Vendée Globe: Kito de Pavant mit “Groupe Bel” von Fischtrawler gerammt

Fischer gegen Kuh

Kollision vor der Küste Porugals: Die Groupe Bel mit Skipper Kito de Parvant © martin raget

Kollision vor der Küste Portugals: Die Groupe Bel mit Skipper Kito de Pavant © Martin-Raget

Die Vendée Globe macht ihrem Namen als härteste (und verlustreichste) Regatta der Welt schon jetzt alle Ehre: Heute Morgen wurde Kito de Pavant mit seiner Groupe Bel gegen 10 Uhr von einem portugiesischen Fischtrawler gerammt, der offenbar sein AIS-Gerät nicht eingeschaltet hatte.

Kito ist wohlauf, hat die Kollision körperlich unbeschadet überstanden. Die Schäden am Schiff sind desaströs: Rüssel weitgehend abgerissen, Backbord-Outrigger zerstört, die Brücke über mindestens 2 Meter aufgerissen.

Der Franzose mit der großen Kuh im Segel ist jetzt unter zweifach gerefftem Groß, 2,5 m Seegang und 25 kn Wind aus NW mit einer Geschwindigkeit von 9 kn auf dem Weg nach Cascais.

Über den genauen Unfallhergang ist noch nicht viel bekannt – die Sicht war offenbar korrekt, Kito muss sich wohl unter Deck im vollen Vertrauen auf AIS aufgehalten haben, als er sich dem Trawler näherte.

Mittlerweile dürfte ihm die Späße vergangen sein: Kito de Parvant vor dem Start © miku

Mittlerweile dürfte ihm die Späße vergangen sein: Kito de Parvant vor dem Start © miku

Die Küste vor Portugal wird von vielen Crews gefürchtet, weil dort die Fischer „die Herren der Meere“ sind und zahlreich, in großen Flottenverbänden ihrem Job nachgehen.

Nach Bertrand de Broc auf seiner „vnadm“, der vor dem Start havarierte und mittlerweile nach Reparatur wieder zurück im Rennen ist und Marc Guillemot, der den Titan-Kiel seiner Safran einbüßte, ist Kito De Parvant bereits der dritte Pechvogel innerhalb 36 Stunden.

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Michael Kunst

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14 Kommentare zu „Vendée Globe: Kito de Pavant mit “Groupe Bel” von Fischtrawler gerammt“

  1. avatar Meteosailor sagt:

    Grundsätzlich ist Einhandsegeln hinsichtlich KVR und Ausguck als (rechtlich) sehr bedenklich zu betrachten. Sich nur auf AIS/Radar zu verlassen nahezu schon grob fahrlässig. Ohne vorschnell urteilen zu wollen, aber ich vermute auch, dass Fischer nicht unbedingt mit so flotten Seglern rechnen…

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Supi – was jetzt unbedingt starten sollte ist eine Diskussion über “gute” Seemannschaft. Vielleicht hat ja jemand ein Foto, auf dem man womöglich nachweisen kann, dass Kito de Pavant dabei keine Rettungsweste getragen hat ;-))

      Ich bin ja auch dafür, dass in der Formel 1 die Geschwindkeit auf 50 km/h reduziert wird. Das würde das Unfallrisko deutlich reduzieren und damit der Allgemeinheit einen echten Gefallen tun. Ebenso Radrennfahrer – Geschwindigkeitsbegrenzung und Gurtpflicht (und natürlich eine gescheite Beleuchtung mit Katzenaugen ;-)) Freeclimbing nur noch mit Sicherungsseil und Sicherheitstrampolin – das ist ja sonst auch dem Nachwuchs nicht vermittelbar ….

      VG
      (ich hol schon mal die Chips …)

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      • avatar Meteosailor sagt:

        Vermutlich hilfts schon wenn du über das Schlagwort des SR Berichtes nachdenkst, damit beweist du schon wie sicher du selbst bist 😉

        Nachdem der Rüssel von Kito ab is hat wohl nicht der portugiesischen Fischtrawler, sondern der durch alle sportlichen Gesetze von jeglicher Umsicht, Aussicht und Vorraussicht befreite Segler den Fischer gerammt. Aber solange man den ambitionierten Schlagzeilen glaubt, bastelt man sich seine Welt…. bei dir wohl mit Sternen aus Katzenaugen und realitätsnahen Fernsehsport! Bleib am Ball und berichte uns doch! 😉

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        • avatar SR-Fan sagt:

          Tja, Meteosailor – wie Du vielleicht gelesen hast, habe ich mir im Gegensatz zu Dir keine Gedanken über die Schuld gemacht. Das mag daran liegen, dass ich mir hier vor dem Rechner nicht anmaße zu wissen, wie sich der Vorfall zugetragen hat. Was mich nur auf die Palme gebracht hat, war der (typisch deutsche) erhobene Zeigefinger. Gerade der Satz …
          “Grundsätzlich ist Einhandsegeln hinsichtlich KVR und Ausguck als (rechtlich) sehr bedenklich zu betrachten. Sich nur auf AIS/Radar zu verlassen nahezu schon grob fahrlässig”
          … ist schon so grotesk, dass ich (ohne Deinen Nachsatz) beinahe von Ironie ausgegangen wäre. Es ist dieses typische “das hätte ich doch gleich sagen können, dass das nicht klappt” was von den Leuten hochgehalten wird, welche das respektive ihr Mittelmaß als Maßstab für den Rest des Planeten heranziehen.

