, um das Jahresprogramm des Segel-Rennstalls vorzustellen. Doch gleich zu Beginn wartete Francois Gabart, Star-Skipper des Ultim-Trimarans, mit einer Überraschung auf: Er werde für das britische Einhand-Atlantikrennen „The Transat“ das Ruder seines Ultims an Pascal Bidégorry übergeben. 

Gabart und Bidégorry sind seit Jahren gute Kumpel, haben bereits etliche Regatten gemeinsam gewuppt. Als wichtigsten gemeinsamen Erfolg bezeichnen die beiden den Sieg bei der Transat Jacques Vabre 2015 – die erste Regatta überhaupt für den Trimaran Macif, die gleich mit einem richtungsweisenden Triumph gekrönt wurde. 

Brest-Atlantiques war hart

Francois Gabart gab als Grund für diese außergewöhnliche Entscheidung an, dass er sich derzeit zu erschöpft fühle und trotz einiger Weihnachtsferientage noch die Zweihand-Regatta Brest-Atlantiques „in den Knochen habe“.   Einhandsegeln auf 100-Fuß-Trimaranen wie Macif erfordere permanente Konzentration und vollen physischen Einsatz. Schon der kleinste Fehler könne zur Katastrophe führen (siehe z.B. die Kenterung der nagelneuen Banque Populaire beim Training, SR-Bericht). 

Gabart und sein “Ersatzmann” für eine Regatta © courcoux/macif

Francois Gabart, der junge Überflieger und Superhochseesegler (Vendée Globe Sieger, schnellster Einhand-Weltumsegler aller Zeiten), ist erschöpft? Man mag kaum glauben, dass der 36-Jährige auch mal Schwächen zeigt. Tatsächlich bezeichnete er schon direkt nach Brest-Atlantique dieses Rennen als anspruchsvoller und schwieriger, als er es sich vorgestellt hatte. Bei der meteorologischen Einschätzung hatte Gabart einige Male daneben getippt und die Schäden am Boot haben ebenfalls für Dauerstress während der wochenlangen Rund-Atlantik-Regatta geführt. 

Erschöpft? Oder viel anderes zu tun?

Doch gerade weil es nur äußerst selten vorkommt, dass ein Ultim-Skipper einem anderen das Ruder überlässt (und sei es nur für eine Regatta), dürfte es für Gabarts Entscheidung auch noch andere Gründe gegeben haben. Schließlich hat der Vater von drei Kindern und erfolgreiche Geschäftsmann noch andere Verpflichtungen im Leben, die man für eine Regatta, deren medialer Stellenwert in Frankreich per se nicht hoch ist, durchaus vorziehen kann. Ohne dass man dabei gleich bei seinem Sponsor buckeln muss. 

Als Boss seines immer stärker anwachsenden Unternehmens Mer Concept mit derzeit ca 50 Mitarbeitern ist der Ingenieur zumindest ebenso gefragt wie als Regattasegler. Bei Mer Concept wird derzeit “Apivia” von Charlie Dahlin für die Vendée Globe vorbereitet; ganz zu schweigen vom Ultim Neubau Macif, der in einem Jahr vom Stapel laufen soll. Auch hierfür sind in den nächsten Wochen und Monaten essentielle Arbeitsschritte vorgesehen, bei denen der zukünftige Skipper des Bootes nun mal nicht fehlen sollte. 

MACIF

Jetzt schon sicher: MACIF gibt wieder Gas. Egal mit welchem Skipper. © Jean-Marie Liot / ALeA / Macif

Apropos neu und alt: Das britische Transatlantik-Rennen wird voraussichtlich die letzte große Regatta des Ultim Trimarans unter dem Label Macif sein. Der Trimaran steht bereits jetzt schon zum Verkauf und wird nach Aussagen des technischen Leiters des Macif Rennstalls ab Sommer „zur Auslieferung bereit stehen“. 

Keiner kennt den Trimaran besser

Womit wir bei Pascal Bidégorry angekommen wären. Der 52-Jährige wurde außerhalb der französischen Szene vor allem durch den Sieg beim letzten Volvo Ocean Race bekannt. Bidégorry nahm dabei nach Aussagen des Skippers Caudrelier als Taktiker eine Schlüsselrolle ein: „Ohne Pascal wäre der Spurt auf der Zielkreuz niemals gelungen!“ (SR-Bericht). 

