Vendée Globe: Duell in Sichtweite zwischen Gabart und Le Cléac’h; Dick klettert ins Rigg

Im Reich der Albatrosse


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Bei der Vendée Globe liegen Francois Gabart und Armel Le Cléac’h 11.000 Meilen vor dem Ziel immer noch gleichauf. Jean-Pierre Dick berichtet über den gefährlichen Aufstieg in den Mast.

Der unglaubliche Zweikampf an der Spitze der Vendée Globe setzt sich auch am 41. Tag auf See fort. Bei der Passage von Neuseeland liegt Francois Gabart 2,7 Meilen vor Armel Le Cléac’h und segelt teilweise in Sichtweite. Beide Segler geben an, die Kontaktaufnahme per Funk versucht aber nicht geschafft zu haben.

Albatrosse bei der Vendée Globe

Albatrosse begleiten den Weg der Vendée Globe Piloten. © di Benedetto

Vor vier Tagen schien es noch so, als könnte der jüngere Gabart den Widerstandsgeist seines Kontrahenten gebrochen haben, als er sich auf direktem Kurs knapp 50 Meilen Vorsprung erkämpfte. Aber bei der Ansteuerung des zweiten Australien-Tores zahlte sich sein spitzerer Kurs in Richtung einer Starkwindzone nicht aus.

Le Cléac’h verkürzte die Distanz mit einer direkteren Linie und zog sogar an Gabart vorbei. Seitdem wechselte die Führung noch zweimal. Die beiden Franzosen lassen sich nicht aus den Augen.  Wettfahrtleiter Denis Horeau, der schon viermal die Vendée Globe geführt hat, kann sich an ein solches Duell nicht erinnern.

Vendée Globe am 21.12.

Die Situation bei der Vendée Globe am 21.12. Das Duell an der Spitze setzt sich fort.

Er glaubt, dass es zwei Gründe für die unglaubliche Nähe der beiden Kontrahenten gibt. Die Eistore hätten die Strategie geändert und den taktischen Spielraum verringert. Außerdem segel beide Athleten einen ähnlichen Stil in sehr ähnlichen Yachten, in deren beider Bau der zweimalige Vendée Globe Sieger Michael Desjoyeaux involviert war. Dazu bekommen sie die gleichen Wetterinformationen im gleichen Gebiet und benutzen die gleichen Routing-Programme.

Jean-Pierre Dick klettert zwei Stunden im Rigg

Das Vendée Globe Feld passiert Neuseeland.

Das Vendée Globe Feld passiert Neuseeland.

Entscheidend kann also schließlich der Zustand des Bootes werden. Das musste jedenfalls Jean-Pierre Dick feststellen, dem offenbar der Schäkel eines Vorsegel-Falls gebrochen ist. Er konnte einige Tage lang nicht mehr den kleinen Spinnaker und Gennaker setzen und verlor auch dadurch den Anschluss an die ersten beiden.

Dennoch ist Dicks Aufstieg in den Mast ein Beispiel dafür, worum es auch bei dieser Vendée Globe geht. Die Jungs da draußen sind echte Abenteuerer und müssen  weitaus mehr als taktisches Wissen einbringen, wenn sie diese Herausforderung bestehen wollen.

Tanguy De La Motte und sein Roboter.

Tanguy De La Motte kommuniziert mit seinem Roboter. © De La Motte

Der Franzose aus Nizza musste eine Phase mit etwas ruhigerem Wetter abwarten, bevor er in den Mast klettern konnte. “Man stellt sich schon einige Fragen, bevor man in den screaming fifties in das Rigg steigt”, sagt der Barcelona World Race Sieger. “Ich drehte das Schiff vor den Wind, so dass es auf zehn Knoten abstoppte, und kletterte in das pendelnde Rigg. Es war sehr gefährlich. Ich wurde hin- und her geworfen. Aber nach zwei Stunden hatte ich es geschafft und das beschädigte Teil ausgewechselt. In diesen Breiten der Welt bekommt man nicht oft die Chance, zum Luft-Akrobaten zu werden. Aber ich bin froh, dass `Virbac-Paprec´ ab jetzt wieder mit seinem vollen Potenzial segeln kann.”

Ruderspitze bei Spanier Sanso abgebrochen

Die großen Hiobsbotschaften halten sich ansonsten im heftigsten Teil des Southern Ocean in grenzen. Der Spanier Javier Sanso berichtet zwar, dass er nach einer Kollision 40 Zentimeter seines Ruders verloren habe. Aber die Spitze des Blattes sei an Sollbruchstelle abgeknickt und das Rennen nicht gefährdet.

Schöne Surf-Rampen im Southern Ocean

Schöne Surf-Rampen im Southern Ocean. © De La Motte

Alex Thomson muss nach wie vor Strom sparen, seit er den Hydrogenerator nicht mehr einsetzen kann, wenn er mit Wind von Backbord segelt. Die Aufhängung ist zerstört. Möglicherweise hat er deshalb für knapp sieben Stunden nach Norden gehalst, um die Batterien mit dem zweiten Schlepp-Generator aufzuladen. Der Schlenker hat ihn jedenfalls die 40 Meilen Vorsprung vor Berhard Stamm gekostet, der nun mit einem etwas südlicheren Kurs leicht voraus liegt.

Dahinter hat sich Jean Le Cam klar von Mike Golding und Dominique Wavre absetzen können. Die beiden Oldies müssen sich eher der Angriffe von Sanso erwehren, der nur noch 70 Meilen hinter Wavre liegt.

Am Ende des Feldes segelt Alessandro di Benedetto 4500 Meilen dem Feld hinterher. Sein 12 Jahre altes Boot ohne Neigekiel war von Anfang an niemals konkurrenzfähig, aber der Italiener genießt seinen Aufenthalt im Southern Ocean und ist besonders begeister von den Albatrossen, die seinen Weg begleiten.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Vendée Globe: Duell in Sichtweite zwischen Gabart und Le Cléac’h; Dick klettert ins Rigg“

  1. avatar Capitan Futuro sagt:

    Ich habe es schon Mal geschrieben: es ist unglaublich! Nach bald viel Wochen immer noch in Sichtweite zu segeln, einfach unglaublich und vor allem auch unglaublich spannend. Obwohl ja nicht sooo viel passiert, jedes Mal, wenn ich ma PC sitze schaue ich zuerst auf den Tracker von Vendeeglobe.

    Im Moment segeln ja B. Stamm und A. Thomson im spitzen Winkel aufeinander zu. Nächstens müssen die wohl die Vortrittsregeln hervor nehmen und das in Mitten im Nirgendwo.

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  2. avatar AC73 sagt:

    Cleach vs Gabart – Der eine segelt eine Idee besser und der andere hat einen kleinen Vorteil beim Boot. Wenn es keinen Bruch gibt, könnte diese Parität sogar zu einem Herzschlagfinale führen?

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    • avatar Olli sagt:

      ??? Darf man erfahren, wer von beiden denn welcher sei? Segelt Gabart besser oder Le Cléac’h? Welches Boot ist warum besser? Das Segel? Daran liegt es nicht! Vielleicht pusht der Jungspund zu sehr, aber immerhin hat er eine halbe Weltumrundung schneller als jedes Einrumpfboot zuvor hingelegt und der Mast zeigt nach nach oben und der Kiel nach (schräg) unten.

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  3. avatar Heini sagt:

    Das Beste ist die Frisur von Jean Le Cam 😀

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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