Vendée Globe-Porträt: Segel-Schnauze Jean Le Cam segelt auf Position 5 Richtung Ziel

Gesalzenes vom Salzbuckel


Portrait Jean Le Cam von VendeeGlobeTV

Für die Franzosen ist er einer der ganz Großen des „Grand Large“: Jean le Cam überzeugt seit Jahrzehnten durch enormes Segel-Talent, freche Sprüche und Zurückhaltung im richtigen Moment. Ein echter Charakter bei der Vendée Globe

Les Sables d’Olonnes im November 2012, drei Tage vor dem Start der Vendée Globe. Ein paar befreundete Journalisten und Fotografen mit unterschiedlichen Arbeitgebern aber der gleichen Passion fürs Segeln haben sich mitten im Ort ein dreistöckiges, ziemlich bourgeoises Haus gemietet, wo sie auf ihre ganz besondere  Art die „härteste Regatta der Welt“ zelebrieren.

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“Essen ist an Bord so ziemlich das Wichtigste!” © Curutchet

Eine perfekt bestückte Küche neben dem opulenten Speisesaal ist der Mittelpunkt des Szenarios – die Kochkünste einiger Schreiber sprechen sich schnell herum, hierhin lässt man sich gerne zum Interview bitten. Heute Abend futtert sich auch Jean le Cam durch mehrere Gänge… zunächst schweigend.

Kurz vor dem Dessert, als schon die eine oder andere Flasche des besten Blanc und Rouge gelenzt wurden, wird er dann doch gesprächiger. „Super, das Essen!“ und „Ich liebe gutes Essen. Dafür würde ich meilenweit segeln!“  Interviews wolle er jetzt aber nicht geben. „Dieses ewige Geschwätz um das Ego von ein paar Matrosen!“

Ich würde ihn ja am liebsten fragen, warum er sich als 53 jähriger Familienvater die Vendée Globe nochmals antut, nachdem er 2008 vor Kap Hoorn gekentert war, eingeschlossen im Schiff im Eismeer trieb und vom Kollegen Riou nur knapp gerettet werden konnte. „Stellt Euch vor,“ sagt da Le Cam, „neulich hat mich einer gefragt, warum ich bei der VG wieder mitmache. So eine bescheuerte Frage: „Entweder man ist Segler oder man ist kein Segler!“

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“Das bisschen IMOCA werd’ ich schon um die Welt schubsen!” © curutchet

Le Cam das “Original”

Womit sicher gestellt ist, was Jean le Cam nun wirklich ist: Segler! Und zudem ist er genau das, was man landläufig mit einem „Original“ bezeichnet.

Die einen behaupten von ihm, er sei ein „Charakter“ und verzeihen ihm fast alles. Andere verweisen auf gewisse verbale Entgleisungen eines oft mürrisch wirkenden, mitunter exzentrischen Skippers, den man an Land nicht so richtig ernst nehmen könne. An Land, wohlgemerkt. Denn auf See zeigte er schon immer, was er wirklich drauf hat.

Aufgewachsen auf dem Segelschiff seines Vaters in der Bucht von Concarneau, gab es von Anfang an für ihn nur eines: Segeln. Mit 18 sitzt er bei Legende Tabarly auf der Kante – der will ihn nicht mehr hergeben. Le Cam geht dennoch seine eigenen Wege, schafft es immer irgendwie zu eigenen Schiffen.

Er gewinnt eine Transat AG2R, wird zweifacher französischer Meister im Formule 40, siegt drei Mal bei der Solitaire du Figaro, segelt im Speed-Dream-Team “Hydroptère” rund um Alain Thébault mit. Es geht kaum noch besser für französische Verhältnisse, gäbe es da nicht diese Monster zur See…

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“Mastklettern ist so ziemlich der einzige Sport, den ich mache!” © Curutchet

Schlicht genial

Er versucht sich auf den 60Fuss-Mehrrumpfern, auf den 60 Fuss-Monohulls und… scheitert. Zumindest bezeichnete er vor 15 Jahren zweite und dritte Ränge noch als Scheitern. Er wusste eben noch nicht, dass er die nächste Zeit auf diesem Niveau bleiben würde.

Damals träumte er schon seit Jahren von der Vendée Globe, sagte einmal, sie sei „seine Schicksalsregatta“. Bingo: In 2004 macht er erstmals mit, segelt souverän vorneweg, bis ihn Vincent Riou „auf der Zielgeraden im Atlantik“ einholt. Riou spielt auch bei der nächsten Vendée Globe Schicksal für Le Cam, als er ihn aus seinem gekenterten Schiff vor Kap Hoorn befreit und in Brasilien absetzt.

Und jetzt, 3 Monate nach dem oben beschriebenen Abendessen (das le Cam übrigens Rock’n Roll-tanzend erst früh morgens beendete), liegt er 400 sm vor dem Ziel auf Rang 5…

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Besonders gefürchtet: Seine On-Board-Video-Gespräche mit den Stofftieren © Le Cam

Doch was sind schon schnöde Platzierungen? Diese Vendée Globe ist im Prinzip genau so verlaufen, wie er sie sich vorgestellt hatte: „Ich muss da runter, am Hoffnungskap vorbei, Australien links liegen lassen, und vor Kap Hoorn werde ich die Augen aufhalten, weil dort noch mein altes Maskottchen rumtreiben muss, ein Stoff-Igel. Wenn ich dann den Südzipfel Amerikas hinter mir liegen habe, werde ich die eine oder andere Träne der Rührung vergießen und machen, dass ich nach Hause komme!“

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Vendée Globe-Porträt: Segel-Schnauze Jean Le Cam segelt auf Position 5 Richtung Ziel“

  1. avatar Backe sagt:

    Wann nimmt der eigentlich mal diese Mütze ab?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  2. avatar G54 sagt:

    Sein Sponsor stellt die doch her……

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

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