Doch wer etwas weiter zurück in Bidégorrys Karriere geht, wird bald auf seine wahre Leidenschaft stoßen: Katamarane und Trimarane. Tatsächlich war Pascal Bidégorry schon 2001 Weltmeister bei den 60-Fuß-Mehrrumpfern, was er 2005 wiederholte und zudem noch die Transat Jacques Vabre gewann. 2007 schaffte er mit 667 Seemeilen den 24-Stunden-Rekord ebenfalls auf einem 60-Fußer-Trimaran.

2008 wurde er Skipper auf dem nagelneuen, immer noch mit 40 Metern Länge größten Renn-Trimaran der Welt „Banque Populaire V“ (heute “Spindrift”). Er schaffte zwar 2009 den 24 Stunden Rekord mit 908 Meilen und einem Durchschnitt von 37.84 Knoten und knackte die 24-Stunden-Bestmarke, aber den Jules Vernes Versuch brach er 2011 nach einer Kollision ab. Danach musste er das Steuer an Loick Peyron abgeben, der schließlich den Um-die-Welt-Rekord knackte.

Es war ein Karriere-Knick, und es dauerte seine Zeit bis der Baske wieder Erfolge feiern konnte. Der MOD70 Onedesign Trimaran-Zirkus, den er angepeilt hatte, floppte und erst Charles Caudrelier brachte Bidégorry zurück auf Spur. Er heuerte den alten Kumpel als Navigator für sein chinesisches Volvo Ocean Race Projekt Dongfeng. Nach Platz drei bei der Premiere feierte das Duo auf spektakuläre Weise den Sieg im zweiten Versuch.

Doch unter dem Strich machte der Profisegler aus dem französischen Bayonne nie einen Hehl daraus, dass er wieder Skipper-Verantwortung tragen wollte. Beim Transat Jacques Vabre half er zwar noch dem Amerikaner Charly Enright die alte “Hugo Boss” auf einen starken fünften Platz zu puschen, aber eigentlich suchte er Sponsor-Geld, um den Traum zu verwirklichen wieder auf mehreren Rümpfen segeln zu können: „Ich will wieder in den Trimaran-Zirkus zurück! Hier bin ich zuhause, hier kann ich wirklich was abliefern!“ 

Sponsoren: Augen auf!

Ist das britische Transat-Einhandrennen auf Macif nun also eine Art Freundschaftsdienst unter alten Kumpeln? Wer weiß – sicher ist jedoch, dass Pascal Bidégorry schon lange ein Auge auf den Ultim Trimaran Macif geworfen hat. Der erfahrene Multi-Segler ist seit seinem Sieg bei der TJV gemeinsam mit Gabart 2015 von dem Trimaran begeistert.Vor einem Jahr sagte er, sieben Millionen Euro für ein zweijähriges Projekt mit Macif zu suchen. Idealerweise wolle er “Macif” kaufen.

Das Schiff kennt er schließlich gut. Gabart holte ihn immer dann, wenn es knifflig wurde (etwa bei der Foil-Nachrüstung), für Trainingsschläge an Bord. Gabart: „Neben mir kommt kein anderer als Pascal mit dem Trimaran gut klar!“

Mediale Aufmerksamkeit garantiert – hier mit Francois Gabart © macif

Manche in der Szene behaupten sogar, Bidégorry habe seit einigen Jahren schon ein Vorkaufsrecht auf den Macif-Trimaran. Nur fehle eben ein finanzkräftiger Sponsor für ein ambitioniertes Ultim-Projekt. Ob er es jetzt geschafft hat?

Er solle im eigenen Interesse bei der anstehenden britischen Transatlantikregatta vorsichtig mit dem Boot umgehen, sagte grinsend der technische Leiter von Macif bei Bekanntgabe des „Ersatz“-Skippers“.  Wahrscheinlich spielte er damit auf die große Chance an, die sich Bidégorry nun bietet: Nach dem Knick in der Mehrrumpfer-Karriere, kann er nun mit einem fulminanten Volvo Ocean Race Sieg im Rücken wieder zeigen, was er auf einem Ultim-Trimaran drauf hat. 

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

Ein Kommentar „Ultim Trimarane: Gabart übergibt “Macif”-Ruder an Volvo-Ocean-Race-Sieger Pascal Bidégorry“

  1. avatar breizh sagt:

    Danke für die neuesten Informationen aus der Ultimativen Szene.
    Weiter so!

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