          VG

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          • avatar Backe sagt:

            Wo bleibt Bobby S. Segelpapst (TM)?

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      • avatar jer sagt:

        wie recht du hast SR-Fan. Manche Personen haben wohl den Sinn der Round the worls races noch nicht so ganz verstanden

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      • avatar Wilfried sagt:

        schön wie bei jedem Vorfall der Reflex kommt den “Schuldigen” zu ermitteln. Wer sich aufs AIS verlässt ist verlassen, insbesondere da Fischer je nach Größe hier weder Ausrüstungs- noch Einschaltpflichtig sind. Wenn diese Küste so bekannt für dieses Problem ist (hab ich jetzt auch bloss gelesen) ist Blindflug gefährlich. Zudem sollte man nicht vergessen, das man gegenüber Fischern bei der Arbeit auch keine Vorfahrt hat. Für eine Beurteilung (nicht Urteil) sollte man erst mal die originalen Kommentare beider Betroffenen haben.
        Was mich jedoch wundert-hatte man früher nicht auch Radar mit Kollisionswarner schon wegen Eis, oder ist das heute aufgrund der Icegates einfach weggefallen? Won sind die Fachleute der Einhandszene die kompetent etwas zu Risiko und Risikominderung sagen können?

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  2. avatar armchairadmiral sagt:

    DIGGER!!!
    Seemannschaft!

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  3. avatar N00by sagt:

    Ähem…wer glaubt eigentlich dass AIS dem Sportboot etwas hinsichtlich Kollisionssicherheit bringt? Der möge mir den Kapitän zeigen, die Sportboote *nicht* auf seinem AIS ausgeblendet hat….

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  4. avatar Frank sagt:

    Also ich habe bisher auf meinem Mini auf das AIS vertraut und hatte nie Probleme mt der Berufsschiffahrt. Nicht dass ich damit rechne, dass der Tanker abdreht – aber ich weiss, wer sich auf Kollisionskurs zu mir befindet und kann dann reagieren.

    Zugegeben bei 17kn schrumpfen die Entscheidungsmöglichkeiten etwas zusammen aber so schnell ist es dann wieder doch nicht.

    Im Übrigen sind die großen Fischer ausrüstungspflichtig.

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    • avatar N00by sagt:

      Ausrüstungspflicht besteht ab 300 BRT – ob das für ‘den’ Fischer zutrifft weiß ich nicht.

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      • avatar Wilfried sagt:

        Stimmt theoretisch, heiss t aber noch lange nicht das die Anschalten. Ich habe es häufig genug erlebt, dass ich ein Schiff (130m lang, Name nenne ich jetzt nicht) gesucht habe, das sein AIS von Süden kommend erst am Ärmelkanal eingeschaltet hat.

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  5. avatar Ready2fly sagt:

    Man fasst es nicht, daß es schon drei dieser Vollblutsegler quasi vor der Haustüre und bei moderatem Wetter erwischt hat. Ohne jede Schadenfreude oder Überheblichkeit finde ich was bisher passiert ist, aber schon etwas peinlich, vorsichtig ausgedrückt.

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    • avatar Jan-X sagt:

      Naja, die Fälle sind aber schon ein wenig unterschiedlich gelagert, oder?

      Der Erste: Ein unvorsichtiger Helfer
      Der Zweite: Materialversagen
      Der Dritte: Auffahrunfall nach Sekundenschlaf

      Kann man alles eben nicht ausschließen, ist eher Pech als Unvermögen, m.E.
      Es zeigt aber, wie hart an der Grenze zum Unmöglichen konstruiert, gebaut und dann gesegelt wird.
      Wenn man weiter Sponsoren überzeugen will, dass sich ihre Millionen nicht schon in der Biskaya in Fetzen auflösen wird man wohl nicht anders können, als ein paar Teile mit deutlich höheren Sicherheits-Margen vorzugeben, vielleicht sogar zu vereinheitlichen. Auch die Ausrüstung wird sicher diskutiert werden (z.B. statt nur mit AIS auch mit Radar zu fahren o.ä.).
      Hoffentlich. Das seglerische Können sollte das Entscheidende sein.

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