Vendée Globe: Beyou mit Kielschaden und Wassereinbruch, Gutowski ohne Autopilot

Weitere Ausfälle

Die Siegeryacht der Vendée Globe 2008 "Maître CoQ" (ex "Foncia") von Jérémie Beyou hat schwere Kielprobleme. © JEAN MARIE LIOT / DPPI

Die Siegeryacht der Vendée Globe 2008 “Maître CoQ” (ex “Foncia”) von Jérémie Beyou hat schwere Kielprobleme. © JEAN MARIE LIOT / DPPI

Die Vendée Globe fordert weitere Opfer. Nachdem schon in der ersten Woche vier von 20 Seglern aufgegeben hatten, reißen die Hiobsbotschaften von der Rennstrecke um die Welt nicht ab. Der Franzose Jérémie Beyou (“Maître CoQ “) steuert mit einem gebrochenen Hydraulik-Zylinder Mindelo auf den Kapverden an. Und der Pole Zbigniew Gutkowski (“Energa”) scheint seine schwerwiegenden Autopilot-Probleme, die zu einer haarsträubenden Kenterung führten, nicht mehr in den Griff zu bekommen.

Beyou, der auf Position sieben mit einem Rückstand von 180 Meilen auf die Spitze noch gut im Feld mithalten konnte,  berichtet über ein plötzliches lautes Geräusch. “Ich segelte mit einem Speed von 21 Knoten, als es passierte und das Boot plötzlich stärker krängte”, berichet der Skipper, der vor einem Jahr mit Konkurrent Jean Pierre Dick auf einem Boot das Transat Jaques Vabre Atlantik Rennen gewonnen hatte.

War es das für Beyou? So wird er ohne neigefähigem Kiel jedenfalls nicht mehr abheben. © JEAN MARIE LIOT / DPPI

War es das für Beyou? So wird er ohne neigefähigem Kiel jedenfalls nicht mehr abheben. © JEAN MARIE LIOT / DPPI

Die Verbindung zum Hydraulik-Zylinder sei gebrochen. Der Kiel ist aus seiner Luvstellung zur Mitte geschwungen und der 36-Jährige konnte eine Kenterung nur vermeiden, indem er sofort auf einen Vorwindkurs abdrehte.  Bei der Havarie wurde außerdem die Dichtung an der Kielwurzel beschädigt, so dass seitdem Wasser in den Rumpf eindringt.

“Die Pumpen bringen das Wasser raus. Aber die beschädigten Teile sind sehr empfindlich und wichtig. Ich muss jetzt einen ruhigeren Ort finden, wo ich überlegen kann, was zu tun ist. Ich bin nicht mehr schneller als 5 bis 6 Knoten, werde also die Kapverden in etwa 7 Stunden erreichen.

Yacht des Titelverteidigers

Beyou ist mit dem alten Boot von Titelverteidiger Michel Desjoyeaux unterwegs und erörterte mit dem “Professor” die Möglichkeiten zur Reparatur. So sagt er nun: “Ich muss eine Möglichkeit finden, den Kiel in der Mittelposition festzusetzen. Dann bin ich zurück im Rennen.”

Sollte die Kielbombe nicht mehr nach Luv geschwenkt werden können droht ein starker Leistungseinbruch. © JEAN MARIE LIOT / DPPI

Sollte die Kielbombe nicht mehr nach Luv geschwenkt werden können droht ein starker Leistungseinbruch. © JEAN MARIE LIOT / DPPI

Aber wenn die Kielbombe nicht mehr nach Luv geschwenkt werden kann, verliert der Sieger der beinharten La Solitaire du Figaro Regatta 2011 einen großen Teil der Leistungsfähigkeit seiner Yacht. Schwer zu glauben, dass der Franzose mit dem kaputten Kiel in den Southern Ocean will. Dennoch beharrt er: “Wenn es eine klitzekleine Chance gibt, mache ich weiter. Ich habe dieses Rennen nicht begonnen, um schon bei den Kapverden aufzugeben.”

Das Team von Beyou äußert sich überrascht über den Bruch. Denn die Hydraulik-Verbindung sei aus Titan gefertigt und in der Lage, eine Belastung von 120 Tonnen auszuhalten. Die höchsten Lasten auf dem 60 Fußer Kiel betragen aber nur 40 Tonnen.

Patenthalse bei Segelwechsel

Auch der Pole Zbigniew Gutkowski steht mit seiner “Energa” kurz vor der Aufgabe. Seit Tagen ärgert er sich mit Elektronik-Problemen herum, die seine Autopiloten nicht richtig funktionieren lassen. Als Folge daraus drehte sein Schiff eine Patenthalse, als er sich bei einem Segelwechsel auf die Selbststeuerung verlassen musste. Dabei warf es die Yacht auf die Seite und der Gennaker vertörnte sich um das Vorstag.

Gutowski wartete bis Sonnenaufgang, dann kletterte er auf das Vorschiff. “Nach zwei Stunden harter Arbeit, lag alles auf dem Deck. Ich hatte Glück, dass ich nicht in den Mast musste. Das Segel ist etwas beschädigt aber immer noch in einem Stück.”

Der Pole äußert sich aber sehr betrübt über das Selbststeuerungs-Problem: “Ich bin wirklich ratlos. Die Situation mit dem Autopiloten wird sich in den nächsten Tagen nicht verbessern. Und ich will wirklich nicht auf dem ganzen Weg um die Welt damit kämpfen. Es wäre dumm, ohne Autopilot in den Southern Ocean zu segeln. Ich kann jetzt noch keine Entscheidung treffen. Ich muss nachdenken. Ich habe nicht viel geschlafen.”

Positiv hat sich die Situation für den dritten Havaristen Javier Sansó entwickelt. Der Spanier, dessen Großsegel nach einem Problem mit dem Fall von oben gekommen ist, hatte vor der Nordost-Küste von Teneriffa die benötigte Stelle mit Wind- und Wellen-Schatten erreicht und seinen Kletter-Akt in den Mast samt erfolgreicher Reparatur bewältigen können. Unglücklich war Sansó allerdings darüber, dass er acht Stunden in der Flaute lag.

Derweil hat an der Spitze des Feldes Armel Le Cléac’h (Banque Populaire) seinen Vorsprung auf 60 Meilen ausgebaut. Aber er wird in der Nacht zuerst die flautenreichen Doldrums erreichen. Das eng zusammenliegende Feld der ersten sechs Yachten könnte sich neu mischen.

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „Vendée Globe: Beyou mit Kielschaden und Wassereinbruch, Gutowski ohne Autopilot“

  1. avatar 123 sagt:

    Sowas macht das Rennen spannend!

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  2. avatar Christian1968 sagt:

    Die haben ja alle Jahre der Vorbereitung in dieses Rennen gesteckt, welches 2-3 Monate dauern wird und dann macht einem die Technik nach ein paar Stunden bzw. Tagen eine Strich durch die Rechnung. Das muss sehr niederschmetternd sein.

    Hoffentlich bleibt es bei reinen Materialschäden und die Skipper komen alle wohlbehalten an.

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  3. avatar SB sagt:

    Beyou ist raus aus dem Rennen. Der nächste bitte.

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