Ultim-Trimarane: 32 Meter „Banque Populaire IX“ im Bau – neue Solo-Rundum-Regatta 2019

Das ultimative Rennen um die Welt

Von wegen Vendée Globe – die großen französischen Rennställe bereiten sich längst auf eine Einhand-Weltumrundungs-Regatta auf foilenden 30-Meter-Trimaranen vor.

Logisch, auch unter französischen Hochseeseglern und ihren Sponsoren gilt die alte Binsenweisheit „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“. So werden derzeit einige der vermeintlich großen Rennställe finanziell sehr knapp gehalten und die Projekt-Planungen erfolgen oft nicht mehr wie früher mit einem Vorlauf von mehreren Jahren, sondern in kleinen Schritten, mehr oder weniger von Monat zu Monat.

In der Szene wird geflüstert, dass „Maitre Coq“ nach der Vendée Globe sein Engagement im Hochseesegelsport radikal kürzen will. Aber das muss vorerst als Gerücht gehandelt werden, noch gibt es keine offiziellen Verlautbarungen hierzu.

Andrerseits wird die sinkende Bereitschaft, in große, kostenaufwändige Projekte einzusteigen vor allem dann deutlich, wenn man die Schwierigkeiten betrachtet, die PR-trächtige Salzbuckel wie Jean Le Cam bei der Sponsorensuche haben. Oder wie oft in den letzten Monaten aus den Reihen der 30 Vendée Globe-Teilnehmer verzweifelt um finanzielle Hilfe gebettelt wurde.

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Francois Gabart auf seinem 32-Meter- Trimaran “Macif” © macif

Blick nach vorn

Dass dies nicht auf die Sponsoren der ganz großen Rennställe zutrifft, wurde gestern wieder deutlich, als „Banque Populaire“ die Nummer Neun ihres jahrzehntealten Engagements im Hochseesegelsport auf einem Video vorstellte. Dabei geht es um nichts Geringeres als den Bau eines neuen Trimarans der „Ultim“-Klasse, mit dem der derzeitige Vendée Globe-Favorit Armel le Cléac’h ab nächstem Jahr über die Weltmeere rasen soll.

32 Meter lang, 23 Meter breit, 890 qm Segelfläche, 14 Tonnen leicht. Das Ganze soll durch Foils aus dem Wasser gehoben werden. Noch ein Meisterwerk des Trimaran-Designs, noch ein Monstrum, das Geschwindigkeitsrekorde aller Art pulverisieren soll.

„Außer dem Video nicht Neues“, werden Kenner der Szene jetzt sagen. Schließlich wurde das Schiff bereits auf Kiel gelegt und es wird fleißig daran gebaut. Interessant ist in diesem Zusammenhang aber, dass sich das „Banque Populaire“-Team an die von der Ultim-Klasse vorgegebenen Maße hält.

Und der neue Renner soll somit nicht „auf Deibl’ komm raus“ Hochseerekorde brechen  (wie etwa „Spindrift“ mit 40 Metern Länge), sondern sich im Rahmen einer Klasse auch mit anderen, in etwa gleich schnellen Booten messen kann.

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Der junge Hochsee-Champion bei der Sundowner-Arbeit © riou, macif

Ultimative Hochseeregatta?

Womit wir beim Thema „Regatta“ angekommen wären. Mit der „Banque Populaire IX“ stellt der Rennstall der französischen Volksbank nun also einen weiteren Trimaran vor, der in den gleichen Ausmaßen wie Francois Gabarts „Macif“ gebaut wird. Mit dem wiederum stellte der letzte Vendée Globe-Sieger einen neuen Einhand-Weltrekord über 24 Stunden auf. Er gewann überlegen die Einhand-Regatta „The Transat“  und will in den kommenden Wochen den Rekord Marseille-Karthago brechen.

„Mit dem Bau eines Trimarans in den Ausmaßen der Ultim-Klassenvereinigung unterstreichen wir aber auch den festen Willen, uns für eine ultimative Regatta, einhand und nonstop um die Welt auf Trimaranen einzusetzen,“ sagte der verantwortliche BP-Designer Kevin Escoffier bei einer Präsentation des Projektes kürzlich in Paris.

