Vendée Globe: Der Schweizer Bernhard Stamm könnte für eine Überraschung sorgen

"Diesmal muss es klappen. Unbedingt!"

Entschlossen oder schon verbissen? © curutchet

Entschlossen oder schon verbissen? © curutchet

„Ankommen, nichts als ankommen“

Das ist die erklärte Devise von Bernhard Stamm. Nicht mehr, nicht weniger. Doch bei ihm hat das nichts mit der Taktik des geringsten Widerstandes zu tun, sondern mit Erfahrung. Schlechter Erfahrung. Der Schweizer ist „tief in seinem Inneren verletzt,“ wie in seinem Umfeld hinter vorgehaltener Hand geflüstert wird. Und er würde nur genesen, wenn er diesmal die Runde schaffe. Nur dann.

Stamm und die Vendée Globe verbindet so etwas wie eine Hassliebe. „Seit 12 Jahren ist bei mir alles auf diese Regatta ausgerichtet. Früher wollte ich sie unbedingt gewinnen, heute reicht ein Durchkommen!“ sagt er auf seiner nagelneuen Cheminées Pujoulat, ganz hinten, am Ende des Steges – meerwärts liegt er schon mal auf Rang 1. Ob das ein gutes Zeichen sei? Er zuckt mit den Schultern: „Ich gebe nichts mehr auf irgendwelche Weissagungen. Ich will Realitäten schaffen!“

Was der Mann braucht ist Glück – nichts anderes! © liot

Was der Mann braucht ist Glück – nichts anderes! © liot

In 2000 baute er sich mit Hilfe von wahren Heerscharen von Freunden und Unterstützern seinen ersten Open-60 selbst, wurde gerade noch rechtzeitig fertig… und 9 Tage nach dem Start muss er aufgeben. „Nichts funktionierte mehr auf dem Schiff, ich hatte das Gefühl, es würde gleich auseinander fallen!“

2004 stürzt er sich mit bewundernswerter Energie (für die er aber auch gefürchtet wird) wieder in sein ganz persönliches Abenteuer Vendée Globe… und verliert ein paar Wochen vor dem Start bei einer Transat den Kiel. Eine bittere Pille, die Stamm tapfer und voller Wut schluckt um in 2008 dann mit der ehemaligen Virbac-Paprec eine neue Kampagne zu wagen.

Das Schiff wurde von Grund auf umgebaut, war in bestem Zustand… und muss doch aus der Vendée scheiden: Vor den Kerguelen gibt Stamm erneut auf – diesmal wegen Materialfehler im Ruder.

Das geilste Boot am Start © liot

Das geilste Boot am Start © liot

Die Wut wächst und wächst…

Es gibt mittlerweile eine Menge Leute aus seinem Umfeld, die „drei Kreuze schlagen“, würde er es endlich schaffen. Weil die Vendée Globe zu einem Fixpunkt im Leben des Schweizers geworden ist, das eine Thema, um das sich alles dreht. Mit anderen Worten: er ist ungenießbar. „Es muss jetzt losgehen,“ sagt er und schaut über das Deck seines wunderbaren Kouyoumdjian-Bootes. „Und es muss klappen!“ Viele unken, er habe das teuerste, neueste und somit beste Boot, wenn es jetzt nicht klappt, dann… „Wer hört schon auf das Geschwätz der anderen? Meine echten Kumpel würden so etwas nie sagen!“ winkt er ab.  Und wirklich, Kollegen wie de Broc oder Riou sagen frank und frei: „Wenn Stamm durchkommt, dann gewinnt er auch!“

Bernhard Stamm ist bereit, immer alles zu geben. Alles zu riskieren, alles einzusetzen… bis ihn irgendwann wieder das Glück verlässt. Gestern Abend wurde eine Geschichte über ihn erzählt, die irgendwie bezeichnend ist: Als junger Mann begeisterte er sich für schnelle Motorräder, fuhr Rennen. Jahre später, einen paar Stunden vor dem Start zu einer lange vorbereiteten Transat, bot ihm jemand einen Boliden zum Test an, einfach so.

Sein Team, seine Betreuer, keiner wollte seinen Augen trauen, als sich Stamm auf den Renner setzte, um mit 260 km/h über die Autobahn zu rasen, alles zu riskieren. Keinen Gedanken daran verschwendend, dass sich Dutzende aufgeopfert haben, damit er in ein paar Stunden über den Atlantik segeln kann.

Stamm bei seinem Idol Knox-Johnson – strahlen vor Glück © miku

Stamm bei seinem Sir Robin Knox-Johnston – strahlen vor Glück © miku

Stamm kann auch anders…

Doch auch Stamm hat „die andere Seite“. Die bedächtige, interessierte, vielleicht sogar ein wenig nostalgische. Als er neulich auf seinem Team-Zodiac rüber in den Klassiker-Hafen fuhr und sein altes Idol Sir Robin Knox-Johnston besuchte, der ihn auf der „Suaheli“ wie einen verlorenen Sohn willkommen hieß. Stamm strahlte wie ein glücklicher Junge, wirkte um Jahre jünger. Vielleicht hat er sich ja hier ganz still und leise etwas für die komemnde Regatta vorgenommen. Etwas, das mit Ruhe und Bedacht zu tun hat.

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Vendée Globe: Der Schweizer Bernhard Stamm könnte für eine Überraschung sorgen“

  1. avatar Marc sagt:

    Tja wie in der Formel 1 gilt: Schnell segeln ist das eine, aber auch materialschonend segeln das andere. Wie wir auch beim VOR dieses Jahr gesehen haben.

    To finish first, you first have to finish!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar sr-leser sagt:

    Der Mann heisst Knox-Johnston, nicht Konx-Johnson.

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