Vendée Arctique: Herrmann und Joschke in der Spitzengruppe – bereits drei Ausfälle

Harte Generalprobe

Ein Trio an der Spitze, die beiden Deutschen im Doppelpack in der Verfolgerrolle und bereits drei Ausfälle: Das neue Vorbereitungsrennen für die Vendée Globe, das 3500 Seemeilen lange Vendée Arctique, geizt nicht mit Spannung.

Die “Charal” hat auf dem Weg in den Norden die Führung übernommen. © Gauthier Lebec / Charal

Nach dem Start vor fast drei Tagen vor dem Start- und Zielort Les Sables-d’Olonne hat die Flotte der verbliebenen 17 Imocas bereits die Keltische See und eine stürmische Nacht vor der irischen Küste im Kielwasser. Konnten die Spitzenreiter zuletzt ordentlich auf das Gaspedal treten (Spitzenreiter Jérémie Beyou loggte auf der „Charal“ in den vergangenen 24 Stunden 347 Seemeilen), wird es in den kommenden Tagen wohl ein zähes Taktikrennen. Denn vom aktuellen Standort der Yachten bis zum nördlichen Wegpunkt vor Island erstreckt sich eine ausgeprägte Schwachwindzone, die sich dort wohl auch noch einige Tage halten wird.

Boris Herrmann gehört nach fast drei tagen auf See als Vierter zu den särksten Verfolgern der Spitzenreiter.

Die „Charal“ hat heute morgen die seit dem Start führende „LinkedOut“ von Thomas Ruyant überholt. Für Beyou zahlte sich bei der Passage von Irland die weiter westlich gewählte Route aus. Die „Charal“ segelte mehr Speed und sparte Weg gegenüber der „LinkedOut“. Die „Apivia“ mit Skipper Charlie Dalin wählte einen parallelen Kurs zur „Charal“ und liegt nun auf Platz zwei. Die ersten Yachten werden in zwei Tagen am sogenannten IOC Unesco Waypoint erwartet, bevor es dann nach Süden in Richtung Azoren geht. Vom Gallimard Waypoint soll die Flotte schließlich wieder in Richtung Les Sables-d’Olonne abbiegen.

Rennleiter Jacques Caraës sieht das Rennen bis zur Nordmarke völlig offen: „Der Wind wird nachlassen und unberechenbar werden. Wir werden sehen, wie sich die Strategien gestalten, insbesondere die östlichere Route von Thomas Ruyant. Die Bahnmarke IOC-Unesco ist noch weit entfernt und es kann noch alles passieren.“

Isabelle Joschke und Boris Herrmann können zufrieden sein mit der Performance der ersten Tage. Fotos: Vendée Arctique

Ein großer Verlierer des vergangenen Tages war Kevin Escoffier auf der „PRB“. Nach einem Riss im Großsegel hat er viel Boden verloren. Escoffier, der seinen ersten Vendée Globe-Start im November mit dem alten aber stark modifizierten Boot von Vincent Rious anstrebt, ist auf den achten Platz zurückgefallen.

Profiteure des Schadens auf der „PRB“ sind auch die beiden Deutschen. Boris Herrmann liegt mit der monegassischen „SeaExplorer“ etwas nördlich von Isabelle Joschke auf der „MACSF“ auf Platz vier. Seit die Spitzengruppe auf den westlichen Kurs abgebogen ist und nun vor allem raume Winde hat, konnte Herrmann gegenüber Joschke deutliche Gewinne erzielen. Der Hamburger berichtete von Bord, dass er sich in den harten Am-Wind-Bedingungen zurückgehalten habe, um sein Boot in Bedingungen zu schonen, die er in der Vendée Globe nicht erwartet. Zudem fiel es ihm zwischenzeitlich schwer, auf diesen Kursen Ruhe zu finden.

Nach dem Bruch des Steuerbord-Foils war die “Arkea-Paprec” die erste Yacht, die das Rennen aufgeben musste. © Martin Viezzer / Arkea Paprec

Schwerer hat es hingegen einige weitere Starter getroffen. Sébastien Simon war auf der „Arkea-Paprec“ bereits in der Startphase das Steuerbord-Foil gebrochen. Auch der Rumpf hatte dabei Schaden genommen, so dass der Franzose das Rennen als Erster abbrach, um die Vorbereitung für die Vendée nicht zu lang zu verzögern. Auch der paralympische Segler Damien Seguin hat auf der „Groupe Apicil“ die Bretagne angesteuert. Ihm war die Lichtmaschinen-Halterung abgerissen, so dass er seine Batterien nicht mehr laden konnte, da der Hydrogenerator auf dem Am-Wind-Kurs nicht ausreichend Energie liefert. Dritter Ausfall ist Armel Tripon mit der „L’Occitane en Provence“. Bereits vor drei Wochen hatte der Rumpf bei einer Kollision Schaden genommen (SR berichtete). Das Ausmaß wurde aber erst jetzt bei den Am-Wind-Bedingungen deutlich. Da der Rumpf zu delaminieren begann, hat sich Tripon zur Aufgabe entschieden.

Noch im Rennen sind Kojiro Shiraishi auf der „DMG Mori Global One“ und Giancarlo Pedote mit der „Prysmian Group“. Allerdings klagt Shiraishi über ein Problem mit dem Großsegel und bei Pedote arbeitet die Bordelektrik nicht einwandfrei.

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