Schon vor Jahresfrist hatte das „Collectif Ultim“ – das derzeit aus den großen Rennställen „Macif, Banque Populaire, Sodebo und Gitana“ besteht, die Trimarane in den Ultime-Ausmaßen derzeit unterhalten – die Entwicklung einer „ultimativen Regatta für die „Classe Ultim“ angekündigt.

Dabei soll es, genau wie bei der anstehenden Vendée Globe – nonstop rund um den Globus gehen.

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Auch Armel Le Cleac’h glaubt fest an die neue Einhand-Regatta um die Welt. er wird der Skipper der neuen “Banque Populaire IX” © Banque Populaire

Geheimes Treffen im Hotel

Die Idee zu der Ultim-Regatta um die Welt hatte Francois Gabart bereits kurz nach seinem spektakulären Vendée Globe-Sieg bei einem geheim gehaltenen Treffen in einem kleinen Hotel mit seinem „zukünftigen Kollegen“ Thomas Coville geäußert. Damals wussten nur sehr wenige, dass Gabart bereits die Zusage für den Bau des Trimarans „Macif“ in der Tasche hatte. Lediglich dessen Ausmaße waren noch nicht so richtig klar…

Das Team rund um den Trimaran „IDEC“ (ebenfalls Ultim-Klasse), mit dem der Deutsche Boris Herrmann bald wieder bei der Jules-Verne-Trophy-Rekordjagd um die Welt eilen wird, hatte eine verbindliche Beteiligung an der Regatta zurückgezogen, nachdem als Startort für die Regatta rund um die Welt die bretonische Stadt Brest festgelegt worden war. Doch ist man sich ziemlich sicher, dass für eine Regatta-Beteiligung des Rekordjägers noch nicht das letzte Wort gesprochen wurde.

Ein weiterer Kandidat aus der Ultim-Klasse, „Prince De Bretagne“ hatte bereits aus finanziellen Gründen in einer frühen Phase abgewunken – zu teuer würden die nötigen Umbauten für den „alten“ Ultim-Renner werden. Aber abwarten, vielleicht springt der Funke ja noch über.

Ein weiterer, mittlerweile wohl sicherer Kandidat für eine Teilnahme an dem neuen Rennen um die Welt dürfte das Team “Gitana” sein. Sie haben ihre MOD70 kürzlich an Maserati verkauft (SR berichtete) und wollen die zuvor gewonnen Trimaran-Foil-Erkenntnisse nun für den Bau eines Maxi-Trimarans nutzen. Zwar werden die “Baron de Rothschild”-Segler offiziell noch nicht als potentielle Teilnehmer im “Collectif Ultim” genannt, was aber nur eine Frage der Zeit sein dürfte.

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Ob “Prince de Bretagne” auch dabei sein wird? © prince de bretagne

MOD 70 ist tot, es lebe Ultim?

Rasende Trimaran-Renner, die sich in einer Klasse untereinander messen wollen… da war doch was? Richtig, die MOD70-Klasse wollte vor noch gar nicht so langer Zeit ebenfalls als ultimative Klasse mit festem Regattakalender auf der ganzen Welt punkten. Ein Vorhaben, das mangels Beteiligung schnell wieder ad acta gelegt wurde.

Transat, Atlantik, Einhand

Thomas Coville will jedenfalls auf der “Sodebo” im direkten Vergleich mit “Macif und Banque Populaire” punkten. © transat

Es ist also ein gewagtes Spiel, auf das sich Gabart, Cleac’h, Coville und ihre Sponsoren da einlassen. Der Erfolg des Unternehmens „Einhand- Nonstop- um die Welt-Regatta auf Ultim-Trimaranen“ steht und fällt logischerweise mit der Anzahl Teilnehmer und der letztendlichen Anzahl Finisher. Bei derzeit drei offiziell interessierten Rennställen und “Gitana” als ziemlich sicheren weiteren Kandidaten fast schon eine Milchmädchenrechnung. Aber schließlich haben (fast) alle Hochseeregatten einmal klein angefangen.

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Michael Kunst

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